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Reise: Schottland

Lord of the Isles - Seite 2

Thomas Kittel am 04.07.2018

Ein Abstecher über die Skye Bridge aufs Festland führt uns zum berühmten Eilean Donan Castle. Es liegt auf einer Landzunge, die bei Flut zur Insel wird. Nach 200 Jahren als Ruine wurde die Burg nach Originalplänen wieder aufgebaut. Sie gehört heute zu den beliebtesten Touristenattraktionen in Schottland und diente oft als Kulisse für Filme und Fernsehserien.

Nachdem das Wetter sich beruhigt und der Wind auf südlichere Richtungen gedreht hat, verlassen wir das lieb gewonnene Portree und laufen Stornoway an – den größten Hafen auf der Äußeren-Hebriden-Insel Lewis. Entsprechend komfortabel gestaltet sich die Marina – der Unterschied zu Portree könnte nicht größer sein. Und direkt darüber thront Lews Castle und verleiht dem Hafen so etwas wie ein aristokratisches Flair.

Unterwegs verfolgen wir per Funk eine Rettungsaktion für einen Segler, der offenbar mit einem Wassereinbruch zu kämpfen hat. Einige Fischer sind bereits in der Nähe, auch der Rettungskreuzer aus Stornoway läuft umgehend aus. Ein Frachter auf gleichem Kurs bietet ebenfalls Hilfe an und wird um Stand-by gebeten.

Zum Glück sinkt das Segelschiff nicht und kann in einen Hafen geschleppt werden. Kurz vor Erreichen des Hafens sichten wir die zwei dunklen, unverkennbaren Rückenflossen eines Riesenhais. Dann kreuzt ein Schwarm Delfine unseren Kurs. In der Hafeneinfahrt tummeln sich zahlreiche Seehunde. Wer die Ostsee sein Heimatrevier nennt, sieht hier eine abwechslungsreiche, faszinierende Tierwelt.

Wir erleben Lewis bei immer noch starkem Wind, grauen Wolken und teilweise heftigen Niederschlägen, was die Kargheit und Abgeschiedenheit dieser Gegend noch betont. Mit den Callanish Standing Stones befindet sich hier einer der bekanntesten Steinkreise der Region.

Ein Abstecher an die Nordwestspitze der Insel liefert ein fast surreales Bild: Der in früheren Zeiten umtriebige Fischerhafen Port of Ness ist völlig versandet. Nur ganz kleine Boote laufen ihn noch an und liegen dann bei Ebbe im Sand. Wo mal eine Art Restaurant war, gähnen leere Fensterhöhlen.

Ein modernes Denkmal erinnert an die große Geschichte des Ortes, während auf dem nahe gelegenen Strand eine Mutter mit ihrem Kind einsam die Ferien genießt. Nicht weit entfernt steht das Butt of Lewis Lighthouse – laut "Guinnessbuch der Rekorde" der windigste Punkt im ganzen Vereinigten Königreich. Bei der herrschenden Wetterlage kommen hier bei uns keine Zweifel auf.

Eigentlich heißt es "Isle of Lewis and Harris", da Harris – der südliche Teil der Insel – eine ganz andere Welt darstellt, die nur über eine schmale Landbrücke mit Lewis verbunden ist. Von hier stammt nicht nur der berühmte Harris-Tweed, sondern es gibt neben den allgegenwärtigen Felsformationen auch Lagunen und Strände, deren Größe und Farben an die Karibik erinnern.

Wohl nicht zuletzt deshalb finden sich in der wild zerklüfteten Landschaft große, moderne, teils mondäne Villen und viele hübsche kleinere Ferienhäuser, wie wir sie bisher noch nirgendwo ge­sehen haben. Es ist jetzt hier offenbar weitaus attraktiver als zu jenen Zeiten, in denen unter dem Clan der MacLeods die uralte St. Clement’s Church errichtet wurde.

Aber selbst in dieser rauen Gegend beginnt die moderne, schmackhafte Küche das traditionelle britische Essen zu verdrängen: Wer am Nordwestrand Europas einmal gut essen gehen will, dem sei das direkt am Hafen gelegene "HS-1" empfohlen.

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Thomas Kittel am 04.07.2018