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Gemeinsam gegen das Verbot

Robert Tremmel am 24.05.2013

Neuregelung: Seit Januar ist der Sportbootverleih mit Skipper verboten. Nach heftiger Kritik rudert der Bundesverkehrsminister nun zurück – vorerst.

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Mietboot mit Skipper in Dresden: wirklich unsicherer als die Fahrgastschifffahrt?

Seit Jahren ist es ein vertrauter Anblick auf den Binnengewässern – und ein gängiges Geschäftsmodell: Historische Schlepper und Salonboote, Barkassen und Flöße, die, überwiegend als Sportfahrzeuge zugelassen, mit Betriebsausflügen und Familienfeiern über Flüsse und Kanäle schippern. Am Steuer: ein gestellter Skipper. Einige dieser Fahrzeuge können durchaus bis zu 50 Personen an Bord nehmen. In der Regel sind es aber kleinere Gruppen, die sich für einige Stunden einbuchen. Vor allem in Berlin wuchs so eine vielfältige Szene mit mehr als 100 Booten heran, die das Chartergeschäft mit gestelltem Bootsführer betreibt – bislang im Einklang mit der Binnenschifffahrt-Sportbootvermietungsverordnung.

Doch genau damit sollte seit Jahresbeginn Schluss sein; die Verordnung wurde entsprechend geändert. Für das Bundesverkehrsministerium stand dabei nach eigenen Angaben die Sicherheit im Vordergrund – ein Argument, das die großen gewerblichen Reedereien der "weißen Flotte" seit Jahren ins Feld führen, wenn es um die "verdeckte Fahrgastschifffahrt" mit Sportfahrzeugen geht: Ein Unfall auf einem der Sportboote, so die Befürchtung des Bundes Deutscher Binnenschiffer, würde auch die Reputation der Fahrgastschiffe beschädigen. – "Alles nur vorge-schoben", sagen die Vermieter der Sportboote mit Blick auf das durchaus reale Konkurrenzverhältnis. Ihrer Ansicht nach geht es den Großen eher um den Wettbewerb als um den Aspekt der Sicherheit. Sind Sportboote überhaupt unsicher?

Die polizeiliche Unfallstatistik der vergangenen Jahre, die BOOTE für Berlin und Dresden vorliegt, deutet zumindest auf kein signifikantes Unfallrisiko hin. Auch das behauptete Sicherheitsgefälle zwischen Sportbooten und Fahrgastschiffen lässt sich durchaus hinterfragen. Richtig ist zwar, dass Fahrgastschiffe, die meist mehr als 150 Personen mitnehmen dürfen, höhere Auflagen zu erfüllen haben. Die Vergangenheit zeigt aber, dass die notwendige Sicherheit relativ und von Fall zu Fall bemessen wurde. Sofern Sportboote für größere Gruppen ausgelegt waren und sich den Passagierzahlen eines Fahrgastschiffes annäherten, erhöhten sich auch die Ansprüche für die Zulassung.

Das verdeutlicht der Aufwand, den Toni Kaiser von der Berliner Event-Charterfirma "Hauptstadtfloß" betrieben hat: Auf seinen beiden 15-m-Flößen dürfen immerhin 40 und 50 Personen mitfahren. Ihr amtliches Bootszeugnis erhielten die eigenwilligen Sportboote jedoch nur unter Berücksichtigung zahlreicher Richtlinien in Anlehnung an die Fahrgastschifffahrt. Die Liste der Sicherheitsmaßnahmen habe den Preis der Flöße mit Holzaufbau nahezu verdoppelt, so Kaiser: zusätzliche Stabilitäts- und Krängungsgutachten, spezielle Reling für Ober- und Unterdeck, Brandschutzvorkehrungen für Aufbauten und Tank sowie weitere Prüfgutachten und Abnahmen, die das Wasserschifffahrtsamt letztlich akzeptierte. "Sobald meine Flöße mit mehr als zwölf Personen aufs Wasser wollen, ist außerdem das Schifferpatent C für den Skipper und die Anwesenheit eines zweiten Besatzungsmitgliedes mit Schifferdienstbuch vorgeschrieben", erklärt Kaiser. Würde das neue Gesetz Wirkung entfalten, bliebe er wohl auf seinen Investitionen sitzen.

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Robert Tremmel am 24.05.2013