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Deutschland

Charter & Revier: Düsseldorf und Köln

Christan Tiedt am 28.04.2015

Düsseldorf und Köln schenken sich nichts, Gästen dafür aber umso mehr! Zwei Törnziele am Niederrhein, die man einfach gesehen haben muss!

Fotostrecke: Düsseldorf und Köln

Diese Rivalität ist so alt, dass keiner mehr so richtig sagen kann, wann und warum sie eigentlich entstanden ist: Zwei Schwestern an des Rheines Strand und jede sich die Schön’re fand! Manche meinen, es ging in längst vergessener Zeit um längst verflossene Handelsprivilegien, und dennoch wird die Konkurrenz bis heute mit Leidenschaft gepflegt. Alaaf und Helau, Kölsch und Alt, die eine viel größer, die andere trotzdem wichtiger. Dabei hat jede der beiden für sich so viel Eigenes zu bieten, dass sich – von Unbeteiligten – herrlich kombieren ließe: Halver Hahn mit Samtkragen zum Beispiel. Dabei ist kein Grillgockel mit Tischdeko gemeint, sondern ein Roggenbrötchen mit Käse, Zwiebel und Gurke (Halver Hahn: Köln) und ein "Kurzer" aus Kornbrand und Boonekamp (Samtkragen: Düsseldorf). Aber was soll die lange Vorrede: Am besten sehen Sie sich beide Städte selbst auf eigenem Kiel an. Es lohnt sich!

Düsseldorf: Mit dem Anker im Wappen

Feiern können alle Rheinländer, keine Frage, und das nicht nur beim Karneval. Aber "die längste Theke der Welt" steht nun einmal in Düsseldorf! Dabei hat die Landeshauptstadt an der Düssel (ja, diesen Fluss gibt es wirklich!) wesentlich mehr zu bieten als zelebrierte Kneipenkultur: Kunst, Architektur und jede Menge entspannte Ecken zum Wohlfühlen und Genießen! Das erwartet Sie:

1. Der Medienhafen, heute Düsseldorfs erste Anlaufstelle für Tourenskipper, verdankt sein heutiges Erscheinungsbild den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts: In dem sonst für eher Bausünden bekannten Jahrzehnt entschieden die Städteplaner, den Düsseldorfer Handelshafen zu verkleinern und einen Teil umzugestalten. Die Nähe zum Stadtzentrum sollte Dienstleister aus Film, Werbung und Mode anlocken, Kreativität statt Kohle und Stahl. Herzstück sollte der ehemalige Zollhafen werden, in den bald Sportboote einzogen. Um ihn herum wurden große Bauprojekte gestartet: Der Rheinturm wurde 1982 fertiggestellt, der neue nordrhein-westfälische Landtag folgte 1988. Inzwischen ist die Verwandlung abgeschlossen, der Medienhafen (wie er jetzt heißt) mit der markanten Metallfassade des "Neuen Zollhofes" zu einem modernen, urbanen Zentrum am Wasser geworden: Gut drei Dutzend Bars und Restaurants gibt es in unmittelbarer Nähe, dazu ein großes Multiplex-Kino (UCI). Die Anbindung an die Stadt  (Hauptbahnhof) erfolgt mit der neuen Straßenbahnlinie 719. www.medienhafen.de

2. Die Marina Düsseldorf und der Medienhafen liegen auf dem südlichen (rechten) Ufer des Rheinknies, einer engen, doppelten Flussschleife, der die Stadtteile Oberkassel und Bilk trennt. Etwa 500 Meter oberhalb der Rheinkniebrücke erfolgt die Einfahrt in den Hafen bei Stromkilometer 743,1 RU. Wegen der Buhnen muss die Betonnung in diesem Abschnitt genau beachtet werden. Die 1976 eröffnete Marina Düsseldorf – damals der erste private Sportboothafen am Rhein – bietet an sieben Stegen (mit Fingerstegen, Strom, Wasser und WLAN) insgesamt 160 Liegeplätze in bester Lage. Fäkalien können ebenfalls entsorgt werden. Sanitäranlagen in der schwimmenden Hafenmeisterei. Liegegebühren: 1,50 Euro/Meter. Tel. 0211-39 43 69, www.marina-duesseldorf.de. Diesel gibt es beim Bunkerboot "Vasco" im städtischen Hafen: Tel. 0211-302 17 28, UKW 10.

3. Der Rheinpark umschließt den östlichen Teil des Medienhafens. Gleich nebenan ragt der 240 Meter hohe Rheinturm auf. Aus den beiden Restaurants und der Aussichtsplattform auf 170 Meter Höhe  bieten sich großartige Ausblicke auf Düsseldorf und den Rhein – bei guter Sicht sogar bis zum 55 Kilometer entfernten Köln (www.guennewig.de/rheinturm-duesseldorf). Am Gebäude des Landtages von NRW (Düsseldorf ist Landeshauptstadt) und unter der Rheinkniebrücke hindurch geht es zu Fuß über die Uferpromenade Rheinwerft bis zur Altstadt. 

4. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ist in gleich drei Gebäuden in der Stadt untergebracht: "K21" im Ständehaus am Kaiserteich nahe der Rheinkniebrücke (Ständehausstr. 1), "K20" am Grabbeplatz etwas nördlich in der Altstadt (Grabbeplatz 5) und das benachbarte Schmela-Haus (Mutter-Ey-Str. 3). Der Schwerpunkt der umfangreichen Ausstellung liegt auf der Kunst des 20. Jahrhunderts, mit Werken von Paul Klee über Pablo Picasso bis zu Jackson Pollock. www.kunstsammlung.de

5. Die Königsallee ist der beste Ort zum sehen und gesehen werden. Alle internationalen Luxuslabel, die etwas auf sich halten, sind an der "Kö" vertreten. Shopping ohne Hemmungen – wenn das Konto stimmt. www.koenigsallee-duesseldorf.de

6. Die Altstadt ist ebenso weltberühmt, wie die "Kö", wenn auch eher für den körperlichen Konsum. 300 Kneipen, Bars und Restaurants drängen sich dicht an dicht und haben den Ruf "der längsten Theke der Welt" geprägt. Zu den Institutionen, die auch leckere Lokalküche servieren, gehört die Brauerei "Zum Schiffchen" (Hafenstr. 5, www.brauerei-zum-schiffchen.de). Man trinkt frisches Alt, Killepitsch oder eben Samtkragen. Unser deftiger Tipp dazu: das Ochsenschwanzragout!  

7. Der Alte Hafen liegt zwischen Rhein und Altstadt direkt an der Rheinpromenade. Ein schöner Platz zum Draußensitzen an schönen Tagen! Der Pegel Düsseldorf (Rhein-Kilometer 744,2) steht ebenfalls hier. Gleichwertiger Wasserstand (GlW): 105 cm, höchster schiffbarer Wasserstand (HSW): 880 cm. 0221-194 29, www.elwis.de

8. Der Hofgarten ist der zentrale Park Düsseldorfs mit ausgedehnten Wald- und Wiesenflächen – ohne Blick auf den Rhein.

Köln: Hinein ins Kölsche Herz

Was die Einwohnerzahl angeht, ist die Millionengrenze überschritten, der Status der Metropole überall sichtbar – besonders am Wasser, wo Glas und Stahl am Ufer glitzern. Et bliev nix, wie et wor, sagt schon das "Kölsche Grundgesetz". Doch die Kölner nehmen's locker. Schließlich überragt ihr Dom wie ehedem alles ringsum –
un et hätt noch immer jot jejange!

1. Der Rheinauhafen war bis in die Fünfzigerjahre des 20. Jahrhunderts der bedeutendste Wirtschaftshafen der Stadt Köln. Vor der Strömung geschützt liegt sein 700 Meter langes Becken auf dem linken Ufer in unschlagbarer Nähe zur Innenstadt. Die Einfahrt befindet sich zwischen Severins- und Deutzer Brücke bei Kilometer 687,5 LU. Beim Eindrehen in Talfahrt auf Bergfahrer und Fahrgastschiffe unterhalb achten! Die Drehbrücke über der Einfahrt ist geschlossen in der Regel nur für kleine Sportboote passierbar (Durchfahrtshöhe: 8,20 m minus Pegelstand Köln), öffnet    aber nach Anmeldung beim Hafenmeister von 8 bis 20 Uhr zur vollen Stunde (Tel. 0221-932 05 85).

Das ehemalige Industriegebiet wurde in den vergangenen Jahren in ein neues Stadtquartier umgestaltet, deren Wahrzeichen die drei weithin sichtbaren "Kranhäuser" sind. Erst im vergangenen Sommer wurden die Arbeiten abgeschlossen, ein Aussichtspavillon am südlichen Ende des Hafenbeckens dokumentiert nun seine frühere Geschichte. Gleich nebenan befindet sich auch der Stegzugang zur Köln Marina (RSK).

2. Die Köln Marina, oder der Rheinau-Sporthafen Köln (RSK), ist die Heimat des Kölner Autbord- und Motoryacht-Clubs. Gäste sind willkommen und dürfen an Plätzen mit grünem Schild festmachen. Der 350 Meter lange Schwimmsteg ist mit Fingerstegen, Strom und Wasser ausgestattet und liegt spektakulär im Schatten der modernen Architektur ringsum. Sanitäranlagen, Bootstankstelle (Super und  Diesel) und Fäkalienstation sind vorhanden. Bewirtschaftetes Eventschiff "Hafenboot" direkt am Steg. Liegegeld: 1,60 Euro/Meter, plus 4 Euro für Strom und Wasser. Tel. 0221-932 05 85, www.rheinau-sporthafen.de

3. Zwischen Hafen und Rhein erinnern heute noch feingliedrige Frachtkräne und sehenswerte historische Speicherbauten, wie der "Silo 23" oder das "Siebengebirge", an frühere Zeiten – auch wenn sie zu Bürogebäuden umfunktioniert wurden. Überragt werden sie von den drei Hochhäusern, den "Krantürmen", mit einem Quadratmeterpreis von 6000 Euro sicher eine der exklusiveren Kölner Adressen. Nebenan dann noch zwei eher gegensätzliche Museen: das Deutsche Sport- und Olympiamuseum (www.sportmuseum.de) zum einen,  das Schokoladenmuseum zum anderen (www.schokoladenmuseum.de).

4. Die Rheinpromenade führt vom Hafen auf kürzestem Weg zur Altstadt und zum nur knapp zwei Kilometer entfernten Dom. Am Ufer befinden sich die Steiger für Ausflugs- und Hotelschiffe, bei Stromkilometer 688 steht außerdem der Pegel Köln: Gleichwertiger Wasserstand (GlW): 145 cm, höchster schiffbarer Wasserstand (HSW): 830 cm. Pegelstände: 0221-194 29, www.elwis.de

5. Die Altstadt erfüllt jeden Wunsch, wenn es um flüssige oder feste Nahrung geht: egal ob kölsch, mediterran oder asiatisch, von Himmel un Ääd bis Tom Kha Gai findet hier jeder etwas. Nur Düsseldorfer Alt muss es ja nicht unbedingt sein.

6. Das Römisch-Germanische Museum öffnet ein Fenster in die Spätantike, als die Rheinmetropole bereits eine römische Provinzhauptstadt mit dem (etwas umständlichen) Namen Colonia Claudia Ara Agrippinensum war, längst verkürzt zu "Köln". Roncalliplatz 4, www.museenkoeln.de/roemisch-germanisches-museum

7. Der Kölner Dom ist nicht nur das unumstrittene Wahrzeichen der Stadt, sondern auch die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Deutschlands (!): 1248 begonnen, wurde er erst 1880 fertiggstellt. Weltkriegsbomben und saurer Regen konnten die gewaltige gothische Kathedrale nicht zum Einsturz bringen. Heute ist sie UNESCO-Welterbe. Klar, ein Muss! www.koelner-dom.de

8. Der Rheinpark ist dagegen zum Entspannen geschaffen: Restaurants, Beach Club und Therme findet man vor Ort. Dazu die Seilbahn über den Rhein! www.koelner-seilbahn.de

Christan Tiedt am 28.04.2015