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Deutschland

Gewässer im Südosten Berlins

Christian Tiedt am 06.03.2015

Herbsttörn: Von den bunten Resten der Berliner Mauer bis zum „Märkischen Meer“ – die Gewässer im Südosten der Haupstadt bieten jede Menge Abwechslung

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Berlins Südosten

Berlins Südosten: Unsere Linssen nimmt Kurs auf die Oberbaumbrücke

Nischt mit Wannsee! Im Mittelpunkt unseres Hauptstadttörns steht der Osten Berlins: Diesmal wollen wir jene Gewässer erkunden, für die auf unserem letzten Törn in der Region (siehe BOOTE 12/2012) nicht genug Zeit war – wie Mediaspree, Rüdersdorfer Gewässer und schiffbare Löcknitz. Wunderschönes Herbstwetter soll uns begleiten! Beste Voraussetzungen also, als wir mit unserer Linssen Grand Sturdy 36.9 AC an der Charterbasis von 5 Sterne Yachtcharter in Köpenick – gleich gegenüber der Schlossinsel – die Leinen losmachen und spreeabwärts Kurs auf das Zentrum Berlins nehmen.

Berlins Südosten

Berlins Südosten:

1 Innerstädtische Spree

Die erste Tagesetappe führt uns auf der Spree-Oder-Wasserstraße von Köpenick (SOW-km 33,4) bis zur Schleuse Mühlendamm (SOW-km 17,4) – also fast bis nach "Mitte" hinein. Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg heißen die Bezirke auf diesem Abschnitt; früher bildete der Fluss hier die Grenze zwischen Ost und West. Wer genau hinsieht, entdeckt ihre Spuren noch. Zunächst jedoch wird es modern: Nachdem wir den Rummelsburger See an Steuerbord gelassen und die Eisenbrücke bei SOW-km 22 passiert haben, ragen vor dem linken Ufer die monumentalen Aluminiumfiguren des Molecule Man aus der Spree. 30 Meter hoch ist das Kunstwerk des Amerikaners Jonathan Borofsky. Seit 1999 markiert es den Berührungspunkt der historischen Stadtteile Kreuzberg, Friedrichshain und Alt-Treptow.

Mediaspree wird der nun folgende Abschnitt genannt: Im Rahmen eines ehrgeizigen Investionsprojektes sollten hier Industriebrachen und Todesstreifen auf beiden Ufern in ein neues Quartier verwandelt werden. Die Teilerfolge sind unübersehbar: moderne Büroarchitektur am Wasser, und natürlich die riesige Kuppel der O2 World Berlin an der Mühlenstraße.

Dass die Wirtschaftkrise dem Bauboom einen Dämpfer verpasst hat, stimmt jedoch längst nicht alle Anwohner traurig: "Kiez statt Kommerz" steht groß auf brüchigem Beton zu lesen. Spannende Kontraste jedenfalls, die man von Bord aus beobachten kann. Es geht unter der markanten Oberbaumbrücke mit ihren beiden Türmen hindurch. Die Beachclubs haben noch geöffnet, teilweise anarchische Bebauung drängt sich ans Ufer, Design glänzt neben rostigem Schrott. Auf dem Rasen vor der East Side Gallery lassen sich entspannte Spaziergänger die Oktobersonne ins Gesicht scheinen. Fast sind wir in Berlin-Mitte, man sieht den Fernsehturm am Alex über den Dächern.

Doch vor der Schleuse Mühlendamm ist heute Schluss für uns: Die innerstädtische Spree zwischen der Schleuse und der Lessingbrücke bei SOW-km 12 ist aufgrund von Bauarbeiten weiterhin für Fahrzeuge ohne UKW-Funkanlage täglich von 10:30 bis 19 Uhr gesperrt ist. Macht nichts, wir haben auch so noch genug vor und drehen wie geplant um. Wer möchte, kann die City mit "Alex", Museumsinsel und Regierungsviertel aber auch von hier erkunden: Im Spreekanal (Abzweig im Oberwasser der Schleuse, linkes Ufer) befindet sich eine öffentliche Sportbootliegestelle (Wallstraße, 24 Stunden Aufenthalt, kein Service, Achtung: Brücke mit 2,80 m Durchfahrtshöhe vor dem Anleger).

Auch wir nutzen an diesem Abend so eine Liegestelle; allerdings am Treptower Park hinter der Insel der Jugend. Hier liegt man mitten im Grünen und wer will, kann dem eindrucksvollen (und kürzlich restaurierten) "Großen Soldaten" am Sowjetischen Ehrenmal einen Besuch abstatten.

2 Müggelspree

Fast zurück bis zu unserer Charterbasis folgen wir der Spree-Oder-Wasserstraße, doch bei Kilometer 32,8 zweigen wir auf der Müggelspree nach Osten ab. Ihre insgesamt elf Kilometer sind diesmal zwar nur "Transitstrecke" für uns, trotzdem lohnt sich die Verbindung – schon wegen des weiten Müggelsees, Berlins größtem See, der an Sommerwochenenden zum Mittelpunkt des Wassersports wird. Wichtig: Motorboote dürfen hier nur die betonnte Durchgangsfahrrinne benutzen; die erlaubte Höchstgeschwindigkeit beträgt 25 km/h.An den schicken Parzellen von Klein Venedig geht es danach vorbei, bis die Müggelspree auf den Dämeritzsee trifft. 

3 Rüdersdorfer Gewässer

Schön wird es, wenn man den ersten Kilometer mit überwuchertem Beton und Graffiti am Ufer hinter sich gelassen hat, und das Flakenfließ in den Flakensee übergeht. Wenn man ankern möchte, dann hier. Weiter nördlich besteht für Boote mit Verbrennungsmotor (und ohne Liegeplatz) von 22 Uhr bis 5 Uhr ein Befahrensverbot.

Zügig geht es durch die einzige Schleuse Woltersdorf (mit Klappbrücke). Die Wartestelle (Nordseite) ist ungünstig angelegt; hier muss hinter dem Leitwerk festgemacht werden. Das Fahrwasser ist schmal, und Dalben behindern die Ausfahrt.

Dafür ist das Wasser im anschließenden Kalkfließ erstaulich klar: Die Sicht reicht bis zum sandigen Grund. Viel Grün ziert jetzt das Ufer, Kleingärten ziehen sich zum Wasser hin. Leider sind an den reizvollen Stellen keine Liegemöglichkeiten vorhanden, etwa bei dem hübschen Ausflugscafé nördlich der Schleuse, oder am Museums-park Rüdersdorf, dessen Ausstellung die industrielle Geschichte des Reviers porträtiert und einen Zwischenstopp durchaus wert wäre. www.museumspark.de

Die geschäftige Vergangenheit der Gegend ist aber auch so noch sichtbar; Industrieruinen, Schlote und Fabrikgerippe ragen überall aus den Bäumen auf, etwa am Langerhanskanal. Kalkstein wurde hier früher gebrochen, Sand und Kies für den Bau Berlins gewonnen. Längst haben Angler und Bootsleute die grüne Idylle für sich allein. Das wildumwucherte letzte Teilstück mit dem Straußberger Mühlenfließ ist Landeswasserstraße und öffnet sich auf den wirklich malerischen Stienitzsee mit breitem Schilfgürtel und Strandbad. Wer übernachten möchte, findet einen Platz am Gelbe-Welle-Anleger des MC Stienitzsee Petershagen inmitten schönster Waldeinsamkeit. (RüG-km 13,3, 1 E/m, Strom und Wasser, www.mc-stienitzsee.de).

4 Löcknitz

Der nächste Abstecher führt vom Flakensee auf die Löcknitz. Zunächst folgen wir dabei dem Fluss selbst, der sich auf den ersten drei Kilometern durch den tiefen Wald und moorige Niederungen führt. Natur pur, Berlin ist plötzlich ganz weit weg. Bei Fangschleuse beginnt dann der Werlsee. Ihm folgen der Peetzsee und der wieder sehr natürliche Möllensee, alles schmale Gewässer, die mit kurzen Fließen verbunden sind. Nach knapp elf Kilometern haben wir das Ende der Schiffbarkeit erreicht. Eine schöne Tour hier herauf!

Für den Abend machen wir am öffentlichen Anleger in Grünheide am Ostufer des Werlsees fest (LöK-km 5,4). Eigentlich ganz nett, wenn auch ohne Service. Unser Tipp deshalb: Das Restaurant "Karma am See", gleich am Südufer des benachbartenPeetzsees, hat einen eigenen Steg für Gastlieger – und eine sehr überzeugende Küche. (LöK-km 5,8, Strom und Wasser, 10 E pauschal, www.karma-am-see.de).

5 Dahme-Wasserstraße

Es geht auf Südkurs, unser Ziel ist das "Märkische Meer". Doch noch trennen uns knapp 80 Kilometer vom Scharmützelsee. Zunächst folgen wir dem Gosener Kanal in den Seddinsee. An seinem südwestlichen Ende treffen wir auf die kreuzende Spree-Oder-Wasserstraße und die dort beginnende Dahme-Wasserstraße. Weiter nach Süden, jetzt über den langgestreckten, schönen Zeuthener See, den wir ganz für uns haben.

Einmal unter dem Berliner Autobahnring hindurch, wartet bei DaW-km 9,4 die Schleuse Neue Mühle auf uns. Etwas weiter passieren wir am Südufer des Krüpelsees die Seebrücke Senzig. Dort ist Platz, und wir machen spontan fest, obwohl es erst früher Nachmittag ist. Auch hier ist wenig los. Eigentlich ein schönes Plätzchen, besonders von der bewirtschafteten Terrasse auf der Brücke aus, aber mit einer Liegegebühr von 1,50 Euro pro Meter nicht gerade billig. Insgesamt bezahlen wir mit Strom und Duschen 22 Euro.

Dagegen steht natürlich die Erfahrung, an der "längsten Binnenseebrücke Deutschlands" zu liegen. Das umliegende Areal soll zudem touristisch weiter entwickelt werden, ein Bebauungsplan existiert bereits. Versorgungsmöglichkeiten im nahen Ort. www.seebruecke-senzig.com

6 Storkower Gewässer

Von Senzig aus folgen wir der Dahme-Wasserstraße noch bis Kilometer 25, dort zweigen dann die Storkower Gewässer ab. Über knapp 34 Kilometer führen sie bis nach Bad Saarow am nördlichen Ende des Scharmützelsees.

Zum Glück spielt das Wetter weiter mit, als wir auf dem Wolziger See das komplette Verdeck legen: Denn auf dem nächsten Teilstück, etwa zwei Kilometer östlich der Schleuse Kummersdorf bei StG-km 10,3, überspannt die niedrigste Brücke im Törnverlauf die Wasserstraße (mit einer Durchfahrtshöhe von nur 3,69 m bei mittlerem Wasserstand). Vor der Durchfahrt auf die vorhandenen Pegel achten!

Zweimal noch müssen wir an diesem Tag Schleusen, zunächst in Storkow (Selbstbedienung, auch bei der folgenden Klappbrücke), dann in Wendisch Rietz. Gleich hinter der Ausfahrt auf den Scharmützelsee liegt der Durchstich zum Becken der Marina Wendisch Rietz, Besucher gehen am festen Gaststeg längsseits. Der Hafen gehört zu einer weitflächigen Anlage mit skandivischen Ferienhäusern, mit hohem Erholungsfaktor direkt am See (StG-km 23,1, 1 E/m, Strom inklusive, Dusche: 1 E. www.ring-yachtcharter.de).

Rund zehn Kilometer bleiben nun noch nach Bad Saarow; über den aufgepeitschten Scharmützelsee – trotz strahlend blauem Himmel. Segler liegen hart am Wind. Das "Märkische Meer" macht seinem Beinamen wirklich alle Ehre! Wir machen an der Steganlage der Bad Saarow Marina an der Freilichtbühne fest und liegen sehr ruhig (1 €/m, Strom: 1,5 € p.P., Kurtaxe ebenfalls 1,5 € p.P.; Dusche: 1 €. www2.bad-saarow.de/schifffahrt).

Angekommen! Für die verbleibenden zwei Tage steht nur noch die Rückfahrt nach Berlin an. Also genießen wir die Sonne an Deck und stoßen an: Es ist der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit – und ohne den wären wir jetzt nicht hier.

Christian Tiedt am 06.03.2015