Krummhörn Krummhörn
Deutschland

Krummhörn

Christan Tiedt am 13.05.2008

Hinterm Deich liegt Ostfrieslands schönste „Ecke“Die Krummhörn zwischen Emden und Greetsiel ist ein echter Geheimtipp und auf jeden Fall sehenswert.

Krummhörn

Unterwegs zwischen Emden und Greetsiel

Hier bitte Text eingebenSalzluft, Stille und saftig-grünes Marschland, so weit das Auge reicht. Windmühlenflügel, die sich träge vor dem blauen Sommerhimmel drehen – in der nord­östlichsten Ecke der Republik ragt ein wahrhaft idyllischer Zipfel Ostfrieslands in die weiten Watten der Emsmündung hinaus: die Krummhörn.

Kaum jemand weiß, dass ­diese „Ecke“ gleich hinter dem Deich ein in Deutschland einmaliges Sportbootrevier bietet: Zwischen dem alten, malerischen Küstenfischerdorf Greetsiel und der traditionsreichen Seestadt Emden erstreckt sich ein knapp 150 km langes, schiffbares Netz aus „Tiefs“ (über die einst das moorige ­Küstenland entwässert wurde), Kanälen und Flüssen – perfekt für einen kurzen Wochenendtörn oder einen lohnenden längeren Abstecher für Skipper auf der „Durchreise“ zwischen Deutschland und den Niederlanden.

Wir wählten die flexibelste Variante (und den geringsten Tiefgang) und gingen mit dem Schlauchboot auf Entdeckungstour. Als Ausgangspunkt empfehlen wir Emden, das auf eigenem Kiel sowohl von Binnen über den Ems-Jade-Kanal als auch direkt über die Ems erreicht werden kann. Für Trailerbootfahrer bietet der Hafen der Stadt nicht nur erst kürzlich neu geschaffene Liegeplätze mit Strom und Wasser (auch im historischen Ratsdelft, gleich gegen­über des Museums-Feuerschiffes „Deutsche Bucht“), sondern auch eine solide Sliprampe. Der Zugang zum Revier erfolgt dann über die markante Kesselschleuse (Betriebszeiten siehe Extraheft „Schleusenkalender“ in dieser Ausgabe, Tel. 04921-242 39).

Von der Nordsee kommend, führt der Weg durch die Sielschleusen Leysiel (geöffnet 4 Std. vor bis 3 Std. nach HW Norderney, Tel. 04926-20 00, UKW: Kanal 17), und Greetsiel (Sammelschleusung nach tel. Anmeldung: 04926-851, max. Durchfahrtshöhe: 1,30 m, max. Breite: 2 m). Unser zweitägiger Rundkurs sah folgendermaßen aus: Hinter der Kesselschleuse bogen wir nach Osten aus dem Emdener Stadtgraben ab und folgten dem Trecktief bis zum Kleinen Meer, einem sehr flachen See, bei dessen Überquerung man sich unbedingt an das betonnte Fahrwasser halten sollte.

Danach ging es über das gewundene Marscher Tief am (für Motorfahrzeuge gesperrten) Großen Meer entlang und über das Knockster Tief bis Loppersum, wo wir auf das Alte Greetsieler Sieltief abbogen (Liegemöglichkeiten in Grimersum und Eilsum), das uns bis nach Greetsiel brachte. Die durchgängig erlaubte Höchstgeschwindigkeit liegt im Revier übrigens bei gemüt­lichen 5 km/h.


Greetsiel, das sich durch die imposanten „Zwillingsmühlen“ direkt am Ufer des Tiefs schon von Weitem ankündigt, bietet jede Menge ostfriesischen ­Charme – von den alten holländisch anmutenden Schifferhäusern am Fischereihafen bis zu den vielen netten Cafés und ­Restaurants (unser Tipp ist das urige Gasthaus „Zur Börse“). Festmachen kann man an den begrenzten Liegeplätzen des öffentlichen Anlegers oder an der komplett ausgestatteten Steganlage des YC Greetsiel (mit Slip­rampe) jenseits der Sielschleuse (Tel. 04926-402, www.yacht club-greetsiel.de).

Der zweite Tag brachte uns nach einem kurzen Abstecher nach Pilsum, dessen kleiner Sportboothafen neben wenigen Gästeplätzen auch über eine Slipanlage verfügt (Anmeldung unter Tel. 04926-860). Trotz seines Namens ist das Neue Greetsieler Sieltief, das uns nach Hinte bringt, weniger gut schiffbar als sein alter öst­licher „Nachbar“ – zahlreiche Stellen sind schmaler als 10 m und stark verkrautet.

Das ändert sich erst wieder in Hinte,  einer Art Wasserstraßenkreuzung der Krummhörn, mit einem öffentlichen
Steg gleich neben der Windmühle. Von hier aus ist es nur noch ein kurzes Stück über das Hinter Tief, und wir sind zurück in Emden. Die Länge unserer beiden Tagesetappen: Von Emden nach Greetsiel waren es 32 km, von dort zurück nach Emden noch einmal 24 km, insgesamt also 56 km.

Bleibt nur zu sagen, dass es auch abseits unserer kurzen Rundtour noch eine Menge in der Krummhörn zu entdecken gibt. Einziges Manko des ansonsten wunderschönen Reviers sind die geringen Tauchtiefen und Durchfahrtshöhen (siehe Kasten), die die Wasserwege häufig nur für kleine Boote passierbar machen. Das Wassersportteam Ostfriesland, eine Initiative von 30 Vereinen, bemüht sich schon seit Jahren erfolgreich, die Infrastruktur für den Wassertourismus zu  erbessern. Dem Revier ist der anhaltende Erfolg der engagierten Ostfriesen wirklich zu wünschen: ur so kann dieser „Geheimtipp“ noch mehr Skippern zugänglich gemacht werden.

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

1. Leyhörner Sieltief Schleuse Leysiel bis Greetsiel; über Störtebekerkanal bis Norden (21 km,Tiefe: 1,50 m, Höhe: 2,30 m bei geschlossenen Brücken)

2.Pilsumer Tief Pilsum bis Neues Greetsieler Sieltief (1,2 km,T:o,90 m)

3. Altes Greetsieler Sieltief (19 km, T: 1 m, H: Loppersum bis Grimersum 2 m, Grimersum bis Greetsiel
1,50 m)

4. Abelitz Upgant-Schott bis Altes Greetsieler Sieltief (9 km,T: 1 m,H:1,90 m)

5. Abelitz-Moordorf-Kanal Abelitz bis Georgsheil (11 km, T: 1 m, H: 2,50 m)

6. Marscher Tief Kleines Meer bis Abelitz-Moordorf-Kanal (8 km, T: 1 m, H: 2,50 m)

7. Trecktief/ Kurzes Tief Emden bis Kleines Meer (7 km,T: 2 m, H: 2,50 m)
8 .Hinter Tief Emden bis Hinte (5 km, T: 1 m, H: 2,20 m)

9. Neues Greetsieler Sieltief Greetsiel bis Hinte (15 km, T: 0,90 m, H: 1,60 m)

10. Knockster Tief Hinte bis Siel Knock (24 km, T: 2,50 m, H: 1,50 m)

11. Twixlumer Tief Knockster Tief bis Emden (9 km,T:1,80 m,Höhe:2 m)

12. Emdener Stadtgraben (T:2 m,Höhe: 1,70 m)

13. Ems-Jade-Kanal Emden bis Jade bei Wilhelmshaven (64 km, T: 1,70 m, H: 1,10 m bei geschlossenen Brücken, sonst 3,80 m)

14. Fehntjer Tief Emden bis Timmel (27 km, T: 1 m, H:2,40 m bei geöffneten Brücken)

15 Ems-Seiten-Kanal Emden bis Oldersum (9 km, T: 2 m, H: 4 m). Für Motorfahrzeuge gesperrte oder ungeeignete Abschnitte sind als feine Linien eingezeichnet. I

Internet Aktuelle Angaben zu Tauchtiefen, Durchfahrtshöhen und Liegeplätzen (inklusive touristischer Infos) gibt es auch online: www.nordwestreisemagazin.de/bootstourismus
 

Christan Tiedt am 13.05.2008
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren