BUGA 2015 BUGA 2015
Deutschland

Mit dem Boot zur Bundesgartenschau

Christian Tiedt am 25.06.2015

Blumen brauchen Wasser – deswegen erblüht die BUGA 2015 ab dem 18. April direkt an der Unteren Havel-Wasserstraße zwischen Brandenburg und Havelberg

Fotostrecke: Fotostrecke Untere Havel-Wasserstraße

BUGA 2015

Blumen brauchen Wasser! BUGA 2015 an der Unteren Havel

Wenn Sie in diesem Sommer endlich einmal dorthin wollen, wo der Pfeffer wächst, muss es nicht Südamerika sein. Wie wäre es stattdessen mit Premnitz an der Unteren Havel? Klingt zwar nicht besonders exotisch, hat aber mehrere Vorteile: Im Vergleich zu Guayana liegt es praktisch um die Ecke, die Malariagefahr ist gleich Null und das Klima angenehmer. Außerdem wachsen dort nicht nur Pfefferschoten, sondern auch noch jede Menge andere "Scharfmacher": Der kleine Ort ist nämlich einer von gleich fünf Veranstaltungspunkten in der Havelregion, die in diesem Jahr die Bundesgartenschau gemeinsam ausrichten. 

Mit im Bund sind außerdem Brandenburg, Rathenow, Havelberg und Stölln; bis auf Letzteres liegen alle direkt am blauen Band der Havel, das ja schon für sich ein kleines Naturparadies ist. Jetzt kommen noch die Blumeninseln der BUGA 2015 dazu – und auf eigenem Kiel lassen sie sich am besten entdecken. Auenwälder, Weinberge, Gartenkunst und Parkanlagen: Was Ihnen genau blüht, erfahren Sie hier!

BUGA 2015

BUGA-Standort Brandenburg: Was gibt es wo zu sehen?

Brandenburg: Zwischen Reben und Rosen

Für Skipper, die aus Richtung Berlin oder Magdeburg kommen, beginnt die BUGA 2015 in Brandenburg an der Havel. Drei Erlebnisbereiche verteilen sich über die Domstadt: Auf dem Marienberg, der höchstgelegenen Parkanlage der Stadt, wurden beispielsweise verschiedenste Rosenarten (auch seltene und edle Exemplare) und ein Heidegarten gepflanzt. Dazu kommen die Terrassen eines kleinen Weinbergs. Schon im Mittelalter hatte man es an gleicher Stelle mit dem Rebenanbau versucht; das "Ergebnis" ist jedoch nicht überliefert...

lütengarantie gibt es dagegen bei den wechselnden Hallenschauen in der ehemaligen Klosterkirche St. Johannis, gleich neben dem Havelufer (und den Sportbootanlegern). Von hier fährt auch die BUGA-Fähre hinüber zum Packhof, einem ehemaligen Werft- und Industriegelände. 33 Themengärten und "Gartenschiffe" verbinden unterschiedliche Gartenbaustile, Pflanzen, Materialien und Kunst.

Liegeplätze: Am BUGA-Gelände gibt es gleich zwei öffentliche Liegemöglichkeiten, die nur etwa 100 Meter voneinander entfernt sind: die Wasserwanderrastplätze "Salzhof" (UHW-km 57,8) an der Promenade bei der Jahrtausendbrücke und "Am Slawendorf" (UHW-km 58,0). Wasser, Strom, Sanitärgebäude (WC: 50 Cent, Dusche: 1 Euro). Liegegebühr: 1 Euro/Meter. www.stg-brandenburg.de


Premnitz: Grüne Küche

Schwer vorstellbar, aber noch in den Fünfzigerjahren des 20. Jahrhunderts war Premnitz ein wichtiger Kohlehafen für die chemische Industrie im Hinterland. Der schwarze Staub ist glücklicherweise längst verflogen, und der grüne Streifen an der Havel wurde schon zu DDR-Zeiten zum Erholungsgebiet. Jetzt ist er einer der beiden BUGA-Flächen des kleinen Ortes.

Die Uferpromenade, an der auch der Gästesteg liegt, führt auf einem Erlebnispfad durch den feuchten Auenwald, weiter über das "Band der Spiele" ("Mensch ärgere Dich nicht" in Übergröße) und den Gärtnermarkt zur Aussichtsplattform – mit weitem Blick über den Fluss. Dort schließt sich nach Norden der Grünzug an. Hauptthema hier: "nachwachsende Rohstoffe" (also Pflanzen, die nicht nur gut aussehen, sondern auch praktischen Nutzen haben, zum Beispiel in der Kosmetik).

Direkt nebenan wird es dann lecker: In der "Grünen Küche" werden Kräuter und essbare Blüten für Besucher gekocht und gegart. Was vor der Tür wächst, landet auf dem Teller! 

Liegeplätze: Der Schwimmsteg von Premnitz (UHW-km 90,9) vor der Spundwand der Uferpromenade ist mit der "Gelben Welle" gekennzeichnet und bietet Platz für etwa zwei Sportboote, allerdings keinen Strom oder Service. Versorgen kann man sich dagegen bei Edeka (Gerhart-Hauptmann-Straße).


Stölln: Der Blick von oben

Vom Gollenberg bei Stölln startete Otto Lilienthal im 19. Jahrhundert seine wagemutigen Gleitflüge. Heute erinnert nicht nur ein Denkmal daran, sondern auch die nach ihm benannte Ausstellung im Lilienthal-Centrum. Das wurde genauso in die BUGA integriert, wie der nahegelegene Fliegerpark. Zwischen Kakteenpflanzungen und Streuobstwiesen, überrascht hier eine Iljuschin 62. Das ausrangierte Langstreckenflugzeug der DDR-Gesellschaft "Interflug" landete 1989 tatsächlich auf dieser grünen Wiese – um als technisches Denkmal zu dienen.

Liegeplätze: Von Strohdehne (WWR-Anleger im Altarm Gülper Havel bei UHW-km 131,1) sind es rund 14 Kilometer bis nach Stölln. Wer seine Fahrräder dabei hat, sollte diesen Abstecher einplanen.


Rathenow: Den Durchblick schärfen

Im Mittelpunkt der BUGA-Region und gleichzeitig im Herzen des Naturparks Westhavelland liegt Rathenow. Lange war der Ort allerdings als Zentrum der optischen Industrie weit bekannt: So mancher Leuchtturm an den Küsten ließ sein Licht durch eine Linse strahlen, die hier an der Havel geschliffen und poliert wurde. Feinoptik für die Wissenschaft wurde ebenso produziert wie für den täglichen Gebrauch. Heute wird das Thema anschaulich vom Optikpark in Szene gesetzt, der bereits 2007 für die Landesgartenschau Brandenburg angelegt wurde und jetzt mit vielen neuen Attraktionen auch zu den Highlights der BUGA gehört. Von Havelarmen umschlossen, locken von Blüten umgebene Farbpyramiden, begehbare Farbräume, Spielplätze und Havelfloßfahrten. Über eine geschwungene und extra für den Anlass gebaute Fußgängerbrücke ist das Areal mit dem Weinberg auf dem östlichen Havelufer verbunden. In der weitläufigen Parkanlage verbergen sich besonders gestaltete Bereiche, wie der Spiegelwald und das Rhododendrontal. Oder Sie erklimmen das Alpinum und den Felsgarten am historischen Bismarckturm.

Liegeplätze: Nur etwa zehn Minuten sind es zu Fuß vom "Gelbe-Welle"-Anleger des Alten Hafens (UHW-km 103), unmittelbar vor der historischen Stadtschleuse, bis zu den Besuchereingängen der BUGA am Optikpark und Weinberg. Festgemacht wird längsseits am Schwimmsteg vor der Hafenmauer (Gebühr: 1 Euro/Meter, Strom: 50 Cent/Kilowattstunde, Duschen: 2 Euro. Den Schlüssel für die Sanitäranlage gibt es bei der Anmeldung im Restaurant "Zum Alten Hafen". www.zum-alten-hafen.de


Havelberg: Alte mauern, weite Auen

Ganz im Norden der BUGA-Region liegt schließlich die alte Hansestadt Havelberg am Zusammenfluss von Elbe und Unterer Havel. Mit ihren wuchtigen mittelalterlichen Sakralbauten bietet sie die passende Kulisse für einige ganz spezielle Themen der Gartenschau: etwa für Pfingstrosen, Mönchs- und Paradiesgarten im Dombezirk, hoch über dem nördlichen Flussufer, oder mit prächtigen Blumenhallenschauen unter den Spitzbögen der gotischen Stadtkirche St. Laurentius.

Kleine Duftgärten sind zudem über die Stadt-insel verteilt. Auf dem Südufer setzt das Haus der Flüsse noch einen eigenen Akzent: Eine interaktive Ausstellung zeigt den Lebensraum von Unterer Havel und Mittlerer Elbe mit ihren Stromtalwiesen und Auenwäldern.

Liegeplätze: Der Yachthafen Havelberg bei Kilometer 146 der Unteren Havel-Wasserstraße  bietet am langen Schwimmsteg gute Liegeplätze (Vorsicht: vor dem Südufer wird es schnell flach). Die Gebühr beträgt 1,20 Euro/Meter, für den Strom werden pauschal 1,50 Euro abgerechnet. Das Sanitärgebäude steht an Land, die Steganlage ist mit einem Tor gesichert. www.campinginsel-havelberg.de


Yachtcharter Werder: BUGA mit Charterboot

Die gesamte BUGA-Region lässt sich auch mit dem Charterboot innerhalb einer Woche gut erkunden. Wenn man beispielsweise in Werder an der Havel (bei Potsdam) startet, kommen auf dem Törn nach Havelberg und zurück in etwa 250 Kilometer zusammen. Unser Vorschlag für die Etappenfolge lautet: Werder–Brandenburg–Rathenow–Havelberg–Strohdehne (oder Hohennauen)–Premnitz–Werder.

Ab Werder bietet etwa Yachtcharter Werder voll ausgestattete Kajütboote und Motoryachten an. Zu den 25 modernen Booten der Flotte gehören kompakte Modelle wie die Aqua Royal 780 oder die Jetten 30 Sedan, die jeweils für zwei Personen ausgelegt sind, aber auch größere Schiffe bis hin zur Jetten 44 AC mit sechs festen Schlafplätzen in drei Doppelkabinen und zwei weiteren umbaubaren Kojen. Informationen und Buchung: Yachtcharter Werder, A.-Damaschke-Str. 56-58, 14542 Werder/Havel, Tel. 03327-54 90 72. www.yachtcharter-werder.de


Besucherinformationen BUGA 2015 Havelregion

Die Bundesgartenschau 2015 findet vom 18. April bis zum 11. Oktober in den fünf Veranstaltungsorten Brandenburg, Premnitz, Rathenow, Stölln und Havelberg statt. Insgesamt umfasst das Gelände rund 55 Hektar an Parkanlagen, auf denen rund eine Million blühende Pflanzen zu sehen sind. Dazu kommen 33 Themengärten, 32 Hallenschauen und 1000 Veranstaltungen für alle Altersgruppen.

Spielplätze und spezielle Aktivitäten für Kinder werden ebenfalls angeboten. Alle Veranstaltungsstätten sind barrierefrei. Öffnungszeiten: April (Mo. bis So. 9 Uhr bis 18 Uhr), Mai bis September (Mo. bis So. 9 Uhr bis 19 Uhr) und Oktober (Mo. bis So. 9 Uhr bis 18 Uhr) Eintritt: Mit der BUGA-Eintrittskarte kann innerhalb des Auststellungszeitraumes jeder der fünf Standorte einmal besucht werden. Sie erhalten somit einmaligen Zugang zu allen Flächen an allen Standorten.

An welchem Tag welcher Standort besucht wird, kann jeder für sich selbst entscheiden. Preise: Erwachsene (ab 18 Jahre): 20 Euro, Ermäßigte (Schüler, Studenten, Behinderung ab 50 Prozent u.a.): 18 Euro, Kinder und Jugendliche (7 bis 17 Jahre): 2 Euro, Feierabendticket (ab 17 Uhr): 10 Euro. Weitere Informationen zu Anreise und Aufenthalt, Standorten, Schauflächen und Veranstaltungsprogramm: www.buga-2015-havelregion.de


Entfernungen (ab Brandenburg)

Berlin-Spandau  67 km
Dresden             334 km
Hamburg            279 km
Havelberg           78 km
Köln                    647 km
Magdeburg         61 km
Rathenow           49 km
Werder                37 km
 

Nautische Informationen: Untere Havel und Nebengewässer

Untere Havel-Wasserstraße: von der Einmündung der Spree in Berlin-Spandau bis zur Elbe bei Havelberg. Länge: 148,5 km, Schleusen: 6, Höchstgeschwindigkeit: 12 km/h, 25 km/h auf Seen und seenartigen Verbreiterungen außerhalb des 100 m breiten Uferschutzstreifens, Durchfahrtshöhe: 4,26 m, Wassertiefe: amtliche Fahrrinnentiefe wasserstandsabhängig. Abrufbar unter www.elwis.de

Potsdamer Havel: von der Abzweigung bis zur Einmündung in die Untere Havel-Wasserstraße. Länge: 30 km, Höchstgeschwindigkeit: s.o., Durchfahrtshöhe: 3,51 m, Wassertiefe: s.o.

Brandenburger Niederhavel: von der Abzweigung bis zum Plauer See. Länge: 7 km, keine Schleusen, Höchstgeschwindigkeit: 8 km/h, Durchfahrtshöhe: 4,22 m, Wassertiefe: s.o.

Rathenower Havel: mit Stadtkanal; von der Abzweigung bis zur Einmünd. in die Untere Havel-Wasserstraße. Länge: 3,9 km, Schleusen: 1, Höchstgeschwindigkeit: 8 km/h, Durchfahrtshöhe: 3,90 m, Wassertiefe: s.o.

Hohennauener Wasserstraße: von der Abzweigung aus der Unteren Havel-Wasserstraße bis Ferchesar. Länge: 11 km, keine Schleusen, Höchstgeschwindigkeit: 8 km/h, 25 km/h auf Seen und seenartigen Verbreiterungen außerhalb des 100 m breiten Uferschutzstreifens, Durchfahrtshöhe: 3,82 m, Wassertiefe: s.o.
 

Christian Tiedt am 25.06.2015