Rügen Rügen

Ostsee Journal: Rügen

Kreidezeit

Dieter Wanke am 12.06.2018

In fünf Etappen haben wir Deutschlands größte Insel umrundet – und uns die schönsten Häfen angesehen

Nach dem Start im Rhein-Main-Gebiet nähern wir uns in Begleitung eines schweren Gewitters unserem Ziel. Auch im Hochsommer ist an der Ostsee mit Wetterproblemen zu rechnen. Bei einer Umrundung der größten deutschen Insel mit einer Motoryacht ist deshalb eine sorgfältige Wetterbeobachtung und Törnplanung unerlässlich.

In der Marina Kröslin angekommen, lässt der Regen nach. Viel mehr, als nach der Übernahme das Gepäck auf unserem Beneteau Swift Trawler 34 von Yachtcharter Schulz zu laden und ein Abendessen im Restaurant der Marina, steht ohnehin nicht mehr an.

Zwei 34er und zwei 30er Swift Trawler hat das Unternehmen hier stationiert. Außerdem wird ab Sommer 2018 ein Fountaine Pajot MY 37 Powerkat das Angebot erweitern. Das Wetter sieht für die nächsten zwei Tage gut aus. Perfekt, um die Inselumrundung entlang der offenen und wetterkritischeren Ost- und Nordflanke zu beginnen. Wer es in die Gewässer zwischen Rügen und Hiddensee geschafft hat, kann dem Rest gelassener entgegensehen.

Bei unserem Start am nächsten Morgen wechseln sich Sonne und Wolken ab. Auch am Folgetag soll es ruhig bleiben. Dann kommt die nächste Front. Also entscheiden wir uns für die erste Übernachtung Lohme anzulaufen. Am nächsten Tag geht es gleich um das Kap zum sicheren Hafen von Schaprode, um hier den Durchzug der Front abzuwarten.

Wer eine stabilere Wetterlage hat, kann zuerst nach Sassnitz fahren und dann noch Stopps in Lohme oder Glowe einplanen, bevor das Kap Arkona umrundet wird. Nach dem Auslaufen in Kröslin geht es betonnt und mit reduzierter Geschwindigkeit los. Die schnelle Fahrt mit dem Trawler lohnt kaum, denn dann wird die Französin mit ihrem Cummins QSB 5.9 und 425 Pferdestärken zum Schluckspecht.

Bei Verdrängerfahrt mit gemütlichen 1500 Touren bei gut sieben Knoten ermitteln wir einen Durchschnittsverbrauch von 9,7 Litern pro Stunde. So läuft der Trawler vorbildlich durch die Wellen. Gut fünf Stunden vergehen, bis die 37 Seemeilen nach Lohme gemeistert sind.

Auf dem Weg kann das Wahrzeichen der Insel in Augenschein genommen werden, die berühmten Kreidefelsen. Der Küstenstreifen gehört zum Nationalpark Jasmund, der zum UNESCO-Weltnaturerbe zählt. Das Schutzgebiet besteht aus naturbelassenen Buchenwäldern.

Am 117 Meter hohen Königsstuhl, einer besonders hervorstechenden Klippe, gut zwei Seemeilen vor Lohme, endet das Schauspiel. Am nächsten Kap ändern wir den Kurs nach Westen und schon ist der Hafen in Sicht. Wir gehen an den Steg direkt an der Einfahrt, denn für die sehr langen Boxen sind unsere Leinen zu kurz.

Die Ortsbegehung führt vorbei am bekannten Café Niedlich mit herrlichem Ausblick auf das Kap Arkona. In der Ortsmitte treffen wir auf das Restaurant Daheim, offensichtlich der Treffpunkt für Gäste im Ort. Die solide Hausmannskost schmeckt und kommt zur rechten Zeit. 

Weitere Revierinformationen zur Insel Rügen lesen Sie in der Juli-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 20. Juni im Handel gibt. 
Das Heft ist im DK-Shop erhältlich, oder Sie laden sich den Bericht direkt über den Link unten herunter.

Dieter Wanke am 12.06.2018