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Reise: Deutschland

Berliner Umland - Teil 2

Bodo Müller am 23.11.2020

Die drei grünen Wassersportreviere am Rand von Berlin haben noch eine Besonderheit. Sie sind nicht nur über die innerstädtischen Kanäle schiffbar verbunden, sondern zugleich Bestandteil des Netzwerks europäischer Wasserstraßen. So kommt man aus dem Seenland im Südosten Berlins weiter zur Oder und damit nach Stettin. Vom Revier im Norden Berlins kann man weiter­fahren zur Mecklenburger Seenplatte, und von der Potsdamer Havel südwestlich von Berlin führen die Wasserwege weiter zur Elbe. Der von uns gefahrene Törn ist also nur eine von vielen möglichen Varianten, die man schippern kann, wenn man in der Hauptstadt ein Boot mietet.

Noch mehr Informationen? Den Artikel "Berlins grüne Weite" mit vielen Bildern, nautischen Revierdaten und großem Serviceteil finden Sie in BOOTE-Ausgabe 12/2020 seit dem 18.10.2020 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

In Berlin-Köpenick übernehmen wir eine Linssen Grand Sturdy 36.9 AC und sind vom ersten Augenblick begeistert. Das Schiffchen bietet viel Raum und ist dank Bug- und Heckstrahlruder auch von kleiner Crew leicht zu steuern. Wir steuern von unserem Liegeplatz gegenüber der Köpenicker Schlossinsel um das Rathaus herum in die Müggelspree hinein.

Berliner Umland

Unser Charterboot steuert vom Seddinsee in die Dahme 

Vor dem Rathaus wird der berühmteste Köpenicker mit einer lebensgroßen Statue geehrt. Er hieß Friedrich Wilhelm Voigt und war nicht Ehrenbürger, sondern Gauner, Kleinkrimineller und Hochstapler, der die meiste Zeit seines Lebens in Gefängnissen saß. Trotzdem bekommt er ein Denkmal? Ja, und auch ein eigenes Museum im Rathaus! Mit einer geborgten Uniform und folgsamen Soldaten klaute er am 16. Oktober 1906 die Stadtkasse und ging als Hauptmann von Köpenick in die deutsche Geschichte ein.

Nach drei Kilometern erreichen wir unser Tagesziel, die SpreeArche. Da schwimmt tatsächlich in der Weltstadt Berlin eine hölzerne Arche auf dem Wasser und wird vom schönsten Abendlicht vergoldet. Ob wir anlegen dürfen? Ein junger Mann nimmt un­sere Leinen an. Er heißt nicht Noah, sondern Frank Cotte. Er ließ 2013 von einer holländischen Firma einem Beton-Schwimmkörper gießen, baute darauf eine Arche aus Holz und verankerte sie in einer Bucht auf der Müggelspree. Die Behörden standen Kopf. Für nichts hatte Cotte eine Genehmigung. Doch der Mann hat ein dickes Fell und da es bereits seine zweite Arche ist, auch Erfahrungen mit Ämtern.

Damit niemand aus ökologischen Gründen der Arche das Wasser abgraben kann, steckt ihr Keller voller innovativer Technik. Hier wird aus dem Wasser der Spree Trinkwasser gewonnen, das sauberer ist als das Berliner Leitungswasser. Und das Abwasser aus Restaurantbetrieb und Toiletten wird in einer mehrstufigen Kläranlage derart gereinigt, dass es am Ende, bevor es in die Spree geleitet wird, sauberer ist als das Wasser des Flusses. Seine schwersten Stürme musste der neuzeitliche Noah in Amtsstuben und vor Gerichten abwettern. Doch er und seine Arche trotzten allen Unwettern. Heute ist die Köpenicker SpreeArche einer der beliebtesten Orte zum Essen und Feiern in einzigartigem Ambiente. Gäste mit Booten sind willkommen (www.spreearche.de).

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Bodo Müller am 23.11.2020
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