Obere Havel Obere Havel

Reise: Deutschland

Obere Havel

Martin-Sebastian Kreplin am 19.02.2021

King off the Road: Wasserwandern auf Achse – der Freecamper macht’s möglich. Mit Pick-up und Floß durch die Uckermark – ein Bootsabenteuer der besonderen Art

Langsam, Zentimeter für Zentimeter, erklimmt der Pick-up die Anhöhe vor Bredereiche. Immer mehr Natur erscheint am Horizont.

2,2 Meter Höhenunterschied gilt es zu bewältigen, Brandenburg ist eben ein anderes Kaliber als Friesland. Hier muss man sich jeden Meter hart erarbeiten. Dann öffnet sich das Schleusentor, und die Fahrt kann weitergehen. Langsam tuckert "Freeda" aus der Kammer heraus gen Norden. Das Tagesziel ist noch Stunden entfernt, von den fünf Kilometern auf dem Tacho muss noch der Gegenstrom abgezogen werden, die vielen Windungen und Kurven, die die Havel schlägt. Was mit dem Fahrrad eine kleine Runde wäre, wird mit "Freeda" zur ausgedehnten Tagestour. Offroad auf der Havel, das ist in vielerlei Hinsicht eine ganz neue Erfahrung.

Noch mehr Informationen? Die Reisereportage über die Obere Havel mit weiteren Bildern und Serviceteil finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Mit 334 Kilometer Länge ist die Havel zwar ziemlich genau zehnmal kürzer als der Mississippi, aber um sich einmal wie Tom Sawyer und Huckleberry Finn zu fühlen, reicht das problemlos aus: Schließlich würde man mit fünf Stundenkilometern trotzdem über zwei Monate von der Quelle bis zur Mündung brauchen, und schneller ist "Freeda" nicht unterwegs. "Freeda" (und ihre acht Schwestern) ist ein motorisiertes Floß, gerade groß genug, um einem Camper bis vier Tonnen Gesamtgewicht Platz zu bieten. Am Heck ein Außenbordmotor, dazu ein Steuerstand, ein Tank und zwei Anker, fertig ist das Charterabenteuer der anderen Art.

Gut, Huck und Jim hatten es nicht ganz so kommod auf ihrer Fahrt, auch die Strömung der Havel ist deutlich gemächlicher als jene des Mississippi. Der Sternenhimmel, die Freiheit und die Natur, die hätten aber sicher auch Mark Twain gefallen. Für Teilzeit-Flößer startet der Törn an der alten Ziegelei von Zehdenick. Hier, wo Anfang des 20. Jahrhunderts die Ziegel gebrannt wurden, mit denen man große Teile Berlins erbaute, hat sich Markus Frielinghaus einem besonderen Projekt verschrieben: Er lässt Reisemobile zu Hausbooten werden.
Über eine kleine Rampe rollen sie auf den mit Holz belegten Ponton, Spanngurte an den Rädern halten die Camper dann an Ort und Stelle. Strich der Mitsubishi zuvor bei 80 Zentimeter Wassertiefe die Segel, gibt es für unser Auto auch auf dem Wasser fortan fast keine Grenzen mehr – schließlich ist die Havel Teil des europaweit größten zusammenhängenden Gebietes von Binnenwasserstraßen und Seen. Ein Ausflug hinein nach Berlin ist genauso möglich wie eine Tour zum Müritz-Nationalpark. Das Beste daran: Die Stellplatzgarantie ist beinahe inklusive, denn außerhalb von Kanälen und Fahrwassern kann man grundsätzlich überall ankern und festmachen.

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Martin-Sebastian Kreplin am 19.02.2021
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