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Reise: Elbe-Oder

Transitstrecke - Teil 4

Jürgen Straßburger am 26.11.2017

Besonders dann, wenn man schon Anfang Mai unterwegs ist und unversehens in die Turbulenzen des berühmten Baumblütenfests gerät – übrigens eines der größten Volksfeste in Deutschland. Und dann Potsdam: Ein Favorit unter den vielen Liegemöglichkeiten ist der Yachthafen Potsdam (PHv-km 23), der außer einer Bootstankstelle jeden nur erdenklichen Service für Boot und Crew bietet. Und darüber hinaus eine perfekte Anbindung zu allen Sehenswürdigkeiten der Stadt: Gerade mal 200 m vom Steg entfernt fährt die Straßenbahn 91 (Kastanienallee/Zeppelinstraße) in nur fünf Minuten zum Louisenplatz und damit ins Zentrum der Stadt.

Ebenfalls dicht dran an dem, was man in Potsdam gesehen haben sollte: die "Marina am Tiefen See" oberhalb der Humboldt-Brücke (PHv-km 26,8 RU). Sie bietet perfekten Service für Boot und Crew einschließlich des beliebten Restaurants "Bootshaus". Und ist mittendrin in der Potsdamer Kunst- und Kulturszene: Das Museum für moderne Kunst Fluxus+, das Tanz- und Musiktheater Fabrik und das auch architektonisch interessante Hans Otto Theater liegen direkt neben dem Hafen.

Zahllos die Parks, Schlösser und Gärten in Potsdam, viele davon UNESCO-Welt­erbe, allen voran Park und Schloss Sanssouci.

Ebenfalls sehenswert: einmalige Quartiere (Holländisches Viertel, die russische Kolonie Alexandrowka), historische Stadttore (Brandenburger Tor, Jägertor, Nauener Tor) und viele Kirchen. Nicht zu vergessen die mediale Bedeutung der Stadt: Das Filmstudio Babelsberg ist das älteste Großfilmstudio der Welt und flächenmäßig das größte in Europa. Das alles kann im Filmpark Babelsberg aus nächster Nähe bewundert werden.

Abschied von Potsdam. Ein kurzer Blick auf das Kleine Schloss im Schlosspark Babelsberg am Südostufer des Tiefen Sees. Dann die Glienicker Lake. Hier lassen wir die Glienicker Brücke an Backbord und fahren über den Griebnitzsee in den Teltowkanal ein. Der ist nun alles andere als spektakulär. Man liegt im tiefen Bett des Kanals und schaut gegen die Uferböschung. Von den angrenzenden Stadtbezirken ist so gut wie nichts zu sehen.

Nach 23 km die Erlösung: Der Tempelhofer Hafen ist erreicht (TeK-km 23 RU). Ein Prachtstück ist hier aus einem ehemaligen Binnenhafen hervorgewachsen – 40 Liegeplätze mit Wasser und Strom. Das alte Fachwerk-Speicherhaus und die Portalkrane erstrahlen in neuem Glanz. Hinter der historischen Fassade ein Einkaufszentrum mit 70 Fachgeschäften und jede Menge Gastronomie. Vom Boot zu Edeka: Nie war das so nah wie hier. Am Hauptkai das Fischerboot "Marti", in dem ein türkisches Fischrestaurant betrieben wird. Sehr urig, sehr lecker.

Wenn es denn am Tempelhofer Hafen überhaupt was zu meckern gibt, dann sind das die viel zu knapp bemessenen sanitären Einrichtungen. Das sollte sich ändern lassen. Denn Platz ist ja da!

Gegenüber vom Hafen das Ullsteinhaus, ein Baudenkmal des Backsteinexpressionismus (1920er-Jahre), mit seinem markanten, 77 m hohen Turm und auffälliger Turmuhr. Im einstigen Druckhaus des Ull­stein-Verlages sind heute verschiedene Dienstleistungsbetriebe untergebracht. Vor der Tür die U-Bahn-Linie 6, mit der man in 30 Minuten in der City ist.

Da die Literatur über die Sehenswürdigkeiten Berlins ganze Bibliotheken füllt, wollen wir darauf hier nicht eingehen. Dafür ein Vorschlag für einen City-Törn, der so sicher selten gefahren wird, aber vieles vom Wasser aus zeigt, was man unbedingt gesehen haben muss: Weiter auf dem Teltowkanal, am Wasserstraßenkreuz in Neukölln in den Neuköllner Schifffahrtskanal.

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Jürgen Straßburger am 26.11.2017