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Revier: Metz / Frankreich

Goldener Glanz

Dieter Wanke am 29.09.2019

Wir erkunden die von mehreren Moselarmen durchströmte Stadt Metz, deren Fassaden durch den Jaumont-Sandstein der Region golden glänzen

Fotostrecke: Metz

Sportbootfahrern, die im Südwesten der Republik beheimatet sind, dürfte die "Sauerkrauttour" im Dreiländer-
eck mit Luxemburg und Frankreich bekannt sein. Auf etwa 750 Flusskilometern geht es dabei über den Rhein, die Mosel und den Rhein-Marne-Kanal.

Neben anderen französischen Highlights entlang der Strecke, wie Straßburg oder dem Schiffshebewerk Saint-Louis/Arzviller, die wir in BOOTE 01/2018 und 02/2017 vorgestellt haben, erkunden wir dieses Mal die von mehreren Moselarmen durchströmte Stadt Metz, deren Fassaden durch den Jaumont-Sandstein der Region golden glänzen.

Ein mehrtägiger Aufenthalt lohnt sich, denn das Angebot ist sehr reichhaltig. Wer keine Rundreise machen möchte, kann sich auf Teiletappen beschränken. Kürzere Versionen über den Saarkanal – auch "Kleine Sauerkrauttour" genannt – sind beliebt. Charterunternehmen in der Region haben Törnvorschläge im Angebot, die Metz als Ziel einbeziehen.

Wer sein Trailerboot zu Wasser lassen möchte, fährt den Port de Mazerolle in der Stadt an. Liegeplätze für Gäste gibt es im Port de Plaisance direkt im Zentrum. Eine Wasserskistrecke, die auch vom lokalen Ski Nautique Club de Metz genutzt wird, dürfte Brettsportlern gefallen, die neben dem Spaß auf dem Wasser vielleicht an einem langen Wochenende noch das herrliche Ambiente der Stadt genießen wollen.

Die verschiedenen historischen Epochen prägen noch heute das architektonische Flair der lothringischen Metropole. Die Anfänge der Besiedlung liegen 5000 Jahre zurück. Vor 3000 Jahren kamen die Kelten, dann römische Eroberer.

Divodurum Mediomatricorum, so der damalige Name, wurde wegen seiner Lage an einer Kreuzung wichtiger Handelswege zu einer der größten Siedlungen Galliens und hatte mehr Einwohner als Paris. Viele Herrscher kamen und gingen, was die Baustruktur bis heute prägt. Eine Vielzahl von Kirchen mit der herausragenden Kathedrale zeigt die Einflüsse der mächtigen Religionen.

Während der Epoche unter deutscher Herrschaft in der kaiserlichen Monarchie zwischen 1871 bis 1918 wurde Metz zur stärksten Festungsstadt ausgebaut. Damals entstandene Gebäude, wie der neue Bahnhof, die Post oder der Temple Neuf, sind markante Zeitzeugen. Es lässt sich also auf vielen historischen Spuren wandeln. Beste Einkaufsmöglichkeiten und die allgegenwärtige Gastronomie sorgen dabei für eine willkommene Abwechslung.

Kathedrale Saint-Étienne
Baubeginn des heutigen Gotteshauses im gotischen Baustil war 1220. Etwa 300 Jahre später wurde das Gebäude aus Jaumont-Stein fertiggestellt. Metz ist seit dem dritten Jahrhundert Bischofssitz. Später folgte eine romanische Basilika, die als Basis der heutigen Kirche diente. Bemerkenswert ist die große Fensterfläche mit rund 6500 Quadratmetern, wo Glasmalereien vieler Künstler, wie von Marc Chagall, verbaut sind. Deshalb wird die Kathedrale von Metz auch als "Die Laterne des Lieben Gottes" bezeichnet.

Marché Couvert
Der Besuch der Markthallen gehört zum Pflichtprogramm in Metz. An den Ständen wird von frischem Fisch und Meerestieren über Käse und Gemüse alles angeboten, was zur guten französischen Küche gehört. Außerdem gibt es einige Bistros, in denen man sich mit einem Snack oder Getränken verwöhnen lassen kann.

Altstadt
Der historische Kern ist heute in wesentlichen Teilen eine Fußgängerzone mit gut gepflegten mittelalterlichen Gebäuden. Die meisten liegen um die Rue Taison, über der eine große Skulptur des Drachens Graoully – eine legendäre Figur die in den Ruinen des römischen Amphitheaters ihr Unwesen getrieben haben soll – schwebt, der wohl auch die Namensgebung der Straße beeinlusst hat. Nur wenige Schritte entfernt ist der Place Saint-Jacques, ursprünglich ein Marktplatz, der heute mit einem gewaltigen Gastronomieangebot viele Touristen anlockt. Am Place Saint-Louis, der ab dem 13. Jahrhundert entstand, lebten im Mittelalter die Geldwechsler. In den Arkadenhäusern gab es 60 Wechselstuben. Viele erhaltene Gebäude lassen den ursprünglichen Charakter erkennen und werden heute meist als Restaurant genutzt. Im Sommer gibt es hier zahlreiche Straßencafés und Biergärten. Am Porte des Allemandes befinden sich bemerkenswerte Reste der Stadtbefestigung aus dem 13. und 15. Jahrhundert.

Port de Plaisance de Metz
Die Marina liegt direkt im Herzen der Stadt mit Blick auf die Moselbrücken und das Zentrum. Die Pontons A, D und E sowie der feste Steg sind für Gäste reserviert. An den Ufern befinden sich grüne Wiesen, die im Sommer gerne als Liegeflächen von Sonnenhungrigen genutzt werden. Nur wenige Fußminuten sind nötig, um die Altstadt von Metz zu erreichen.

Les Îles
Der Distrikt liegt nördlich des Stadtkerns auf den Inseln zwischen den Moselarmen unmittelbar vor dem Hafen. Markantestes Gebäude ist die unter Einfluss deutscher Monarchie gebaute evangelische Stadtkirche Temple Neuf. Direkt im Anschluss folgt die Oper am Place de la Comédie.

Parc République
Der Park beginnt an den Schwimmstegen und ist in ein paar Schritten zu Fuß erreicht. In der Umgebung befinden sich das Arsenal und die älteste Kirche in Frankreich, die gallorömische Basilika Saint-Pierre-aux-Nonnains aus dem 4. Jahrhundert. Beide Gebäude werden heute als Ausstellungs- und Konzerthallen genutzt. Einkaufszentren und die Fußgängerzone schließen ebenfalls an die Grünflächen an.

Kaiserviertel
Die ab 1903 in der deutschen Periode errichteten Villen und Handelshäuser befinden sich an der Avenue Foch und ziehen sich bis zum neuen Bahnhof mit seiner auffälligen Architektur. Die Gegend ist vom neoromanischen Baustil geprägt, den Kaiser Wilhelm II favorisierte.

Centre Pompidou-Metz
Das neue Zentrum für zeitgenössische Kunst mit ständig wechselnden Ausstellungen entstand 2010. Die auffällige Architektur mit einem lichtdurchlässigen Kunststoffdach auf einer Holzkonstruktion wurde vom japanischen Architekten Shigeru Ban und seinem französischen Kollegen Jean de Gastines entworfen.

Den vollständigen Revierbericht lesen Sie in der September-Ausgabe 2018 von BOOTE.  Oder Sie laden sich das PDF weiter unten herunter. 

Dieter Wanke am 29.09.2019