Kieler Bucht Kieler Bucht

Ostsee-Journal

Kieler Bucht - Teil 4

Jürgen Straßburger am 05.06.2018

Nach derart charmanten Orten kann man einen Kulturschock ganz gut verdauen: Der Sporthafen Kiel-Schilksee, Olympiahafen von 1972, knapp 3 sm nordwestlich von Baltic Bay gelegen, ist ein solcher. Wie eine Mauer wirkt von Weitem der graue Beton der Wohnblocks im Hintergrund. Knapp 900 Liegeplätze mit gutem Service vor trister Kulisse: Das ist sicher hoch funktional für einen Bootsparkplatz und für internationale Segelwettbewerbe wie die Kieler Woche – aber als Zwischenstopp im Bootsurlaub kann man Schilksee getrost vergessen  (www.sporthafen-kiel.de).

Da sollte man doch eher den gemütlicheren Hafen von Strande (www.hafen-strande.de) anlaufen, was wir erst auf dem Rückweg von Eckernförde machten. Der ehemalige Fischereihafen liegt nur 0,3 sm nördlich von Schilksee und bietet 350 Liegeplätze mit komplettem Service. Ein paar Kutter gehen immer noch auf Fang und verkaufen Frischfisch im Hafen. Für uns Motorbootfahrer ist Strande wegen der Bootstankstelle besonders interessant: Es ist die einzige an der Kieler Förde, bei der es neben Diesel auch Benzin gibt. Unmittelbar nordöstlich vom Hafen beginnt der rund 500 m lange Strand des kleinen Ostseebades.

Bei WSW um 3 bis 4 Beaufort schaukeln wir von Strande quer über die Außenförde der Marina Wendtorf entgegen. Bei ablandigem Wind hält sich der Seegang in Grenzen. Den Au-Haken, eine weit nach Norden in die Förde ragende Flachstelle (26 m) können wir mit unserem geringen Tiefgang (0,92 m) problemlos durchfahren. Die Fahrrinne in die Marina ist durch Bojen  gekennzeichnet. Neben der Fahrrinne ist Flachwasser (unter 1 m)! Die Marina liegt gut geschützt in einem Bodden hinter der Landzunge Bottsand, einem urigen Naturschutzgebiet mit natürlichem Strand, Salzwiesen und Röhricht.

2015 komplett renoviert, bietet der Hafen 800 Liegeplätze mit Wasser und Strom, davon mindestens 100 für Gastlieger (grüne Tafel) an den Stegen 1 bis 5. Beliebt sind die Grillplätze im Hafen, aber auch die kleinen Imbisse wie "Piccolino" und "Dreas Bude". Zum Bäcker (Törn 7) sind es rund 300 m, zum Supermarkt (Nahkauf, Strandstraße 2) 1,3 km. Endlose Naturstrände und gut befestigte Deichwege eignen sich perfekt fürs Wandern und Radeln. Am Südufer der Marina stehen hinter dem Deich jede Menge moderne Ferienhäuser und -wohnungen.

Wie schön, dass während der Sommerferien auch die Bundeswehr Pause macht und die Schießgebiete Todendorf und Putlos unbesorgt befahren werden können. 20 sm stets parallel zur Küstenlinie bei Sonne, leichter Brise aus SW und schwach bewegter See. So geht es von Wendtorf dem Hafen von Lippe entgegen.
Als "eigenartig" bezeichnet Jan Werner in seinem "Törnführer Osteeküste" das "Sandloch" nördlich von Hohwacht. Und tatsächlich ist der Hafen ganz anders als das, was wir bisher gesehen haben. Ursprünglichkeit statt Schickimicki – aber mit allem, was man braucht: 210 Liegeplätze mit Wasser und Strom, Toi­letten und Dusche, Kran (7 t) und Slip. An der Nordmole wird fangfrischer Fisch direkt vom Kutter verkauft. Und wenn man im Strandkorb vor dem Hafenimbiss Lipper "Allerlei" ein Fischbrötchen knabbert, sind WLAN und Smartphone endlich mal ganz weit weg … (www.ycl-o.de) In der Gaststätte "Klabautermann", nur wenige Schritte vom Hafenrand entfernt, kann man den köstlich zubereiteteten Fang von Lipper Fischern auf einer Terrasse mit Ostseeblick genießen.

Seite 4 / 6
Jürgen Straßburger am 05.06.2018