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Törn: Mecklenburgische Seenplatte

Fünf Tage im Herbst - Teil 2

Christian Tiedt am 20.03.2016

Tagesziel: Himmelpfort  • 38 km

Den ganzen Vormittag prasselt schwerer Regen aufs Verdeck. So eilig haben wir es nicht und bleiben erstmal, wo wir sind. Die Heizung läuft, und das Frühstück wird ganz gemütlich zum Brunch. Gegen 11 Uhr hellt es sich dann auf. Bald fallen die letzten Tropfen und lassen einen spiegelglatten See zurück.

Kein Windhauch geht, und wo die Sonne steht, lässt sich nur raten. Das Rauschen unseres Heckwassers ist das einzige Geräusch.

Zurück nach Norden geht es nach diesem Abstecher, zurück zur Müritz-Havel-Wasserstraße, über den Schlabornsee, an Zechlinerhütte und der Marina Wolfsbruch vorbei, wo ungenutzte Charterboote in langer Reihe nebeneinander liegen. Auch hier ist die Saison so gut wie gelaufen.

Auf dem Pälitzsee dann ostwärts nach Strasen; statt langer Warteschlangen wie im Sommer auch hier nur leere Pfähle vor der Schleuse. Wir teilen uns die Kammer mit zwei wasserdicht verpackten Paddlern und einem Angler mit knatterndem Forelle-Außenborder. Unsere "Lotte" folgt dem Verlauf des schmalen Ellenbogensees.

Priepert zieht an Backbord vorbei; von hier ab geht es durch Wiesen und Wald hindurch auf der Oberen Havel-Wasserstraße weiter. 

Ziernsee, Menowsee und Röblinsee, verbunden von der Steinhavel, an Stellen fast schon ein dunkles Gewölbe aus dicht ans Ufer drängenden Bäumen und überragenden Ästen. Eine Schleuse passieren wir auf diesem Abschnitt, die nächste dann in Fürstenberg, gleichzeitig die letzte für heute. In der "Wasserstadt" – so nennt sich das von der Havel um- und durchströmte Fürstenberg – bleiben wir diesmal allerdings nicht. Wir wollen stattdessen noch ein paar Kilometer weiter in östliche Richtung .  

Eine goldrichtige Entscheidung, wie sich bald zeigt: Auf der schilfgesäumten Siggelhavel bekommt das ewige Grau über uns plötzlich Risse, hinter denen strahlendes Blau leuchtet.

Die schon tief stehende Sonne nutzt die Chance und taucht den Stolpsee, der jetzt so glatt wie geschliffenes Glas vor uns liegt, in lodernden Glanz. Wirklich unvergesslich! Ganz im Osten des Sees gehen wir außen am Gästesteg des Bootshauses Stolpsee längsseits. Der kleine Ort heißt Himmelpfort – der Name könnte heute nicht besser passen. 

Tagesziel: Neustrelitz  • 42 km

Wie eine schwere Decke liegt Nebel am nächsten Morgen über dem Stolpsee. Oben und Unten sind eins. Die Sicht auf dem Wasser: vielleicht 20 Meter. Können uns also erneut Zeit lassen und machen einen Spaziergang zur Schleuse (im Himmelpfort münden die Lychener Gewässer in die Obere Havel) und dann zu den efeubehangenen Ruinen der alten Klosterkirche, die sich nur schemenhaft aus dem Nebel lösen.

Erst gegen 11 Uhr hat es soweit aufgeklart, dass wir den Start wagen können – mit eingeschalteten Positionslichtern, versteht sich. 

Auch an diesem Tag bleibt es windstill, die Sonne zeigt sich jedoch häufiger und sorgt für wärmende Momente auf dem Achterdeck. Erneut geht es den Weg zurück, den wir gekommen sind, über Fürstenberg zum Ellenbogensee. Doch nach dem Süden und dem Osten bliebt noch ein dritter Abstecher: nach Norden, nach Neustrelitz.

Er beginnt bei Priepert und führt zunächst über den Wangnitzsee und die idyllische Finowhavel, durch dichten Laubwald zur gedeckten Brücke von Ahrensberg.

Danach weiter durch Wiesen- und Auenlandschaft zur Schleuse Wesenberg und hinauf auf den Woblitzsee. Der ist bei Wind für seine kurze, steile Welle durchaus berüchtigt, heute friedlich genug, um selbst einem Papierschiffchen eine sichere Passage zu ermöglichen. Die Havel windet sich von hier weiter Richtung Nordwesten, ihre Quelle ist nicht mehr weit entfernt. Wir folgen jedoch dem Kammerkanal nach Norden.

Baustelle an der Schleuse Voßwinkel, und dahinter liegen die Leichter so dicht, dass wir schon ganz schön kurbeln müssen.

Zum Glück kein Gegenverkehr. Das gilt auch für die rostige Eisenbrücke nur einen Kilometer weiter nördlich. Durchfahrtshöhe: 3,40 m, Vorsicht mit Mast und Verdeck! Schließlich der Zierker See, so tückisch flach wie kein anderer im Revier. Die Perlenschnur der Tonnen spiegelt sich in seiner glatten Oberfläche und streckt sich in weitem Bogen zur Einfahrt des Stadthafens von Neustrelitz, wo wir einen Platz im Schatten der wuchtigen Backsteinspeicher finden

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Christian Tiedt am 20.03.2016
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