Mecklenburgische Seenplatte Mecklenburgische Seenplatte

Törn: Mecklenburgische Seenplatte

Fünf Tage im Herbst - Teil 3

Christian Tiedt am 20.03.2016

Tagesziel: Zotzensee  • 43 km

Zeit, dass sich der Kreis schließt. Unser Herbsttörn über die Mecklenburgische Kleinseenplatte geht seinem Ende entgegen. Nutzen die Sonne aber noch für einen Rundgang durch den weitläufigen Schlosspark von Neustrelitz, mit seinen Tempeln, Statuen und Sichtachsen bis zum Zierker See. Allein die Hauptsache fehlt: das Residenzschloss selbst. Wenige Tage vor Kriegsende wurde es vollständig zerstört – durch Brandstiftung. Nur die Nebengebäude der Orangerie und Schlosskirche sind erhalten geblieben.

Kammerkanal, Woblitzsee und Finowhavel werden abgehakt, allerdings kosten uns Bauarbeiten in der Schleuse Wesenberg unerwartet Zeit. Warten unter Deck im Warmen, bis wir das Signal zur Einfahrt bekommen. Bei Priepert geht es jetzt wieder nach Westen auf die Müritz-Havel-Wasserstraße. Auch diesen Weg sind wir schon vor einigen Tagen gekommen.

Ein festes Ziel haben wir heute, an unserem letzten Tag unterwegs nicht mehr: Waren ist zu weit, vielleicht schaffen wir Mirow, ansonsten werden wir einfach ankern.

Regen setzt ein. Auch an der Schleuse Strasen müssen wir warten, da ein Schubboot des Wasser- und Schifffahrtsamtes mit einem Leichter voller Pfähle den Vorrang bekommt, und es wird 17.30 Uhr, bevor wir auch die Tore der Schleuse Diemitz hinter uns lassen. Viel Licht haben wir ohnehin nicht, und bald wird es zudem richtig dunkel. Wir verzichten auf die Weiterfahrt nach Mirow und das Risiko, dort doch keinen vernüftigen Liegeplatz zu bekommen. Stress zum Schluss? Muss wirklich nicht sein. Unsere Wahl zum Ankern fällt auf den Zotzensee: Die schöne Bucht ganz im Nordwesten gehört uns, Bebauung gibt es an dieser Stelle auch nicht.

Stören also niemanden und werden nicht gestört – und das nächste Ankerlicht ist auch einen guten Kilometer entfernt. Auf vier Metern Wassertiefe lassen wir den Anker fallen, und als der Diesel schweigt, kehrt schlagartig Stille ein. 

Die Törnplanung für den verbleibenden Tag ist schnell erledigt: in einem Zug zurück bis nach Waren, noch einmal 36 Kilometer, aber nur eine Schleuse. Danach machen wir es uns im Salon noch einmal richtig bequem, während draußen schon die Nacht heraufzieht und die Konturen der Ufer in Schwarz auflöst. Wie schnell das im Herbst geht!

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Christian Tiedt am 20.03.2016