Jungfernsee Jungfernsee

Großer Wannsee und Spandau

Nischt wie raus nach Wannsee - Teil 3

Christian Tiedt am 12.09.2016

Also weiter nach Nordosten, vorbei an Schloss Glienicke und über den Jungfernsee mit der freistehenden Heilandskirche am grünen Nordufer. Wald schließt den Fluss nun auf beiden Seiten ein, und vor uns beginnt eine Seenstrecke, die bis nach Tegel hinaufführt und bis zur Wende das einzige Wassersportrevier der Westberliner war. Eine kleine Freizeitwelt für sich, mit festen Grenzen zwar, dafür aber umso schöner.

Viel Geschichte am Wannsee

Große Vereine mit langer Geschichte sind hier beheimatet. Ihre Stander – oft in den Farben des Kaiserreiches – zieren Rennruderer, Kajütboote, Jollenkreuzer und Yachten. Viele ankern in den Lanken, den schattigen Buchten der Havelseen.

Der Begriff stammt, wie so viele in der Region, noch aus dem Slawischen und bezeichnet eigentlich eine sumpfige oder feuchte Niederung am Ufer. 

Die Pfaueninsel wird passiert, mit ihrem eigentümlichen, zweitürmigen Lustschlösschen, und danach das winzige Kälberwerder,  im Privatbesitz eines Ruderclubs, bevor sich ebenfalls an Steuerbord die "Badewanne der Berliner" öffnet – der Große Wannsee mit seinem Strandbad und dem einen Kilometer langen Sandstrand am Ostufer.

"Pack die Badehose ein, nimm dein kleines Schwesterlein, und dann nischt wie raus nach Wannsee", trällerte die junge Conny Froeboess 1951, gerade acht Jahre alt.

Der fröhliche Schlager machte das beliebte Ausflugsziel und das Mädchen mit der Berliner Schnauze im ganzen Land bekannt. Dabei hatte ihr Vater es eigentlich für die Schöneberger Sängerknaben geschrieben, wo es jedoch abgelehnt wurde – vielleicht gerade wegen der eigentlich so unschuldigen "Badehose".

Nach einer Runde verlassen wir den Großen Wannsee Richtung Norden. Dabei muss man sich gut von der Untiefe im Südwesten von Schwanenwerder freihalten, die bis in die Mitte der Wasserfläche reicht. Die grüne Fahrwassertonne an dieser Stelle trägt den bezeichnenden Spitznamen "Schwiegermutter"  – wer sie schneidet, den lässt sie auflaufen...

Im Schatten des Grunewaldes

An Steuerbord steigen die bewaldeten Höhenzüge des Grunewaldes auf, mittendrin der Grunewaldturm mit gut besuchter Aussichtsplattform. Diese Stelle der Havel, die Große Breite, ist beliebtes Regattarevier, aber auch ohne Wettfahrt ist hier heute eine ganze Menge los. Laser, Folkeboote und Schärenkreuzer nutzen die jetzt etwas lebhaftere Brise für ihre Schläge zwischen den Ufern. Dazwischen pflügt die Weiße Flotte stromauf und stromab.

An ihrem nördlichen Ende teilt sich die Seenkette noch einmal auf, in den Stößensee im Osten und die Scharfe Lanke im Westen. Etwas südlich davon bietet die Marina Lanke Gastliegeplätze und Service (www.marina-lanke.de), die Bootstankstelle Berlin Super und Diesel (www.bootstankstelle-berlin.de).Dazwischen führt die Havel weiter nach Norden, nun strikt kanalisiert, hinein in den Bezirk Spandau.

Nach drei Kilometern mündet an Steuerbord die Spree ein. An diesem Punkt geht die Untere-Havel-Wasserstraße, der wir seit dem Jungfernsee gefolgt sind, in die Havel-Oder-Wasserstraße über, und schon bei HOW-km 0,5 wartet die Schleuse Spandau auf uns. Wir melden uns telefonisch an und gehen an der Wartestelle längsseits.

Wir müssen erst die Talschleusung eines polnischen Schubverbandes abwarten, doch es dauert keine zwanzig Minuten, bis der "Bizon" mit seinem Leichter – in eine fettige Abgaswolke gehüllt – aus dem offenen Tor schiebt.

Wir schleusen gemeinsam mit einem Binnenschiff, anderen Sportbooten und Paddlern, die bei der brennenden Sonne in der Kammer erstmal den Schirm aufspannen. Ganz entspannt geht es nach oben und weiter auf den Spandauer See.

Kurz darauf liegen wir fest an den noch neuen Schwimmstegen des Altstadthafens Spandau, direkt an der Promenade, in bester Lage und mit guten Versorgungsmöglichkeiten. Die Übernachtung kostet 1,50 Euro pro Bootsmeter, dazu kommt eine Pauschale von 2,50 Euro pro Person für Strom, Wasser und Sanitäranlagen (www.altstadthafen-spandau.de). Am Hafen: das gehobene, dafür sehr gute Fischrestaurant "Raymons" (www.raymons.de).   

Die Spandauer Zitadelle

Zu Fuß geht es in 30 Minuten zur halb verborgenen Spandauer Zitadelle, deren von Wasser umschlossene, sternförmige Bastionen halb hinter Bäumen verborgen am südlichen Ende des Sees aufragen (www.zitadelle-spandau.de). Die mächtige, bald 500 Jahre alte Festung beherbergte bis 1919 den Reichskriegsschatz: Mehr als 1000 Kisten voller Goldmünzen wurden hinter meterdicken Mauern und einer drei Tonnen schweren Panzertür im Juliusturm aufbewahrt.

Der Schatz ist längst Geschichte, doch die Tür ist noch da. Man passiert sie, wenn man über die eindrucksvolle hölzerne Wendeltreppe im Inneren des Turmes bis auf seine zinnenbewehrte Plattform steigen möchte. Die Aussicht ist großartig. Mit den Augen folgen wir dem Lauf der Havel weiter nach Norden in Richtung Tegel. Morgen werden wir diesen Weg dann auf eigenem Kiel nehmen.

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Christian Tiedt am 12.09.2016