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Havel-Oder-Wasserstraße und Oranienburg

Nischt wie raus nach Wannsee - Teil 4

Christian Tiedt am 12.09.2016

Die Schlösser Potsdams liegen hinter uns und auch die Gärten Berlins. Und mit ihnen die Sonntagsstimmung auf dem Wasser, weiße Segel und  Bugwellen – und der hochsommerliche Sonnenschein, der dem Wonnemonat Mai in den vergangenen Tagen alle Ehre gemacht hat. Hätten wir die Badehose nicht zuhause vergessen, am Wannsee hätten wir sie ausgepackt!

Nun geht es unter einem grauem Himmel weiter nach Norden, vorbei an den Inseln des Tegeler Sees, bevor wir der kreuzenden Autofähre an der Engstelle bei Tegelort den Vortritt lassen. Danach holt der Fluss noch einmal Luft. Bis zu 400 Meter liegen seine beiden Ufer mit ihren kleinen Stegen und Lauben auseinander, bevor er unmerklich in den Nieder-Neuendorfer See übergeht, der bis hinter Oranienburg nun die einzige weite Wasserfläche bleiben wird.

Weiter nach Norden

Kurz vor dem nördlichen Ende des Sees (das schmale, betonnte Fahrwasser verläuft am westlichen Ufer) zweigt der Havelkanal nach Westen ab: Auf einer Strecke von knapp 35 Kilometern schlägt er einen weiten Haken um Westberlin (wohl der Hauptgrund für seinen Bau), bis er weit stromabwärts bei Ketzin zur Unteren Havel zurückfindet.

Nach einer Bauzeit von nur dreizehn Monaten war er 1952 fertiggestellt worden, mit Trümmerschutt aus der damals noch immer arg zerbombten Hauptstadt befestigt und bereits für den Ausbau vorgesehen. Doch er blieb das einzige große Wasserstraßenprojekt der DDR, das realisiert wurde. Von der Sportschifffahrt wird der Havelkanal weitgehend geschmäht.

Wer würde die verlockenden Lanken zwischen Reinickendorf und Babelsberg auch gegen seine eintönige, mit dem Lineal durch die Landschaft gezogene Rinne eintauschen, nur um neun Kilometer zu sparen? Da müsste man es schon sehr eilig haben. Links zieht jetzt Hennigsdorf vorbei, mit den riesigen Hallen der Elektrostahlwerke.

Zwischen rauchenden Schloten greift eine Kranklaue beherzt ins Innere eines längsseits liegenden Leichters und fördert ein Knäuel Metallschrott zutage, das kurz darauf mit großem Scheppern auf einem der rostigen Berge auf der Pier landet. 

Doch so schnell, wie wir die Gewässerkarte wechseln, verschwinden die Verladebrücken hinter der nächsten Flussbiegung und der Industrielärm verhallt. 

Noch eine gute Stunde weiter durchs Grüne (in dem bei Kilometer 18,4 LU der Havel-Oder-Wasserstraße auch der nette Hafen der Marina Havelbaude liegt: www.marina-havelbaude.de) und wir schwenken bei HOW-km 25 nach links auf die Oranienburger Havel ein, die uns zu unserem ersten Tagesziel bringt.

Ihre Wassertiefe wird eigentlich mit 1,4 Metern angegeben, doch das Kraut am Grund ist bereits jetzt so dicht, dass unser Echolot mehrfach sprunghaft und mit wildem Blinken 0,0 anzeigt. Bei Kilometer 1,7 wird es vor dem östlichen Ufer bei der kleinen Steganlage des WSC Möwe dann tatsächlich sehr flach. Hier besser dicht am Bollwerk auf der anderen Seite halten.

Aus dem Hause Oranien

Wir wollen ohnehin noch ein wenig weiter, denn jetzt wird es herrschaftlich – und fast schon großstädtisch. Unter der Brücke hindurch, in den jetzt sauber eingefassten Kanal, dann schiebt sich links die Barockfassade der "Oranienburg" ins Blickfeld – so taufte Brandenburgs Herrscher Friedrich Wilhelm das Schloss zu Ehren seiner niederländischen Gemahlin Luise Henriette.

Die dunkel gelockte Schönheit aus dem Hause Oranien, deren Einfluss auch auf die politischen Entscheidungen des Großen Kurfürsten immens gewesen sein soll, habe sich bei einer Jagdpartie im Jahre 1650 an die Landschaft ihrer Heimat erinnert gefühlt, weiß der allgegenwärtige Chronist der Mark Brandenburg, Theodor Fontane, zu berichten.

Selbst der noch recht neue Schlosshafen, in dem wir schon bald darauf festmachen, ist in gewisser Weise ein Erbe Luise Henriettes. War sie es doch, die sich als Erste um die Gestaltung des Schlossgartens gekümmert hatte.

Denn ohne Grünanlagen, Gemüsebeete und "Grotte" (ein kleines Gartenhaus) hätte er sich wohl nie zu jenem Park entwickelt, der 2009 Schauplatz einer Landesgartenschau wurde (passender Titel: "Traumlandschaften einer Kurfürstin") – und erst für diese Großveranstaltung wurde auch der Hafen gebaut.

Dessen Lage spaltet zwar die Geister (ein Betonbecken, gerade so angelegt, dass man fast nichts von Park oder Schloss sieht), dafür aber mit nettem Hafenmeister und zumindest schnellem Zugang zum ehemaligen Ausstellungsgelände (Eintritt: 2,50 €/Erwachsene, 1 €/Kinder (7–17 Jahre, Infos, auch über den Schlosshafen: www.oranienburg-erleben.de).

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Christian Tiedt am 12.09.2016