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Obere Havel bis Zehdenick

Nischt wie raus nach Wannsee - Teil 5

Christian Tiedt am 12.09.2016

Am nächsten Morgen folgen wir der Havel-Oder-Wasserstraße weiter durch den Lehnitzsee, der so schnell endet wie er begonnen hat. Vor uns schiebt ein Gütermotorschiff gemütlich der noch weit entfernten Oder entgegen, ein älterer Typ, klein, aber dafür umso bunter im Anstrich. Gemeinsam geht es durch die Schleuse Lehnitz, und erst nach einem weiteren Dutzend Kilometern trennen sich unsere Wege, als wir nach Norden in den Malzer Kanal einbiegen, der die Havel-Oder- mit der Oberen Havel-Wasserstraße verbindet.

Grünes Brandenburg

Liebenwalde heißt die zweite Schleuse des Tages, nun schon mit deutlich kleinerer Kammer und Selbstbedienung. Im Ort selbst beginnt die OHW, oder genauer: der Vosskanal, der hier dem wilden Lauf der Schnellen Havel in einigem Abstand und in etwas ruhigeren Bahnen folgt. Wer hier übernachten möchte, kommt in der Marina Liebenwalde unter (www.marina-liebenwalde.de).

Der wieder schiffbar gemachte historische Lange Trödel, der von hier ostwärts zum Oder-Havel-Kanal führt und dahinter in den Finowkanal übergeht, ist bislang noch nicht eröffnet. 2016 soll es nach einiger Verspätung aber endlich soweit sein...

Wir können es zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, aber die nun folgenden rund 12 Kilometer von der dritten Schleuse bei Bischofswerder bis nach Zehdenick werden die stimmungsvollsten auf diesem zweiten Teil der Reise: Warm scheint die Sonne durch das noch junge Blattwerk der Bäume, und ohne jeden Hauch liegt das Wasser wie ein Spiegel vor uns, während das Heckwasser nur leise murmelt. Gestern noch die lebendige Großstadt, heute grüne Idylle – eine Reise, die wirklich alles bereit hält.

Die alte Schifferstadt Zehdenick empfägt uns mit ihrer Klappbrücke. An der Wartestelle am Westufer davor fordern wir die automatische Öffnung an, und bald darauf schließen sich die Schranken für die Autos mit rasselndem Klingeln. Praktischerweise ist die folgende Schleuse gleich mit angeschlossen, und wir sind schneller im Oberwasser als erhofft – zum Glück, denn der Himmel schließt sich jetzt wie ein dunkler Vorhang und ein kalter Wind springt auf.

Rechts ums Eck werden wir schon an einen freien Steg der Little Marina gewunken. Keine Minute zu früh, denn schon fallen die ersten dicken Tropfen. Es dauert eine Weile, bis die tiefstehende Sonne wieder golden durchbricht und uns den Sundowner auf dem Achterdeck unserer Jetten ermöglicht.

Wir genießen es, denn inzwischen kennen wir den Wetterbericht für die verbleibenden zwei Tage: viel Wind und Dauerregen. Doch so richtig kann uns selbst das nicht aus der Ruhe bringen – schließlich haben wir auf diesem Haveltörn schon jetzt mehr als genug erlebt. 

Eine anschließende Reisereportage und weitere Törns durch das Blaue Paradies Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns FINDEN SIE HIER.

 

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Christian Tiedt am 12.09.2016