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Reise: Deutsche Ostseeküste

Der Ostseefjord Schlei – auf Odins Spuren - Teil 2

Ingrid Bardenheuer am 15.12.2016

Haithabu stieg zum einflussreichsten Handelsplatz im Nordeuropa jener Tage auf und konnte sich bis weit ins 11. Jahrhundert behaupten. Nirgends lässt sich der Welt Haithabus intensiver nachspüren als im Wikinger Museum (www.haithabu.de), das sich nah der Originalstätte befindet. Von Renz-Yachting erreicht man es per Auto in ungefähr 5 Minuten, zu Fuß sind es etwa 3,5 km. Eine Anlegemöglichkeit fürs Boot gibt es auch, im Sportboothafen von Haddeby (72 Liegeplätze, www.tus-busdorf.de). Nett einkehren kann man gleich nebenan.

Nach dem Untergang Haithabus entwickelte sich am gegenüberliegenden Schlei-Ufer eine neue Stadt, das heutige Schleswig.

Bereits um 1100 wurde mit dem Bau des St.-Petri-Doms (www.schleswiger-dom.de) begonnen. Ab etwa 1200 entstand auf dem Holm, heute einer der malerischsten Winkel Schleswigs, das Benediktinerinnenkloster St. Johannis (st-johannis-kloster.de). Es gilt als Schleswig-Holsteins besterhaltene mittelalterliche Klosteranlage. Seit 1994 ist dort das Bibelzentrum Schleswig untergebracht. In einem Themengarten gedeihen Symbolpflanzen und solche, die in der Bibel erwähnt werden. So tummeln sich hier Himmelsschlüsselchen neben Salomonssiegel und Puffbohne – letztere als Beleg alttestamentarischer Essgewohnheiten.

Wer im Schleswiger Stadthafen (148 Liegeplätze, www.hafen-schleswig.de) festmacht, ist bereits nach wenigen Gehminuten im Herzen der alten Fischersiedlung Holm. Zwei Tipps zum städtischen Port: Gönnen Sie sich frischen Fisch, zum Beispiel im "Bistro Esch", und hinterher ein Eis vom "Kaphörnchen" – es soll das beste der Gegend sein. Bummelt man von Renz-Yachting über Land Richtung Holm (ca. drei km), liegt ein Kulturdenkmal ersten Ranges am Weg: Schloss Gottorf, einst Residenz der Herzöge zu Schleswig-Holstein-Gottorf und heute Sitz zweier Landesmuseen (www.schloss-gottorf.de).

Das Kleinod mit seiner über 800-jährigen Geschichte erhebt sich unweit des westlichsten Zipfels der Schlei. An deren östlichsten Punkt, Schleimünde, wollen wir.

Auf der umgerechnet gut 42 km langen Strecke bekommen wir es mit nur zwei "Hindernissen" zu tun, den Klappbrücken in Lindaunis und Kappeln (siehe Info-Kasten). Erstere könnten wir in geschlossenem Zustand passieren, heißt es. In Kappeln aber dürfte es knapp werden. Da wir weder unsere genaue Bootshöhe noch den aktuellen Wasserstand kennen, möchten wir die Öffnung der Kappelner Brücke abwarten. Ihre Bedienung pflegt wie am Schnürchen zu laufen, mit viel Zeitverzug ist also nicht zu rechnen. Der große Schlag von Schleswig bis Schleimünde ist demnach kein Hexenwerk, vielleicht fünf Stunden entspannter Fahrt. Auf dem Rückweg ist dann Hafenhopping angesagt, getreu dem Motto: Bleiben, wo’s gefällt!

Wir lassen die Silhouette Schleswigs hinter uns und folgen dem markierten Fahrwasser, Kurs Schleimünde. Da die Schlei stellenweise sehr flach sein kann, halten wir uns penibel an Tonnenstrich und Karte. Das Manövrieren bereitet keinerlei Schwierigkeiten, die Greenline folgt willig dem Ruder. Auf Kleine Breite und Stexwiger Enge folgt die Große Breite. Plötzlich rappelt und ruckt es. Nanu? Wir haben, typisch Große Breite, gut Kabbelwasser querab. Nichts Weltbewegendes, aber doch erstaunlich. Die sanfte Schlei "kann" also auch kratzbürstig.

Gleich nach der Großen Breite, die sich etwa 4 km weit ausdehnt, haben wir das nächste Extrem unter dem Kiel: die Enge von Missunde, mit rund 140 m die schmalste Stelle der Schlei.

Nach Norden geht jetzt das Brodersbyer Noor ab, Richtung Süden das Missunder Noor – Ausbuchtungen, von denen es ein gutes Dutzend an der Schlei gibt. Steuerbord voraus erscheint sodann ein zerrupftes Etwas: Kieholm, eine von mehreren Inselchen in der Schlei. Das Eiland trägt den Beinamen "Liebesinsel", da es ansatzweise herzförmig geraten ist (romantischere Deutungen nicht ausgeschlossen). Bedauerlicherweise ist Kieholm den Launen von Mutter Natur ausgesetzt. Nun wird die "Liebesinsel" immer weniger.

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Ingrid Bardenheuer am 15.12.2016