Kappeln, Schlei Kappeln, Schlei

Reise: Deutsche Ostseeküste

Der Ostseefjord Schlei – auf Odins Spuren - Teil 3

Ingrid Bardenheuer am 15.12.2016

Wir schlüpfen unter der Klappbrücke von Lindaunis hindurch, nehmen in Kappeln die Brückenöffnung um 11.45 Uhr und erkennen bald in der Ferne den Leuchtturm von Schleimünde. Dort geht es hinaus aufs Meer. Das war nicht immer so. Jahrhundertelang musste die Schifffahrt mit den natürlichen Verbindungen zwischen Schlei und Ostsee vorlieb nehmen, die sich ein gutes Stück weiter nördlich der gegenwärtigen Passage befanden. Der erste dieser Fahrwege versandete schon zu Wikingerzeiten. Der zweite etwas weiter südlich ließ sich ebenfalls nicht frei halten und wurde aufgegeben. Ende des 18. Jahrhunderts legte man den jetzigen Durchbruch an. 1871 ging der noch heute existierende Leuchtturm in Betrieb.

Seitdem wurde der Gute siebenmal komplett umgestrichen. Rekord, sagt die WSV. Seit diesem Sommer trägt der rund 15 m hohe Oldie erstmals Grün-Weiß.

Für viele ist die einstige Lotsenstation Schleimünde ein besonderer Ort. Nicht nur, weil sie ausschließlich vom Wasser aus zu erreichen ist und so etwas Entrücktes hat. Da ist der geschützte Hafen mit seiner legendären "Giftbude". Ein uriger Treffpunkt mit kleiner Gastronomie. Am Strand lässt sich wunderbar Ausschau halten nach Hühnergöttern und Katzengold, typischen Steinen der Ostsee. Und vielleicht ziehen gerade Schweinswale vorüber? Nicht weniger spannend ist eine Führung durch das angrenzende Naturschutzgebiet Schleimündung (www.jordsand.eu). Und selbst das geht auf der Lotseninsel: saunieren. Verständlich, dass Schleimündes Hafen (19 Liegeplätze, www.lotseninsel.de) an schönen Tagen übervoll ist.

Der Wind hat aufgefrischt, Schauer kündigen sich an. Unter solchen Vorzeichen hält es uns nicht im abgeschiedenen Schleimünde. Wir laufen den Sportboothafen Maasholm an (450 Liegeplätze, www.maasholm.de) und stoßen auf zwei nebeneinanderliegende Boxen ohne Liegeplatzschild. Wir nehmen die eine und dürfen, kaum dass die Festmacher liegen, alles wieder abbauen und in die andere umziehen. Die ist tatsächlich frei. Bei der anderen hatte der Platzinhaber sein Schild mit auf Törn genommen. Ergo: Ohne Schild ist nicht gleich ohne Schild!

Maasholm erweist sich als hübscher Fischerort mit Lokalen, kleinem Supermarkt, Bäckerei und Fischverkauf.

Alles ist vom Hafen aus bequem zu Fuß zu erreichen. Wir essen sehr guten Dorsch im "Restaurant Raub" und gehen noch ein bisschen durchs Dorf. Nach Westen hin fallen uns Einbuchtungen am Ufer auf, die sogenannten "Kahnstellen". Diese Plätze wurden im frühen 20. Jahrhundert für die flachgehenden Nachen der Schleifischer gebaut. 48 "Kahnstellen" existieren noch. Man hat sie saniert und unter Denkmalschutz gestellt. Empfehlenswert ist auch eine Wanderung zum Naturerlebniszentrum Maasholm, knapp 4 km vom Yachthafen entfernt (www.nez-maasholm.de).

Unsere nächsten Stopps sind Kappeln und Arnis. Die Greenline legen wir in Kappelns Gastliegerhafen (35 Liegeplätze, www.kappeln.de). Man macht querab zum Fahrwasser fest, muss also mit Strom rechnen. Grundsätzlich kein Problem, zumal Sorgleinen zwischen den Boxen Führung geben. Lästig kann der Schwell werden, den manche Skipperkollegen draußen in Erwartung der nächsten Brückenöffnung produzieren. Ansonsten ist der Gastliegerhafen ein famoser Platz (weitere Liegemöglichkeiten siehe Törnliteratur). Hier, am Kai, reiht sich ein Lokal ans andere. Shoppen geht auch. Oben im Zentrum setzt sich das Ganze fort.

Und gefühlt ist er immer um einen herum: "Der Landarzt". Die gleichnamige ZDF-Serie spielte an der Schlei, wurde von 1987 bis 2013 ausgestrahlt und brachte es in der Zeit auf sagenhafte 297 Episoden.

Die Spuren des TV-Dinos sind nicht verweht, im Gegenteil, man kann auf ihnen wandeln, etwa in Kappeln (www.ostseefjordschlei.de). Über einen idyllischen Weg spazieren wir später hinüber nach Arnis (ca. 3,5 km). Fest in Kappeln, zu Fuß ins verträumte Arnis, man könnte es auch genau umgekehrt machen. Übernachten in Arnis hat den höheren Romantikfaktor, in Kappeln ist mehr los. Bootsplätze hat Arnis jedenfalls genug.

Im Arnisser Noor unterhält die Wassersportgemeinschaft Arnis einen gepflegten Yachthafen (265 Liegeplätze, www.wsg-arnis.de). Weitere Anlegemöglichkeiten gibt es zu beiden Seiten der kleinen Halbinsel, auf der sich Arnis erstreckt. Ob auf eigenem Kiel oder Schusters Rappen, dem Zauber von Deutschlands kleinster Stadt wird sich niemand entziehen können.

Mit Fischbude und Bäckerei sind die Einkaufsgelegenheiten überschaubar, dafür stehen mehrere Restaurants zur Wahl.

Am südlichen Ortsrand weist ein hölzerner Glockenturm zur historischen Schifferkirche. "Dies ist der schönste Platz auf Erden", hat wer in das ausliegende Besucherbuch geschrieben. Dem ist nichts hinzuzufügen. Nur diese Empfehlungen noch: Schauen Sie auf Ihrer Rückfahrt bei der Marina Hülsen vorbei, ein gemütlicher Flecken im Grünen (www.marina-huelsen.de). Das "Hafencafé" serviert Leckereien wie duftendfrischen Flammkuchen. Und freitags Räucherfisch, direkt aus dem Rauch.

Der perfekte Ort für einen genussvollen Törnausklang ist nicht zuletzt das "Fährhaus Missunde" an der Missunder Enge. Entlang des Nordufers kann man festmachen, doch Achtung, auch hier setzt Strom (www.faehrhaus-missunde.de). Die Große Breite ist diesmal spiegelblank. Wir schalten den Diesel aus, stellen auf "electric" und starten neu. Der Elektroantrieb läuft an und bringt uns heim, nahezu lautlos und der Abendsonne entgegen.

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Ingrid Bardenheuer am 15.12.2016