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Europaweit

Main-Donau-Kanal Teil 2

Jürgen Straßburger am 05.12.2008

Bamberg – Linz: schöne Häfen, nette Leute lecker essen. Sie könnte so schön sein, die zweite Etappe unseres Törns in die ungarische Hauptstadt

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Der Weg nach Budapest, Teil 2

Aber zumindest bis Passau bleibt es wie schon am Main:Viele der alten Städte mit ihren Sehenswürdigkeiten machen es Bootsfahrern schwer, ihre Reize zu entdecken. Wenn es denn überhaupt einen Hafen oder eine Liegestelle gibt, liegen sie oft fernab der historischen Zentren.

Bamberg: Im Mündungsbereich des linken Regnitzarms (der rechte bildet den Main-Donau-Kanal) hat der MBC Regnitz-Main sein Domizil. Gästen steht ein 20 m langer Feststeg zur Verfügung. Gut 2 km Fußmarsch sind es von hier bis zur Altstadt von Bamberg mit dem idyllischen Fischerviertel „Klein Venedig“ und dem „Alten  Rathaus“, das farbenfroh zwischen den Bögen der „Oberen Brücke“ mitten in der Regnitz steht. Ein weiter, aber lohnender Weg, denn nicht wenigen gilt Bamberg gar als schönste Stadt Deutschlands.

Gäbe es eine Sportboot-Liegestelle am Main-Donau-Kanal, etwa in Höhe der Kettenbrücke, wäre der Wasserwanderer diesem Weltkulturerbe ganz nah. Oder wissen die Bamberger gar nicht, dass der Kanal so dicht an ihren Schätzen vorbeiführt? Die Schleuse Bamberg lässt uns eine Stunde warten. Ein Talfahrer hatte Vorrang. Vorgeschmack auf das Schleusen­regime am MDK? Tendenziell schon, denn so glatt wie am Main geht es hier nicht mehr zu. Oberhalb der Schleuse herrscht Stille: Zwei Berufsschiffe und eine Motoryacht sind bis Forchheim die einzigen Begegnungen des Tages. Das hoch liegende Kanalbett bietet zwar einen Blick in die tiefer liegende Umgebung, aber dort ist nichts von Bedeutung zu sehen.

Im Yachtclub Forchheim empfängt uns der urige „Hafensheriff“ Horst Brandel nicht mit einem „Colt im Gürtel“, aber doch mit einer Axt über der Schulter: Auf der weit­räumigen Campingwiese des Yachtclubs gibt es immer etwas zu tun. Der Hafen liegt in einem Altwasser der Regnitz vor der alten Regnitzbrücke (Wasser, Strom, Duschen, WC). Gut zehn Minuten läuft man bis ins Zentrum der Stadt, dem Eingangstor zur Fränkischen Schweiz. Einst karolingische Kaiserpfalz und später wichtigs­te Festung des Bistums Bamberg, verzaubert die Altstadt noch heute mit prächtigen Fachwerkbauten, darunter das Alte Rathaus. Fränkische Lebensart wird in den „Forchheimer Kellern“ (zünftige Gaststätten, meist mit Biergarten) bei einem kühlen Bier und deftiger fränkischer Brotzeit zelebriert. Das darf man sich nicht entgehen lassen!

„Morgenstund’ hat Gold im Mund“. Nicht im Hafen von Forchheim! Um 5.30 Uhr schickt ein vorbeifahrendes Motorschiff derartige Wellen in den Yachthafen, dass die längsseits am Steg vertäute „Troll“ ein paarmal mächtig seitlich aufsetzt und unser Geschirr vom Vorabend krachend auf dem Cockpitboden landet. Noch gut 40 km schippern wir auf dem zweitältesten Teilstück des Main-Donau-Kanals. Die Schleusen Hausen und Erlangen ärgern uns mit mächtigem Druck des an der Kammerwand einströmenden Was­sers. Selbst zu zweit ist das Boot nur mit Mühe zu halten. Jetzt verstehe ich, warum es im Törnführer „Gewässerkarte Main, Main-Donau-Kanal“ heißt: „Beim Schleusen zu Berg den starken Wassereinlauf keinesfalls unterschätzen.“

Im Hafen des 1. MYC Nürnberg werden wir von Hafenmeister Gottfried Leonhard aufs Freundlichste empfangen. Und während ich an diesem Text schreibe, erfahre ich aus Nürnberg, dass Gottfried Leonhard am 16. Oktober seinem Herzleiden erlegen ist. Er wird uns mit seiner unermüd­lichen Hilfsbereitschaft unvergessen bleiben. Den Nürnbergern wünschen wir, dass sie für Gottfried einen würdigen Nachfolger finden mögen. Weiter Weg in die City Der Hafen des MYC liegt am südwestlichen Stadtrand gut 5 km vom Zentrum entfernt. Mit dem Bus 69 fährt man vom Südwestpark, (600 m vom Hafen) bis zum Gustav-Adolf-Platz und von dort mit der U 3 in die City.

Es ist schwül, als wir das gastliche Nürnberg verlassen. Gemeinsam mit MS „Bavaria 80“ geht es durch die Schleusen Nürnberg, Eibach und Leerstetten. Eibach ist die erste Schleuse des erst 1992 eröffneten Kanalabschnitts von Nürnberg bis Kelheim. Von hier bis Dietfurt haben die Schleusen acht Schwimmpoller, die an der östlichen Kammerwand (in Bergfahrt Richtung Donau an Backbord) verteilt sind. Prob­lem: Wenn vorausfahrende Berufsschifffahrt nach „hinten“ nicht genug Platz lässt, kommt man an keinen Schwimmpoller ran. Da der einlaufend erste Poller  rund 20 m vom Untertor entfernt ist, liegt er oft schon im Heckbereich des Motorschiffs und ist damit für ein Sportboot tabu. Dann bleibt nur die Leiter oder ein Nischenpoller auf der Steuerbordseite der Kammer.

Während wir in der Schleuse Leerstetten die gewaltige Hubhöhe von 24,67 m nach oben gehen, entlädt sich die Schwüle in einem Gewitter. Mit Folgen: Als wir uns eine Stunde später per Funk an der Schleuse Eckersmühlen anmelden, verkündet der Schleusenwärter: „Wir hatten Blitzeinschlag. das Untertor lässt sich nicht bewegen.“ Die Reparatur dauert 3 1/2 Stunden, die wir bei apokalyptischem Regen im Boot absitzen. Dann geht’s zum zweiten Mal 24,67 m in die Höhe.Der dritte Betonklotz dieses Ausmaßes ist die Schleuse Hilpoltstein. Und nun passiert uns genau das, was ich vorher beschrieben habe: Vorausfahrende Berufsschifffahrt blockiert alle Schwimmpoller, und wir machen an einer Leiter auf der Steuerbordseite mit zwei Schleusenhaken plus Tampen fest.

Das Wasser schießt mit derartiger Wucht an der Kammerwand hoch, dass wir „Troll“ auch zu zweit nicht halten können und einen Schleusenha-ken samt Festmacher aufgeben müssen. An der Leitersprosse hängend, verschwindet er in den Fluten. Es gelingt uns, den zweiten Haken loszumachen und den Motor anzuschmeißen. Unter Motor halte ich „Troll“ auf engem Raum vom Untertor und dem vor uns liegenden Motorschiff frei. Schon erstaunlich, dass der Schleusenwärter unser brenz­liges Manöver unkommentiert lässt. Hat er es am Ende nicht einmal bemerkt?

Dass die Scheitelhaltung erreicht ist und wir wenig später die Granitskulptur passieren, die die europäische Wasserscheide markiert, nehmen wir in unserer Erschöpfung kaum noch wahr. Wie gut, dass Bachhausen unsere erste Talschleusung ist und uns nicht mehr fordert. In stockdunkler Nacht und todmüde machen wir am Gästesteg des Berchinger Yachtclubs fest. Was für eine grausige Tagesetappe: 12 1/2 Stunden für 55 km und fünf Schleusen. Da tut die propere Sanitäranlage im Clubhaus des Berchinger Yachtclubs am nächsten Morgen so richtig gut.

Sogar die Sonne lugt hervor, als wir uns auf den Weg ins diesmal nicht ganz so ferne Städtchen (rund
1 km) machen. Das „Kleinod des Mittelalters“ ist von einer sehr gut erhaltenen Altstadtmauer mit vier Toren und neun Türmen umgeben, die man unbedingt gesehen haben muss. Praktisch: Ein Edeka-Supermarkt und ein Bäcker sind nur 300 m vom Hafen entfernt. Aber auch an diesem Tag läuft nicht alles rund. Bei der Anmeldung an der Schleuse Berching sagt der Schleusenwärter: „Hinter MS Mira könnt ihr dann einlaufen.“ Nach
45 Minuten läuft „Mira“ an uns vorbei Richtung Schleuse. In gehörigem Abstand zum Schraubenwasser von „Mira“ nehmen wir Kurs auf die Schleuse, als plötzlich, wenige Meter vor uns, das Obertor aus dem Wasser kommt: stopp und volle Fahrt rückwärts!

Mit hohem Adrenalinspiegel greife ich zur Funke und brülle: „Wir sind doch angemeldet und sollten hinter ,Mira‘ einlaufen!“„Ach ja, in fünf Minuten könnt ihr einfahren.“ Das Tor fährt komplett hoch, dann wieder runter, und wir laufen ein. Was für ein Sch...gefühl, wenn ein Schleusenwärter so brutal pennt! Ein kühles Bad im Kanal
Ein Unglück kommt selten ­allein: Im Unterwasser der Schleuse kriegt „Troll“ plötzlich Schüttelfrost und rumpelt wie ein Derwisch. Wir haben uns was eingefangen. Ich steige ins kühle Nass und schneide ein mächtiges „Getüdel von Tampen“ aus dem Propeller. Nun habe ich auch mal im Main-Donau-Kanal gebadet.

Entschädigt werden wir beim Mittagsstopp in Beilngries: Im Hafen des Motor Yachtclub Altmühltal genießen wir auf der Terrasse der clubeigenen Gaststätte „Zum Hafen“ Oberpfälzer Lamm und frischen fränkischen (oder auch Oberpfälzer?) Spargel. Von Beilngries bis hi­nunter nach Kelheim zeigt der Main-Donau-Kanal bei sonnigem Wetter seine ganze Schönheit. Die Narben, die man dem prächtigen Altmühltal beim Bau des Kanals zugefügt hat, scheinen restlos verheilt. Auf dieser Strecke hat man das Gefühl, auf einem natürlichen Fluss zu fahren.
Um die in gewundenem Beamtendeutsch verfassten Bedienungsanleitungen der Sportbootschleusen  Riedenburg und Kelheim (Kammergröße 20 m x 4 m) zu verstehen, sollte man ein paar Jahre Verwaltungs­erfahrung mitbringen.

Der Schleusengang ist jedenfalls einfacher, als die Anleitung vermuten lässt. Knapp 5 km unterhalb der Schleuse Kelheim mündet der Main-Donau-Kanal nach 171 km in die Donau, deren muntere Strömung sofort spürbar wird: Statt 12 km/h zeigt unser GPS jetzt knapp 17 km/h über Grund. Die Donau schenkt uns also gut 4 km pro Stunde! Nach 1,5 km endet die heutige „Donauetappe“ im Hafen der Marine Center Donau GmbH in Saal. Umfassender Boots- und Motorenser­vice, 80-t-Kran, Bootszubehör sowie eine Tankstelle mit Diesel und Benzin (übrigens der einzigen an der deutschen Donau!) ­prädestinieren diesen Hafen für ­einen letzten technischen Schliff des Bootes vor der großen Donaufahrt.

Im ita­lienischen Ristorante „Da Raffaele“, das mit Terrasse im ers­ten Stock des Hafengebäudes residiert, ist der Name allerdings klangvoller als das, was aus der Küche kommt. Gerade mal zehn Minuten rauschen wir am nächsten Vormittag zu Tal, als ein Sportboot mit verrecktem Motor in der Donau vor Anker liegt. Wir nehmen „Jenny 2“ auf den Haken und schleppen sie in den Sportboothafen Donautal in Kapfelberg. So haben wir diese schöne Anlage des MBC Kelheim wenigstens auch gesehen. Die Sportbootschleuse Bad Abbach  (Kammergröße 20 m x 4 m) ist rasch überwunden, und auch in Regensburg geht’s durch die Sportbootschleuse, die in den Donau-Südarm führt.

Hier auf der Insel zwischen Süd- und Nordarm der Donau gibt es drei Steganlagen. Wir machen am Steg des
1. MWSC Regensburg fest, weil diese Anlage der Donaubrücke „Eiserner Steg“ – und damit dem direkten Weg in die Altstadt – am nächsten ist. Außerdem hat man von hier einen beeindruckenden Blick auf die großartige Kulisse von Regensburg. Weniger schön ist, dass der Club keine Sanitäranlagen hat, aber für den Liegeplatz inklusive Wasser und Strom 16 Euro für unser 8-m-Bötchen kassiert. Ganz schön happig. Nur wenige Schritte oberhalb vom Clubsteg gibt es am Schopperplatz und in der Badstraße (führt zum Eisernen Steg) ein paar nette Restaurants. Mit „Hagens Auberge“ (Badstraße 54) entscheiden wir uns für die gehobene Preisklasse und werden nicht enttäuscht.

Abschied von Regensburg: Mit Schmackes schießt die „Troll“ durch die Steinerne Brücke, an der die Bogenfundamente den Fluss verengen und dadurch den ohnehin kräftigen Strom zusätzlich beschleunigen. Zu Berg hätte „Troll“ hier wohl nicht die Spur einer Chance. Vorbei an der Walhalla, der monumentalen Gedenkstätte deutscher Persönlichkeiten in einem deplatziert wirkenden Nachbau des Pantheons, und dem „kleinsten Weinanbaugebiet Deutschlands“, das östlich von Regensburg zwischen Tegernheim und Wörth an der Donau am rechten Flussufer liegt, geht es dem 55 Flusskilometer und zwei Schleusen entfernten Straubing entgegen.

Eine Stadt, die ich schon immer gern sehen wollte. Ärgerlich nur, dass es nicht die Spur einer Liegestelle für Sportboote gibt. Dafür aber im Wehrarm zu Berg, knapp unterhalb der Schlossbrücke und damit dicht am Zentrum, einen Winterhafen des WSA. lso rufe ich die Außenstelle des WSA Regensburg in Straubing an und frage ganz vorsichtig, „ob eventuell … auch für die Nacht … würden uns doch so gern Straubing anschauen.“
Kaum ausgesprochen sagt der freundliche Herr Ammann: „Genehmigung wurde soeben erteilt.“ Also liegen wir sehr exotisch an der Spundwand des WSA-Hafens, bekommen von einem Mitarbeiter sogar den Zugang zum Stromkasten  und einen Schlüssel für den Zugang zum Hafen. Und das alles nur knapp zehn Minuten Fußweg vom Straubinger Stadtzentrum entfernt, in absoluter Ruhe.

Im Zentrum gibt es jede Menge Gaststätten, Bäcker, Metzger und Klamottenläden, aber ein Supermarkt? Fehlanzeige! „Ja“, sagt eine ältere Dame, „der letzte Supermarkt im Zentrum ist nun auch weg. Jetzt liegt alles außerhalb.“ Obwohl sie Angst hat, fremde Männer mitzunehmen, fährt sie uns mit ihrem Auto in ein Gewerbegebiet mit Real-Markt, Lidl, Getränkemarkt usw. Wir decken uns ein und nehmen ein Taxi zurück zum Hafen.


Das schöne Straubing mit seinen so freundlichen Menschen, prächtigen Bürgerhäusern rund um den Stadtplatz, dem markanten Stadtturm und den gemütlichen Gasthäusern rundherum wird man nicht so schnell vergessen. Fehlt nur noch der Sportboot­hafen.

2 1/2 Stunden brauchen wir für die 37 km lange schleusenfreie Fahrt von Straubing bis Deggendorf. Also ist die Donau hier etwas träger geworden und strömt nur mit knapp 3 km/h. Mittagspause im Schutzhafen Deggendorf. Hier sind vier Clubs beheimatet. Wir legen beim Niederbayerischen Motoryachtclub Landshut an. Aber nicht, weil es die letzte Steganlage im Schutzhafen ist, sondern weil dort, weithin sichtbar, die „Gelbe Welle“ steht.

Erfreulich, dass dieser wassertouristische Wegweiser auch in Niederbayern angekommen ist! Dass „die Leut’ in Hofkirchen besonders nette Leut’“ seien, hatten wir schon am Steg in Regensburg gehört. In dem kleinen Hafen machen wir am Mittelsteg vor der „Donauperle“, dem prächtigen Clubschiff, fest. (Wasser und Strom am Steg, Sanitär im Clubschiff, 6,3-t-Kran). Auf der Terrasse der „Donauperle“ mit herrlichem Blick über den Hafen fühlen wir uns rasch wohl. Bayerische Gemütlichkeit bei köstlichen Speisen erleben wir am Abend im Biergarten des „Gasthofs Buchner“ (450 m).

8 km unterhalb von Hofkirchen passieren wir Vilshofen. Zumindest in wassertouristischer Hinsicht ist diese sehenswerte Stadt in der „Erlebnisregion Donautal“ nicht „Am Fluss der Zeit“, wie es so schön in der  Tourismuswerbung heißt. Die Stadt hat zwar einen sehr aktiven Bootssportverein, aber absolut keine  Liegemöglichkeit. So klagt der BSV auf seiner Homepage: „Anlagen irgendwelcher Art, die dem Wassersport dienlich sind und fördern könnten, dürfen nicht errichtet werden. So ist nur ein Ankern für unsere Boote vor dem Grundstück möglich.

Deshalb ist es für den BSV sehr schwierig, befreundete Bootsfahrer, die über den Wasserweg anreisen,  aufzunehmen.“ Die BSVler hoffen,dass die geplante Hafenanlage der Stadt Vilshofen eine Genehmigung erhält
und in welcher Form auch immer zur Ausführung kommt. Dass die Donau ungemütlich werden kann, erleben wir zwischen Vilshofen und Passau. Ostwind mit 5 bis 6 Beaufort (Wind gegen Strom) fabriziert eine so steile Welle, dass wir sogar die Skylights schließen müssen, um nicht mit Donauwasser geduscht zu werden. Bei diesen Verhältnissen ist es am Gäste-Außensteg des MYC Passau recht ungemütlich, und wir sind sehr froh, dass uns die Passauer trotz unserer 8 m in das eigentlich auf 7 m begrenzte Hafenbecken bugsieren lassen.

Hier können Skipper und Crews die Seele baumeln lassen: Wasser, Strom, Sanitär, 4-t-Kran, sehr schönes Clubhaus mit Terrasse, Pool,Spielgeräte.In die gut sechs Kilometer entfernte Stadt, die man natürlich gesehen haben muss, gibt es einen Bus. Die Schleuse Kachlet passieren wir allein! Dann können wir Passaus prächtige Kulisse vom Wasser aus genießen.

Kurz unterhalb von Passau, bei Donau-km 2223, wird die Donau Grenzfluss: Wir setzen die österreichische  Gastlandflagge. Brotzeit in Obernzell,dem letzten deutschen Donauhafen.Die Mitglieder des  Donauwassersportvereins laden uns zu „Radi“ mit Tomaten und Brot ein. Der erste Sportboothafen am österreichischen Ufer, der weiträumige Hafen von Kasten (Donau-km 2208,4 RU) ist erstaunlich leer. Unterhalb der Schleuse Jochenstein, der letzten deutschen, gehört der Fluss nur noch zu Österreich und zeigt sich, in grüne Hügel sanft eingebettet, gleich besonders prächtig.

So geht es dem ersten absoluten Landschafts- und Wassersport-Highlight entgegen: der Schlögener Schlinge
und der Marina Schlögen. In der ersten der zwei gewaltigen Donauschleifen liegt die Marina, durch einen  schmalen Damm perfekt vor den Turbulenzen des Donaustroms geschützt. Nimmt man Lage,Ausstattung
und Serviceangebot zusammen, ist dieser Hafen die absolute Nummer 1 auf der Strecke bis Budapest.Hier fehlt
es an nichts,weder für das leibliche, noch für das Wohl des Bootes.

Da ist es fast schon selbstverständlich, dass es hier auch eine Bootstankstelle (Benzin, Diesel) gibt. Aber auch einen Swimmingpool, gute Gastronomie, einen Minimarkt und frische Brötchen am Morgen. Kein Wunder also,dass ein kompletter Steg dieser Marina fest in deutscher, genauer gesagt, bayerischer Hand ist. Natürlich wird „Troll“ bei der Fotorunde im Hafen erkannt: „Hier könnt ihr festmachen.“

Und schon sind wir drin im sommerlichen Leben auf Steg „D“ wie „Deutschland“ und erleben hautnah, wie deutsche Crews hier die österreichische Donau in vollen Zügen genießen: „Wenn ich auf der bayerischen Donau fahren müsste, wäre ich gar nicht auf dem Wasser“, sagt Anselm.Die Runde nickt zustimmend. Den Unterschied muss man „erfahren“: Mittagspause im Gasthaus „Gierlinger“ in Obermühl.

Die Boote am hauseigenen Steg in der Muühlmündung. Zehn Stromkilometer zu Tal: Anker- und Badepause in der Mündung der „Großen Mühl“. Was für ein schönes Donaustück, für das einige von Steg „D“ sogar schon Kroatien aufgegeben haben.


An der ersten österreichischen Donauschleuse, Aschach, lernen wir etwas Neues: Geschleust wird nur, wenn die
am Schleusengang beteiligten Crew-Mitglieder Schwimmwesten angelegt haben. Das wird peinlich genau  überwacht. Wenn jemand die Weste vergessen hat, kommt prompt die Lautsprecheransage: „Bitte legen Sie Ihre Schwimmweste an, sonst geht es nicht weiter.“

Unsere Tagesetappe endet in Oberlandshaag, im Hafen des MYC Kachlet (Donau-km 2159,8 LU). Am lang gestreckten Gästesteg machen wir fest (Wasser + Strom), Duschen und WC im Clubhaus. Über die mächtige Donaubrücke erreicht man den sehenswerten Ausflugsort Aschach. Zum Abendessen kehren wir im Gasthaus „Fischerhof“ ein,der auf unserer Donauseite ein wenig oberhalb der Brücke liegt und sehr zu empfehlen ist.

Die letzten 30 der nicht mehr ganz so spektakulären Donaukilometer der zweiten Etappe führen uns nach Linz. Dort haben wir beim Motoryachtclub Nibelungen (Donau-km 2131,9 LU) „Troll“ für einen längeren Zwischenstopp angemeldet. Die Steganlage im Winterhafen liegt wenig attraktiv zwischen Stadtrand und Industriegebiet. Es gibt Wasser und Strom am nach außen verschlossenen Steg und in einem Bauwagen Duschen und WC.
Ins attraktive Stadtzentrum sind es rund 2,5 km.

Fortsetzung folgt.

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

Kilometrierung Der Main-­Donau-Kanal ist vom Abzweig aus dem Main bei Main-km 384 beginnend mit MDK-km 0,0 Richtung Donau kilometriert. Er mündet mit km 170,80 in die Donau, die hier Donau-km 2411,45 aufweist. Die Donau ist von der Mündung ins Schwarze Meer (km 0,00) zu Berg kilometriert.

Fahrrinnentiefe Main-Donau-Kanal mindestens 2,50 m; Do­­nau­-wasserstandsabhängig, bei Niedrigwasser im frei fließenden Fluss zwischen Straubing und Vilshofen min­destens 2,00 m. Durchfahrtshöhe Main-Donau-Kanal: geringste Durchfahrtshöhe bei höchstem Schifffahrtswasserstand (HSW) an der Kettenbrücke Bamberg 5,33 m; Donau: geringste Durchfahrtshöhe bei höchstem Schifffahrtswasserstand (HSW) Eisenbahnbrücke Deggendorf 4,40 m.

Strömung Die Fließgeschwindigkeit der Donau liegt je nach Abschnitt und Wasserstand zwischen 2 und 15 km/h.

Fahrgeschwindigkeit Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf dem Main-Donau-Kanal bei ­einem Tiefgang von weniger als 1,30 m beträgt 13 km/h; ab 1,30 m Tiefgang 11 km/h. Donau keine Beschränkung.


Fahrtgenehmigung Laut Do­nau­schiff­fahrtspolizeiver­ord­nung ist für Sportboote, die die Donau unterhalb Österreichs befahren wollen, eine Fahrtgenehmigung erforderlich. Dieses kostenlose Papier wird vom WSA Regensburg, ­Erlanger Str. 1, ausgestellt. www.wsa-regensburg.wsv.de

Tanken Donau: Marine Center Donau in Saal (km 2410,0 RU). Diesel, Benzin. Vom 1. April bis 31. Oktober Montag bis Freitag 8 bis 12 und 13 bis 17 Uhr, Sa und So 10 bis 17 Uhr. Telefon 09441-68 86 60.
Marina Schlögen (km 2188,0 RU). Diesel, Benzin. 1. April bis 31. Oktober täglich 8.30 bis 12 Uhr und
14 bis 17 Uhr. Telefon 0043-7279-87 22 oder -82 41.
 

Jürgen Straßburger am 05.12.2008