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Europaweit

Main-Donau-Kanal Teil 3

Jürgen Straßburger am 21.01.2009

Reiseteil Dreil: Zwischen Linz und Budapest ziehen uns faszinierende Landschaften, große Kultur und tolle Begegnungen endgültig in den Bann der Donau.

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Der Weg nach Budapest, Teil 3

Wer hinter dem „Linzer Bermuda-Dreieck“ einen nautisch mysteriösen Donauabschnitt vermutet, liegt falsch. Tatsächlich geht es um die Kultur- und „Beiselszene“ der Stadt, die sich zwischen Hauptplatz und Schlossberg ballt, und die man sich nicht entgehen lassen darf. Und so wirbt die diesjährige Kulturhauptstadt Europas zu Recht mit einem Leporello für die „Linzer Nachtmeile“, der „City-Szene nach 22 Uhr“.

Vom Linzer Winterhafen, wo wir am Steg des MYC Nibelungen für einen zweiwöchigen  Zwischenstopp einen sicheren Gastliegeplatz fanden, bietet sich entlang der Donau ein 2,5 km langer Fußmarsch bis zum Hauptplatz an, der mit ­seinen Barock- und Rokoko­fassaden zu den schönsten Plätzen Mitteleuropas zählt. 

Die Schleusen Abwinden und Wallsee meistern wir fast ohne Wartezeit gemeinsam mit einem Schubverband und lernen wieder etwas Neues: Alle Schleusen an der österreichischen Donau haben jeweils zwei nebenein­anderliegende Kammern. Pro Kammer gibt es vier Schwimmpoller, die sich jeweils an den Außenwänden der Kammern, also nicht an der Trennwand zwischen beiden Kammern, befinden. Ausnahmen: die Schleuse Aschach hat drei, die Schleuse Persenbeug keine Schwimmpoller. An den Schwimmpollern ist das Schleusen einfach, wenn man beachtet, dass der Poller sich erst in Bewegung setzt, wenn das Wasser schon rund einen Meter abgesenkt ist. Wer den Festmachertampen zu früh am Boot belegt, rutscht, ohne Kontakt zum Wasser, an der Kammerwand nach unten.

Die ohnehin nicht verbindlichen Richtzeiten für Sporbootschleusungen an den neun österreichischen Schleusen waren in der Praxis ohne Bedeutung. Nur einmal warteten wir nach Anmeldung per Funk (rund 20 Minuten vor Ankunft an der Schleuse) länger als eine halbe Stunde. Die Schleusenwärter scheinen sich wirklich als Dienstleister zu verstehen: Die Kommunikation ist stets freundlich, die Ansagen sind hilfreich. Vielleicht liegt’s auch daran, dass „via donau“, die Österreichische Wasserstraßen-GmbH, ein Privatdienstleister und kein Staats­unternehmen ist. Erfahrene österreichische Donauskipper jedenfalls berichten, dass seit 2005, dem Gründungsjahr von „via donau“, das Schleusenre­gime für Sportbootfahrer deutlich an Qualität gewonnen hat.

Die Selbsteinschätzung im Internet ist ja auch nicht unbescheiden: „via donau – Europas mo­dernste Wasserstraßengesellschaft“ (www.via-donau .org). Absolut ruhiges Liegen verspricht der Donau-Altarm unterhalb der Schleuse Wallsee. Hier kann an den Steganlagen kurz vor der Brücke links (Steyrer Yachtclub) und rechts (Motoryacht- und Wasserskiclub Wallsee) festgemacht werden. Von Wirbeln und Strudeln
Unser Tagesziel ist Grein im Strudengau. Der Name Strudengau bezeichnet das enger werdende Donautal zwischen Ardagger Markt und Ybbs und verweist auf einen Donauabschnitt, der wegen gefährlicher Wirbel und Strudel von den Donauschiffern einst sehr gefürchtet wurde. Damit ist es dank Sprengungen und Rückstau an der Schleuse Ybbs-Persenbeug längst vorbei, aber die Strömung des Flusses ist immer noch munter, die Landschaft von besonders wilder Schönheit.

Der Schutzhafen Grein mit den Sportbootstegen liegt knapp oberhalb der Stadt und bietet einen erhabenen Blick auf Schloss Greinburg und die Stadtpfarrkirche. Beim Bootsverein Turul, im hinteren Teil des Schutzhafens, finden wir ­einen schönen Gastliegeplatz (Wasser und Strom). Für die Sanitäranlagen im Clubhaus bekommen wir einen Code. Und einen leckeren Grünen Veltliner zur Begrüßung gibt es auch: schon mal ein Vorgeschmack auf die Wachau.

Grein ist ein kleines, ungemein sympathisches Städtchen, dessen Charme man sich nur schwer entziehen kann. Auf der zum Stadtplatz offenen Terrasse der „Greiner Bürgerstuben“, schlemmt es sich nicht nur gut und heimisch, man hat auch sehenswerte Nachbarschaft: Das Rathaus mit dem ältesten erhaltenen Theater Oberösterreichs – ein Rokoko-Prunkstück aus dem Jahre 1791 – liegt gleich nebenan, und der Kirchturm von St. Ägidius schaut von oben zu. Da muss Schloss Greinburg mit seinem „steinernen Theater“, dem prächtigen Arkadenhof und dem „Oberösterreichischen Schifffahrtsmuseum“ bis zum nächsten Tag warten.

Unterhalb der Schleuse Ybbs-Persenbeug wird die Donau wieder etwas breiter und damit auch behäbiger als im Strudengau. Bei Marbach ist das Fluss­bett gut 300 m breit. Der in das Marbacher Freizeitzentrum integrierte Sportboothafen bietet besten Service. Die Hafenkneipe „Zur alten Fähre“ ist ein beliebter Skippertreff. Hoch über Marbach thront auf dem Taferl­berg weithin sichtbar die Wallfahrtsbasilika Maria Taferl.

In der Schleuse Melk verlassen wir den Nibelungengau und erreichen die Wachau. Was für ein herrlicher Landstrich! Den Auftakt macht Melk mit seinem alles überragenden Stift, dessen barocke Fassade für den Talfahrer lange Zeit über der Schleuse Melk zu schweben scheint. Geht das Untertor der Schleuse auf, ist das gewaltige Gebäude zum Greifen nah.

Beste Lage für den Besuch des Stifts haben die Pontons der Donau Schiffsstationen GmbH (www.donaustationen.at). Von den insgesamt sieben Pontons vor Melk (davon zwei im Altarm), dürfen die am Strom liegenden Pontons Nr. 31 (km 2036,12 RU) und Nr. 8 (km 2035,85 RU) von Sportbooten ohne Voranmeldung benutzt werden. Man zahlt 1,50 Euro pro Stunde am Tag und 7,50 Euro pro Nacht in eine Metallbox. Vom Ponton bis zum Stift läuft man etwa 15 Minuten.

Sollten die Plätze der „Do­naustationen“ belegt sein, bleibt nur ein Gastplatz im Sportboothafen von Emmersdorf (km 2037,2 LU). Der Weg zum Stift ist dann allerdings weit: Zehn Minuten bis zur Busstation und dann noch
15 Minuten Busfahrt.

Vier Kilometer unterhalb von Melk der nächste Hingucker: Schloss Schönbühel, das auf schroffem Fels markant aus der hier nur noch gut 200 m breiten Donau ragt. Im Fluss zwei betonnte Felsen dicht neben dem Fahrwasser. Der Wasserabriss an der Tonne macht uns sichtbar, dass die Donau hier richtig Speed hat: 8 bis 10 km/h Strom messen wir in der Wachau zwischen Melk und Krems.

34 Kilometer Wachau, 34 Donaukilometer, die es in sich haben! Nicht nur wegen der Strömung. Die Donau führt hier durch eine  faszinierend schöne Landschaft, gespickt mit Burgen, Schlössern und Ruinen, herrlichen Dörfern und Städten und stets begleitet von Weinbergen und Obstplantagen, die viel zum Ruf der Wa­chau beigetragen haben: Ein Wachauer Marillenbrand ist ­eine Köstlichkeit, und am ­„Pfeffer“ des Grünen Veltliner kommt man ebenso wenig vorbei wie an der fruchtigen Frische der Wachauer Rieslinge. Da muss man sich beim „Heurigen“ durch­probieren, vom „Federspiel“ bis zum „Smaragd“. Und wo könnte mandas besser als im Zentrum
des Wachauer Weinanbaus ­zwischen Spitz, Wösendorf, Joching und Weißenkirchen?

Der kleine Sportboothafen des WSC Spitz (km 2018,2 LU) ist unsere erste „Verkostungsstation“ (Wasser, Strom, sehr schöne Sanitäranlagen im Clubhaus). Gut zehn Minuten geht man vom Hafen ins Dorf. Und irgendwo ist immer „ausgesteckt“, und man probiert sich durch die „Heurigen“. Wenn man dann beim Heurigen auch noch einen Winzer aus der Nachbargemeinde Wösendorf kennenlernt, ist der abendliche Autotransfer vom Hafen nach Wösendorf ge­sichert und eine weitere Ver­kostung auf dem Weingut auch.

Dass Wösendorf mit dem ­„Florianihof“ ein exqui­sites Res­taurant mit „verfeinerter ­regionaler Küche und „Weine der besten Winzer der Wachau“ zu bieten hat, ist dann nur noch das i-Tüpfelchen (www.florianihof-wachau.at).
Dichter an Wösendorf liegt man im Sportboothafen Jo-ching, und so ist unsere nächs­te „Tagesetappe“ eigentlich nur ein Verholmanöver: 4 km von Spitz nach Joching, wo wir beim WSC Weißenkirchen zu Gast sind. Der Landgang gilt zunächst dem wunderschönen Weißenkirchen, wo wir vor dem Heurigen hoch in die Weinberge steigen und den herrlichen Blick über den Ort in das Donautal genießen.

Das nette Gutshof-Restaurant „Prandtauer Hof“ des Weinguts Holzapfel in Weißenkirchen- Joching (www.holzapfel.at) ­lässt uns das Füllhorn der Wachau aus Küche und Keller ein weiteres Mal kosten.
In Dürnstein gibt die Wachau nochmals  Vollgas: Hoch über der Donau die Burg­ruine Dürnstein, darunter, zwischen Hang und Donauufer eingepresst, die Stadt, dominiert vom hellblauen Kirchturm des barocken Augustinerstiftes. Man kann sich kaum satt sehen. Bootstouristen können vor Dürnstein am sehr ­unruhigen Ponton 22 der ­Donaustationen festmachen (km 2008,02 LU) oder auf der anderen Donauseite am kurzen Gaststeg im Bootshafen Rossatzbach (km 2008,1 RU). Von hier geht eine Fähre nach Dürnstein.

Aber die Wachau wird nicht müde, noch ein letztes Highlight zu präsentieren: die ­Doppelstadt Krems-Stein. Im geräumigen Sportboothafen bieten der Motor Yacht Club Wachau und der Wassersportverein Krems  Gastliegeplätze mit Wasser, Strom und Sanitär. Von hier sind es rund 15 Minuten Fußweg zur sehenswerten Altstadt mit ihren engen Gassen und historischen Gebäuden. Als „mittelalterliche Märchenstadt“ gilt sie vielen und wurde im Jahr 2000 gemeinsam mit der Wachau zum UNESCO- Weltkulturerbe gekürt. Was heißt: Wer andernorts in der Wachau nicht schon zu viel Zeit gelassen hat, sollte auch in Krems Station machen.

„Als wollte sie sich und dem Reisenden nach den vielen kulturhistorischen Windungen der Wachau eine Ruhepause gönnen, weitet sich das Tal der ­Donau im Tullner Becken zu einer Auenlandschaft mit nur wenigen kleinen Ortschaften ...“, heißt es im Dumont Reise­taschenbuch „Donau“. Zu Deutsch: Die Donau wird breit, träge und auch optisch ein wenig langweilig. Das beginnt unmittelbar unterhalb von Krems. Die Strömung ist auf maximal 3 bis 4 km/h reduziert, und zu sehen gibt es viel Wasser und sattes Ufergrün – sonst nichts.
An der Schleuse Altenwörth (Donau-km 1980,4) müssen wir 30 Minuten auf ein Motorschiff und einen gewaltigen Schubverband warten, bevor wir einlaufen dürfen.

Aber es gibt keinen Festmacher mehr für uns. Ich rufe den Schleusenwärter per Funk: „Wo sollen wir denn festmachen?“ „Geht am Schuber (‚Meister 3‘) längsseits.“ Gesagt, getan. Beim Auslaufen lassen wir uns im Längsseits-Schlepp vom Schuber bis in den unteren Vorhafen bug–sieren, bevor wir hart Steuerbord Reißaus vor seinem Schraubenwasser nehmen. Das heißeste Manöver des Tages.

Wir müssen Lebensmittel bunkern, und Tulln erscheint uns dafür der richtige Ort. Also machen wir am Gaststeg des Yachthafens fest (Donau-km 1962,5 LU). Vom Yachthafen bis zum Hauptplatz läuft man rund 20 Minuten. Bepackt kehren wir zum Boot zurück. Besonders attraktiv erscheint uns Tulln nicht, aber vielleicht sind wir in der Wachau auch zu sehr verwöhnt worden.Von Tulln bis Wien ändert sich das Antlitz der Donau kaum: immer noch breit, immer noch behäbig, immer noch wenig spektakulär

Die Schleuse Greifenstein unterbricht die Monotonie der Fahrt ebenso wie kurze Fotorunden in den Yachthäfen Muckendorf (km 1955,6 RU), Greifenstein (km 1951,4 RU), Korneuburg (km1943,0 LU) und Donau-Raststätte Kahlenbergerdorf (km 1935,3). Unser Ziel aber ist die Marina Wien (Donau-km 1926,5), in der wir nach dem Tanken am Gaststeg festmachen. Eine perfekte Anlage mit tollem Service, aber einem entschiedenen „Webfehler“: Vom Gästesteg im Westbecken bis zu den Sanitäranlagen im Hafengebäude sind es sage und schreibe 850 m! Man muss nämlich das Hafenbecken komplett umrunden, um dorthin zu gelangen. Im Hafengebäude befindet sich auch die Rezeption, ein Nautic-Shop und das außergewöhnlich gute Restaurant! Topqualität zu zivilen Preisen. Das wissen auch die Wiener, und man ist gut beraten, rechtzeitig einen Tisch zu bestellen.

Bei der Anmeldung von Boot und Crew gibt es in der Rezeption eine Info-Mappe, die Antwort auf alle wichtigen Fragen gibt: Verbindung ins Zentrum von Wien, Supermarkt, Bäcker usw. – perfekt gemacht! In einigen Donauberichten ist zu lesen, Marina Wien sei völlig überteuert. Wir zahlten für „Troll“ 18 Euro inklusive Wasser, Strom und Duschen. Damit ist Marina Wien zwar teurer als die meisten Club­häfen an der österreichischen Donau (10 bis 15 Euro), aber dafür ist die Anlage auch in einem hervorragenden Zustand, was nicht für alle Häfen  zutrifft.


Dass Wien als europäische Kulturmetropole ersten Ranges jede Menge Zeit verschlingen kann, muss hier wohl nicht weiter erläutert werden. Wien – Bratislava: 61 Donaukilometer und eine Schleuse – Freudenau. Die lässt uns eine halbe Stunde warten, bevor es dann neben einem Schuber nach unten geht. An den Schwimmpoller kommen wir wegen der Leichter nicht ran. Aber es geht auch an der hintersten Leiter ohne Probleme abwärts.
Unterhalb der Schleuse Freudenau nimmt die Donau wieder richtig Fahrt auf. Zwischen 8 und 10 km/h Strom lassen uns mit mehr als 20 km/h über Grund auf die österreichisch-slowakische Grenze „zurasen“. Es geht vorbei an endlosen ­Donau-Auen. Richtig spannend ist das nicht!

Wir passieren Hainburg, die östlichste Stadt Österreichs, und haben wenig später den slowakischen Devin-Felsen vor uns, auf dem eine Burgruine thront.  Am Fuß des Devin-Felsens mündet die March in die Donau, die ab hier für die nächs­ten sieben Kilometer Grenzfluss zwischen Österreich und der Slowakei ist. Seit dem Beitritt der Slowakei zum Schengener Abkommen im Dezember 2007 sind Grenzkontrollen endgültig „Schnee von gestern“. Wir tauschen die österreichische gegen die slowakische Gastlandflagge.

Bei Donau-km 1873 wird die Donau komplett slowakisch, und wir sind bereits am Stadtrand von Bratislava. Wenig später genießen wir den erhabenen Blick auf die Burg, die ma­jestätisch hoch über der Donau liegt. Ein Blickfang ist auch die moderne Donaubrücke mit dem „UFO-Restaurant“ in der Spitze des Brückenpfeilers.

Kurz darauf machen wir bei einer Donau-Institution fest: „Milan’s Treff“, ein Yacht-Ponton in einem Hafenbecken am südöstlichen Stadtrand von Bratislava (Zufahrt Donau-km 1864,8 LU). Auf dem Ponton ein Haus mit Restaurant und einfachen Sanitäreinrichtungen, davor Fingerstege für die Boote mit Wasser und Strom. Nicht der Ponton macht das Besondere, sondern seine Betreiber: Milan Bokol und seine Frau Lydia sind bezaubernde Gastgeber, bekochen am Abend  die anwesenden Crews. Die sind auf dem Ponton längst dicht zusammengerückt und spüren, dass es die Donau ist, die sie hier zusammengeführt hat, und deren Bann sie sich nicht mehr entziehen können.


Wir lernen András aus Köln kennen, einen Deutschen ungarischer Herkunft, der mit seinem 8-m-Segelboot „Jonathan“ allein auf dem Weg nach Istanbul ist, ebenso wie Skipper Wolfgang und Bootsmann Toni aus Frankfurt mit ihrer 14-m-Segelyacht „Trear“. Und das bayerische Paar Erna und Gerhard, das schon zum wiederholten Mal den Bootsurlaub an und auf Milan’s Ponton verbringt.

Am nächsten Morgen drückt uns Milan 900 slowakische Kronen (rund 30 Euro) in die Hand: „Braucht ihr für Taxi und falls ihr in der Stadt was kaufen wollt. Rechnen wir später ab.“ Wenn Milan das Taxi ruft, kos­tet es bis ins Zentrum 300 Kronen (etwa 10 Euro). Es ist sinnvoll, mit demselben Fahrer auch die Rückfahrt klarzumachen!  Ein Tagesbummel durch die wunderschöne Altstadt von Bratislava ist ein absolutes Muss! Die ganze Pracht der österreich-ungarischen Monarchie ist hier kunstvoll auf kleins­tem Raum versammelt.

Gemeinsam mit „Jonathan“ und „Trear“ nehmen wir den Stausee von Gabcikovo in Angriff, der 10 km unterhalb von Bratislava beginnt, und von dem die reinsten Horrorgeschichten zu lesen sind. Sicher ist, dass es auf dem rund 10 km langen Stausee und dem an­schließenden Schleusenkanal, der sich von anfangs 800 m Breite Richtung Schleuse Gabcikovo auf 500 m Breite verjüngt, bei westlichen Winden sehr ruppig werden kann.

ist durch Steinaufschüttungen „betonnt“, die auf der Spitze Lichtzeichen tragen. Im südlichen Teil des Stausees ragen abgestorbene Baumstämme wie Gerippe bizarr aus dem Wasser: Endzeitstimmung! Bei der Schleuse Gabcikovo melden wir uns in deutscher Sprache an: „Wenn ihr schnell macht, wäre das gut“, antwortet der Schleusenwärter in einwandfreiem Deutsch. Wir beeilen uns, denn in der Schleuse wartet schon das im Linienverkehr zwischen Wien und Budapest verkehrende Tragflügelboot. Ob man in Deutschland wohl auch gut zehn Minuten auf drei Sportboote warten würde, wenn eine nach Fahrplan fahrende Schnellfähre schleusen will? Wohl kaum!

Acht Kilometer im langweiligen Schleusenkanal im Unterwasser, dann hat uns die „wahre Donau“ wieder. Und schön ist sie jetzt, mit ihren weißen Stränden und Sandbänken vor nicht enden wollenden grünen Au-Ufern, ganz ursprüngliche Fluss­landschaft und Grenzfluss zwischen Ungarn und der Slowakei.

Ein langer Fahrtag, denn zwischen Bratislava und Komárno liegen 100 km ohne jeden Hafen. Komárno liegt am slowakischen Donauufer, Komárom gegenüber, am ungarischen. Wir laufen in den Industriehafen von Komárno ein (Donau-km 1767,2 LU), denn an dessen äußerstem Ende befindet sich am Südufer gegenüber einer großen Werft ein solider und recht neuer Schwimmsteg mit einem gastlichen Hafenhäus­chen: Die „Miro Marina“. Wasser, Strom, Duschen, WC sind im Liegegeld von 400 slowakischen Kronen (rund 13 Euro) inbegriffen.

Am Abend zaubert uns die Truppe von Miro, ein freundlicher Bursche übrigens, Fischsuppe und anschließend Bratfisch. Inklusive „Rizling“ aus der Slowakei zahlen wir gut 20 Euro für Essen und Trinken. Ein Supermarkt ist rund 600 m vom Hafen entfernt. Zum Ortszentrum ist es uns zu weit.

Abschied von Miro: 50 Donaukilometer von Komárno nach Esztergom liegen vor uns. Das Bild der Donau ändert
sich gegenüber dem Vortag zunächst nicht. Aber voraus, am östlichen Horizont, werden Hügel sichtbar, die ersten, seit wir die Wachau in Krems verlassen haben. Bei Donau-km 1753 erscheinen die ersten sanften Erhebungen am rechten, also ungarischen Donauufer neben uns. Erinnern die Hügel an die Wachau? Nicht wirklich, denn es fehlt der Wein. Dafür aber hat die Donau hier perlweiße Strände, die man in der Wachau vergeblich sucht. Dann die Kuppel der Basilika von Esztergom voraus. Wir steuern den kleinen „Yacht­hafen“ von Esztergom an. Tatsächlich ist es ein rund 150 m langer Steg in der schmalen Mündung der Kis-Duna (Kleine Donau).

Ein ruhiges Plätzchen quasi unterhalb der Basilika und nur wenige hundert Meter vom Zentrum derStadt entfernt. SY „Trear“ passt hier nicht rein und muss draußen im Strom ankern. Für Wasser, Strom und Duschen zahlen wir bei Hafenbetreiber Attila 4500 Forint (damals 18 Euro).Nicht billig,aber Attilas Hilfsbereitschaft rund um die drei Boote samt ihren Crews und deren Wünschen ist allemal mehr wert! Am Abend genießen wir in einem typisch ungarischen Gasthaus (Knoblauch- und Paprikagebinde über der  Eingangstür!) die Dolmetscherkünste von András.

Ein kräftiger West-Nordwest schiebt uns dem Donauknie bei Schwimmsteg in einem Hafenbecken,
das tief in die Hajógyári-Insel schneidet. Der Service ist gut: Tankstelle mit allen Kraftstoffarten,dort
auch Trinkwasser, Strom am Steg, Sanitärcontainer, Clubschiff mit Terrasse und Restaurant, Waschmaschine, Kran, Werkstatt. Die Gebühren sind hoch (wie in Szentendre), und man liegt laut: Im vorderen Teil wegen des Verkehrslärms (Straßenbahn!), der von der Arpád-Brücke quasi direkt ins Boot fällt, im hinteren Teil wegen
einer Disco, die nicht nur am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden die Bässe übers Wasser dröhnen
lässt.

Vielleicht ist es deshalb gut,dass die Wiking Marina voraussichtlich 2010 vom jetzigen Standort verlegt und rund drei Kilometer weiter stromauf (km 1654,8 LU) neu entstehen wird. Doch das ist Zukunftsmusik. Noch fährt man  von der Station Arpád Hid, die 800 m vom Hafen entfernt ist,mit der Vorortbahn in die City, wo man am Bathyány-Ter (Ter = Platz) in die legendäre Budapester U-Bahn umsteigen kann. Und wenn man dann zum
ersten Mal das ungarische Parlament am Donauufer sieht, wird einem bewusst, dass man nach Wien die zweite große europäische Kulturmetropole dieser Etappe erreicht hat.

Und auch diese großartige Stadt braucht Zeit – viel Zeit sogar, selbst wenn man nur das Wichtigste gesehen  haben will. wir in strömendem Regen. Das nahe „Künstlerstädtchen“ ist völlig ausgestorben.Leere Gassen, leere Restaurants davon jede Menge) und die barocke Altstadt in tristem Grau:Dekadenz mit Charme.Wie das wohl bei trockenem Wetter aussieht? Am nächsten Morgen können wir unsere Neugier befriedigen.


Was für ein Schock! In jedem zweiten Haus wird Airport-Art und zweifelhaftes Kunsthandwerk vor die Türen  geschoben, und die ersten Busse haben ihre altersschwächelnden Touristen auf die „Künstlerstadt“ losgelassen.
Statt Barockfassaden auf Puszta getrimmte Folklore. Schnell weg aus diesem Trubel. Im Hafenbüro des Wiking-
Yachtclub Szentendre die nächste Überraschung: Unsere Liegegebühren bewegen sich auf neuem Rekordniveau: 5700 HUF (23 Euro), kostet hier die Übernachtung mit einem 8-m- Boot.Dafür gibt es zwar Strom am Steg, aber nur eine einzige Trinkwasserzapfstelle am Ponton mit dem Hafenhäuschen.

Die letzten 20 km unseres Törns: 10 auf dem Nebenarm und 10 auf der sich an der Stadtgrenze von Budapest wieder vereinigenden Donau. Unmittelbar unterhalb der Arpád Hid (Hid = Brücke) geht es hart steuerbords in die Wiking Marina Budapest (km 1651,4 RU): ein über 400 m langer Viségrad entgegen, wo die Donau von ihrem Ost- auf Südkurs wechselt.Wo sie sich aber auch in den östlichen Hauptund den etwas westlicher verlaufenden
Nebenarm,die Szentendre-Donau, spaltet.

Unsere Flottille löst sich auf: „Jonathan“ und „Trear“ folgen dem Hauptarm,wir dem verlockenden Ruf des „hübschen Künstlerstädtchens“ Szentendre, das diesem Nebenarm den Namen gab. Ein sehr uriges Gewässer,
nicht kilometriert, aber hinreichend betonnt. Den Steg des Wiking-Yachtclub Szentendre (Szentendrei-Duna km 10,5 RU) erreichen.

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

Tanken km 2112,00 RU Enns Industriehafen. Bunkerservice Rutjes. Diesel + Super. 1.4. bis 31.10. täglich 8 bis 19 Uhr. Telefon: 0043-650-55 44 722.  km 2082,70 RU Ardagger Freizeithafen. Diesel + Super. 1.4. bis 31.10. täglich durchgehend. Telefonische Anmeldung erbeten. Telefon: 0043- 664-41 37 931. km 2004,00 LU Stein. Elektro Hoch Krems. Diesel + Super. 1.5. bis 31.10. Mo bis Fr 17 bis 18 Uhr; Sa, So, feiertags 10 bis 12 und 16 bis 18 Uhr. ­Telefon: 0043-2732-83 183. km 1962,20 RU Tulln Yachthafen. Benzin + Super. 1.4. bis 31.10. Mo bis Fr 8 bis 12 und 13 bis 18 Uhr; Sa und So 8 bis 19 Uhr. 0043-2272-62 656. 1951,30 RU Wördern, Yachtclub Donau. Diesel + Super. Öffnungszeiten auf Anfrage. Tel.: 0043-2242-32 524. 1935,30 RU Wien-Kuchelau, Donau-Raststätte Kahlenberger Dorf. Diesel + Super. 1.4. bis 30.4. und 1.10. bis 31.10 tägl. 8 bis 12 und 13 bis 18 Uhr; 1.5. bis 30.9. tägl. 8 bis 12 und 13 bis 19 Uhr. Telefon: 0043-1-37 01 658. km 1926,30 RU Wien, Marina. Diesel, Benzin, Super. 1.4. bis 31.10. täglich 9 bis 19 Uhr. Telefon: 0043-1- 72 60 762. km 1864,8 LU Bratislava, Milan’s Treff. Milan Bokol ist bei der Kraftstoffversorgung per Kanis­ter behilflich. km 1651,40 RU Budapest, Wiking Marina. Diesel + Super. Öffnungszeiten auf Anfrage

Jürgen Straßburger am 21.01.2009