Titel Masuren
Europaweit

Polen: Masurische Seen

Christian Tiedt am 31.07.2009

Die Farben des Himmels: Mit dem Charterboot auf Sommertörn über die Seen und Kanäle im stillen Nordosten Polens und den masurischen Seen.

Folgende Geschichte erzählt man noch immer in Masuren, mit einem typisch-polnischen Augenzwinkern, versteht sich: Irgendwann in den Siebzigerjahren besuchte ein hoher Würdenträger aus Warschau die nordöstliche Ecke seines Landes. Bei einer Bootstour über die Seen zwischen Mikolajki und Gizycko ließ er sich über die Schönheit der Landschaft aus, die – fast, allerdings nur fast – so schön sei wie seine eigene Heimatregion.

Besonders die Farbenpracht des Abendhimmels hatte es ihm angetan, der sich in der Oberfläche der stillen Seen spiegelte.

Als Gott Masuren erschaffen habe, habe er alle Farben verwandt, die ihm zur Verfügung standen, lautete die Erklärung.

Über so viel Volksfrömmelei konnte der stramm-sozialistische Gast jedoch nur seine dick bebrillte Nase rümpfen. Erbost fragte er, wie es bei so viel göttlicher Gnade dann wohl anginge, dass die Häuser der Menschen selbst so grau seien?

„Diese Farben mussten wir bereits abkratzen und verkaufen, lieber Genosse“, kam es unerkannt aus der Menge der Begleiter zurück. „Leider in den Westen – unsere Staatsführung braucht Devisen!“

Am Lagerfeuer von Zielony Gaj hören wir die Geschichte, von Edward, einem Deutschlehrer, der mit seiner Schulklasse in dieser Woche ebenso wie wir auf den Masurischen Seen unterwegs ist.

Christian Tiedt am 31.07.2009