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Polen: Oberländischer Kanal

Bodo Müller am 04.09.2011

Der Oberländische Kanal ist die einzige Wasserstraße der Welt, wo Schiffe mit Wasserkraft über Land gezogen werden. Entdeckungstörn mit Charterboot.

Oberländischer Kanal

Fotoimpressionen vom Oberländischen Kanal.

Wie von Geisterhand gesteuert rollt vor uns eine unbemannte überdimensionale Eisenbahnlore auf Schienen ins Wasser und verschwindet leise gurgelnd auf dem Grund des Kanals. Nur das stählerne Skelett des Wagens ragt noch aus dem Wasser. Wir steuern unser Boot über die Lore und binden es daran fest.

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Mit einem eisernen Hammer schlagen wir auf ein an der Lore hängendes Stück Stahl. Das akustische Signal ist weit zu hören. Plötzlich stürzen neben uns Wassermassen aus einem Umfluter seitlich in den Kanal. Die Eisenbahnlore unter uns vibriert kurz, dann ein Rucken – und völlig geräuschlos rollt sie bergauf. Unser noch schwimmendes Boot nimmt sie dabei mit. Das Wasser bleibt zurück. Unser Kiel setzt auf die Lore auf. Jetzt lässt sich nichts mehr korrigieren.

Oberländischer Kanal

Fotoimpressionen vom Oberländischen Kanal.

Ohne dass ein Mensch zu sehen ist, fahren wir mit unserem Schiff auf Schienen mehrere hundert Meter auf einer grünen Wiese bergauf. Die Lore überwindet eine Bergkuppe. Hier sehen wir endlich den „Schleusenwärter“, der freundlich grüßend die Hand an die Uniformmütze legt. In der anderen Hand hält er eine UKW-Handfunke, um im Notfall dem Maschinisten einen Befehl übermitteln zu können.

Der Maschinist hat keinen Blickkontakt zum Schiffsverkehr auf den Schienen. Er bedient in einer großen Maschinenhalle, die seitlich vom Kanal und unter dem Niveau des Oberwassers steht, das Herz der Anlage. Er lenkt Wasser auf ein Schaufelrad mit einem Durchmesser von acht Metern. Von der Wasserkraft werden über ein Stahlseil zwei Loren angetrieben, die im Pendelverkehr die Schiffe transportieren.

Oberländischer Kanal

Fotoimpressionen vom Oberländischen Kanal.

Wir verlassen die obere der insgesamt fünf Bootsrutschen, die unser Schiffchen auf eine Höhe von 99,50 m über Meeresspiegel gebracht hat. Südlich vor uns liegt das zusammenhängend schiffbare Gebiet der Oberländischen Seen. Ziel unseres Tages ist die 37,2 km weiter südlich gelegene Kleinstadt Miłomłyn (Liebemühl), wo sich das Wasserstraßensystem nach Südosten beziehungsweise Südwesten gabelt.

Mit unserem Charterboot „Haber 33 Reporter“ haben wir den Kanal für uns allein. Hohes Schilf säumt die Ufer. Darin brüten Möwen, Schwäne und Reiher. Zwischen hohen Pappeln und knorrigen Weiden, die ihr frisches Maigrün entfaltet haben, schimmern gelbe Rapsfelder hindurch. Es riecht nach Frühling.

Gelegentlich sieht man am Ufer ein altes Bauerngehöft aus roten Klinkern, auf dessen First der Adebar nistet, oder einen Kirchturm in nordischer Backsteinarchitektur. Eine stille Landschaft mit intakter Natur, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Wir schippern am östlichen Ende der EU, und doch scheint das moderne Europa weit, weit entfernt.

Immer wieder öffnet sich der Kanal zu langen und schmalen Seen. Der größte auf dieser Strecke ist der Jezioro Ruda Woda (Röthloff See), der 12,1 km Länge misst und ein natürlicher Teil des Kanalsystems ist. Die hügeligen Ufer sind bewaldet. Alte Gutshäuser und kleine Dörfer zeugen davon, dass dieses Land seit Generationen bewirtschaftet wird. Auf den Seen sind wir völlig allein. Wenn hier Ende Mai die Sonne durchbricht, wird es so warm, dass man im T-Shirt fahren kann. Und die klaren Seen laden zum Baden ein.

Nach einem langen Tag erreichen wir um 21.15 Uhr Miłomłyn (Liebemühl) und machen vor der längst geschlossenen Schleuse fest. Hier gabelt sich der Oberländische Kanal, wir haben einen touristisch erschlossenen Ort erwartet. Doch nichts dergleichen. Die Kleinstadt ist völlig verschlafen.

Alle Läden haben bereits zu. Und wir finden kein Lokal, wo man essen gehen kann. Wir haben noch nichts eingekauft und können nicht einmal an Bord kochen. Rat suchend rufen wir den Vercharterer an. Der kennt sich zum Glück aus. Nach fünf Minuten meldet er sich zurück und sagt, dass wir zum jenseitigen Ortsausgang laufen sollen, dort würde man im Hotel Miłomłyn auf uns warten.

Um 22.10 Uhr treffen wir dort ein – gleichzeitig mit dem Koch, den man wieder von zu Hause geholt hat. Er zaubert für uns ein leckeres Zanderfilet mit frischen Kartoffeln und Wald­pfifferlingen. Inklusive Getränke zahlen wir pro Person 40 Złoty (etwa 10 Euro).

Morgens kaufen wir in einem Sklep (Mini-Markt) unweit der Schleuse ein und füllen den Kühlschrank. Dann stehen wir vor der Entscheidung: nach Südosten in Richtung Ostróda (Osterode) oder Südwesten nach Iława (Deutsch Eylau). Wir entscheiden uns für Ostróda und wollen Iława auf dem Rückweg mitnehmen.

Mittags laufen wir in die Schleuse Miłomłyn ein. Der Schleusenwärter bedient Schotten und Tore per Hand und lässt sich dabei von seiner Enkelin helfen. Er sagt, dass dies ein anstrengender Tag für ihn sei. Heute müsse er zwei Schiffe schleusen. Unser Charterboot sei das erste.

Eine Stunde später kommen wir an der wunderschön im Wald gelegenen Schleuse Zielona an. Auch hier sind wir das einzige Boot weit und breit. Kurz nach 16 Uhr erreichen wir die Stadt Ostróda, die am Jezero Drweckie (Drewenz See) liegt. Es gibt eine viel besuchte Promenade mit Geschäften und Lokalen, einen Wasserski-Lift und eine Anlegestelle für die „Weiße Flotte“ – doch leider keinen Bootsanleger. An der befestigten Promenade ist es zu flach. Wir legen uns an den Schwimmponton der „Weißen Flotte“. In der Eisdiele dahinter erklärt man uns freundlich, dass wir zwei Stunden bleiben können, abends würde ein Fahrgastschiff aber diesen Liegeplatz beanspruchen.

Nach einem Rundgang samt Einkauf durch die Stadt sehen wir um 18 Uhr das Fahrgastschiff kommen. Wir legen ab und erreichen eine Stunde später die nördlichste Spitze des Jezero Drweckie. Ein massiver Holzsteg und ein Restaurant dahinter laden zum Anlegen ein. Der Ort heißt Piławki (Pillauken). Besitzer Jurek Rutkowski begrüßt uns freundlich und sagt, dass wir gern auch Strom und Wasser nehmen können. Für Restaurantgäste ist das umsonst. Jurek hat 2004 das ehemalige Parteigrundstück mit Restaurant, Bungalows, Zeltplatz und Bootsanleger gekauft und ist gerade dabei, es zu ­modernisieren.

In seinem rustikal eingerichteten Lokal sind wir die einzigen Gäste. Er serviert uns als Vorspeise russische Piroggen, also gefüllte Fleischtaschen aus Nudelteig, und als Hauptgericht Koteletts mit Schmorkohl und Salzkartoffeln. Alles schmeckt lecker und kostet pro Person knapp 10 Euro. Jurek wünscht sich, dass sein Lokal unter Bootstouristen bekannt wird und freut sich, dass nun endlich auch in seiner Region Charterboote unterwegs sind.

Er bietet uns an, dass wir auf der Wiese vor dem Bootsliegeplatz ein Lagerfeuer machen können, er würde uns dazu Bier aus dem Lokal bringen. Doch leider fängt es an zu nieseln, und wir ziehen uns zurück an Bord. Morgens deckt er den Tisch auf dem Steg und serviert uns ein reichhaltiges Frühstück für 10 Złoty (2,50 Euro) pro Person.

Wir fahren weiter ostwärts und passieren die Schleusen Ostróda (Osterode) und Mała Ruś (Klein Reusen), beide sind so schmal, dass das Boot nur ohne Fender hineinpasst. Der von hohen Bäumen überdachte Kanal endet im Jezioro Szelag Wielki (Großer Schilling See). Wir überqueren den See in Richtung Südosten. Durch einen alten, aus Klinkern gemauerten Schiffstunnel gelangen wir auf den Jezioro Szelag Mali (Kleiner Schilling See), an dessen östlichem Punkt die Schiffbarkeit endet.

Auf Empfehlung des Vercharterers legen wir in Stare Jabłonki (Altfinken) am Steg unterhalb des Hotels „Anders“ an. Eine Holztreppe führt durch einen parkartigen Garten bergauf zum Vier-Sterne-Hotel. Die meisten Gäste kommen mit Bussen aus dem Ausland. Wir sind die einzigen, die per Boot angereist sind. Wie den anderen Hotelgästen, steht uns das sensationelle Abendbuffet offen, und wir bekommen eine Vorstellung davon, wie reichhaltig osteuropäische Küche sein kann. Einen Abend lang schlemmen wir uns durch und fürchten eine üppige Rechnung. Wir werden enttäuscht: Für zwei Personen zahlen wir für diverse Hauptgerichte, Vor- und Nachspeisen inklusive einem guten Wein ganze 48 Euro. Bootsliegeplatz inklusive.

Vom östlichsten Punkt der Oberländischen Seen steuern wir zum westlichen Ende des Kanalsystems. Die Reise führt zurück zu dem uns bereits bekannten Ort Miłomłyn. An der dortigen Wasserstraßengabelung biegen wir diesmal nach Westen ab und setzen unsere Reise auf dem Kanal Iławski (Eylauer Kanal) fort. Unser Ziel ist die Stadt Iława (Deutsch Eylau). Doch die Strecke ist zu lang, um sie bis zum Abend zu schaffen. Kurz vor Sonnenuntergang entdecken wir am Südufer des Kanal Iławski bei km 6,8 ein abgelegenes Bauernhaus mit Bootsanleger.

Als wir festmachen, begrüßen uns drei kläffende Hunde. Der Hausherr kommt zum Anleger, ruft die Hunde zurück und sagt uns freundlich, dass wir gern über Nacht bleiben können. Es ist absolut einsam hier, kein Ort in der Nähe, auf den Wiesen neben dem Kanal staksen Störche, dahinter beginnen Laubwälder.

Morgens setzen wir die Reise durch die malerisch schöne Landschaft fort. Erst auf dem Jezioro Jeziorak (Geserich See), dem größten Gewässer der Region, ändert sich das Bild. Im Süden des Sees liegt Iława. Nördlich der Stadt haben neureiche Polen am östlichen Seeufer ihre Villen gebaut. Da­zwischen Steganlagen von Yachtclubs und Segelboot-Vercharterern.

In Deutsch Eylau existiert die einzige Bootstankstelle, wo wir vorsorglich nachbunkern. Weil es hier so viele Bootshäfen gibt, suchen wir uns den schönsten aus und machen im „Pod Omega“ fest. Zum ­Familienunternehmen gehören neben der Marina und dem Restaurant auch eine kleine Werft mit allem Service rund ums Boot.

Das alte Zentrum von Deutsch Eylau erreicht man von der Marina in einer Viertelstunde zu Fuß. Sehenswert ist unter anderem die um 1320 vom Deutschen Orden errichtete St. Nikolaus Kirche. Wir sind angenehm überrascht, dass man die deutsche Vergangenheit der Stadt nicht totschweigt oder gar leugnet (wie einst im sozialistischen Polen), sondern die Erinnerung daran wach hält. Am Rathaus hängt sogar neben dem Eingang zur Stadtverwaltung unübersehbar das Schild der „Gesellschaft der Deutschen Minderheit Dt. Eylau“. Viele Deutsche verbringen hier ihre Ferien, einige haben sich auch dauerhaft niedergelassen.

Zehn Kilometer westlich von Deutsch Eylau liegt das ehemalige Schloss Schönberg, der Ort heißt heute Szymbark. Die mächtige Burganlage aus dem 14. Jahrhundert gehörte einst dem pomesaner Domkapitel, seit 1699 ist sie im Besitz der Familie Finck von Finckenstein. Als im Winter 1945 die Rote Armee anrückte, flohen die Finckensteins gen Westen. Nur ihr vertrauter Förster blieb zurück und vergrub im Schlosspark mehrere Truhen mit Silber. Die Sowjets fackelten nicht lange, erschossen den Förster und steckten die ganze Anlage in Brand.

Der jetzige Bewohner der Burgruine ist ein kauziger ukrainischer Kriegsveteran mit seinem Deutschen Schäferhund. Er zeigt uns die gigantisch große Burg beziehungsweise das, was davon übrig geblieben ist, und erzählt in russisch-polnischem Kauderwelsch mit viel „Bum-bum“ von den letzten Kriegstagen um Schloss Schönberg.

Wir verabschieden uns von Deutsch Eylau und dem gastfreundlichen Yachthafen „Kod Omega“, weil die Zeit zur Rückreise gen Danzig drängt. Als Gastlieger zahlen wir – inklusive allem Service – 6 Złoty (1,50 Euro) pro Nacht und steuern nachmittags auf dem Geserich See nach Norden. In Siemiany (Schwalgendorf), am Westufer des Sees, übernachten wir am Anleger „Kurka Wodna“, der zum Restaurant gleichen Namens mit angeschlossenem Supermarkt gehört.

Morgens legen wir um 6.30 Uhr ab, weil wir eine weite Rückreise vor uns haben. Gegen 14.30 Uhr erreichen wir die oberste Kanal-Rutsche – schon fast zu knapp, um alle fünf Rutschen in einem Stück zu schaffen. Als wir die vorletzte Rutsche passiert haben, ist es gleich 17 Uhr, eigentlich hat das Schleusenpersonal jetzt Feierabend. Wir fragen höflich und geben einen kleinen Obulus zum Schmieren der Lore. Die Schleuser sind freundlich und fahren die letzte Lore unter unseren Kiel. Um 17.25 Uhr haben wir auch die unterste der fünf Rutschen passiert.

Um 20 Uhr erreichen wir die Stadt Elbląg (Elbing), die schon fast am Frischen Haff liegt. Wir bleiben eine Nacht im Yachtclub Wodnik. Morgens biegen wir in Elbląg nach Westen in den Kanal Jagiellonski ein, der uns zum Fluss Nogat führt. Stromabwärts fahren wir auf dem Fluss bis zur Mündung ins Frische Haff. Herber Seewind weht uns um die Nase. Nach einem kurzen Blick auf die große, weite Wasserfläche biegen wir gleich wieder links ab und steuern in die Szkarpawa (Elbinger Weichsel) hinein, die uns weiter nach Westen führt.

Eigentlich war unser Plan, über die Szkarpawa bis zur Weichsel zu fahren, den Hauptstrom zu überqueren und dann über die Martwa Wisła (Tote Weichsel) das Boot zurück zur Charterbasis in Danzig zu bringen. Doch die Weichsel führt Hochwasser und ist zu einem schwer befahrbaren Strom geworden. Auf Anraten des Vercharterers geben wir das Boot beim Fischer in Rybina (Fischerbabke) ab.

Fischer Mirosław Narloch wohnt in einem kleinen Haus direkt an der Klappbrücke von Rybina, deren Brückenwart er außerdem ist. Als er uns kommen sieht, ist seine vielköpfige Großfamilie schon rund um den Anleger versammelt, deckt den Tisch ein und legt Würste auf den Grill. Zwei seiner Kinder sind dieses Wochenende auf Heimatbesuch aus England gekommen. Dort verdienen sie als Handwerker ein Vielfaches von dem, was man im Weichsel-Werder bekommen könnte – sofern man überhaupt eine Arbeit erhält.

Es gibt viel zu erzählen und zu feiern. Die Fischersfrau serviert auf dem groben Tisch am Flussufer Räucherfisch, dazu Kartoffelsalat, eingelegte Gurken und Piroggen. Wir räumen unseren Kühlschrank leer, und Fischer Mirosław sorgt dafür, dass immer reichlich Bier und Wodka auf dem Tisch stehen. Wir gehören wie selbstverständlich dazu. Ein schöner deutsch-polnischer Abschlussabend, der das Gefühl unterstreicht, bei unseren östlichen Nachbarn stets willkommen zu sein.  

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

Die Firma Der polnische Vercharterer Vistula Cruises bietet seit 2008 führerscheinfreie Boote für Törns auf der Weichsel, dem Weichsel-Werder (östlich von Danzig) und dem Oberländischen Kanal an. Die Flotte besteht aus Hausbooten zwischen 30 und 40 Fuß, die fürs Wasserwandern auf flachen Gewässern konzipiert sind. Das freundliche, hilfsbereite Team um Firmenchef Lukasz Krajewski ist rund um die Uhr für die Gäste da und hilft unter anderem bei der Anmeldung an Schleusen, Liegeplätzen und Restaurants.

Das Boot Die von uns gecharterte „Haber 33 Reporter“ verfügt über je eine abgeschlossene Doppelkabine vorn und achtern sowie eine Nasszelle mit WC/Dusche. Im gemütlichen Salon gibt es eine kleine Pantry. Drei zusätzliche Schlafplätze sind im Salon möglich. Das Bugstrahlruder hilft beim Manövrieren. Auf dem Dach können sieben Fahrräder mitgenommen werden.

Technische Daten: Länge über alles 10,10 m, Breite über alles 2,98 m, Tiefgang 0,47 m, Höhe über Wasserlinie 2,32 m, Einbaudiesel: Vetus 13 PS, Dieseltank 120 l, Frischwassertank 400 l, Kraftstoffverbrauch etwa 1,5 l/h. Aktueller Dieselpreis in Polen: 5 Zloty/l (1,25 Euro).

Die Preise Je nach Saison kostet das Boot zwischen 1600 und 1850 Euro/Woche. Kaution 600 Euro. Übernahme/Rückgabe ist üblicherweise Sonntag/Samstag in der Marina Danzig. Es können auch individuell andere Zeitpläne vereinbart werden. Um die relativ weite Anreise von Danzig zum Oberländischen Kanal zu verkürzen, kann das Boot zum Beispiel auch in Elbing übernommen oder abgegeben werden. In dem Fall wird für die Überführung des Bootes ein Aufschlag von 150 Euro kalkuliert. Buchungsadresse: Vis­tula Cruises, Lukasz Krajewski, PL-43-600 Jaworzno, ul. Cillkowicka 130, Tel. 0048-606 361 704, E-Mail: lukaszkrajewski@vistulacruises.eu; Internet: www.vistulacruises.eu

Tipps für den Törn Will man den Oberländischen Kanal und das gesamte Seengebiet erkunden, sollte man zwei Wochen chartern. Es ist auch sinnvoll, sich mindestens eine Reise von Danzig zum Kanal (oder zurück) zu sparen durch Ein-/Auschecken in Elbing. Wir waren inklusive An- und Abreise zehn Tage unterwegs; das fanden wir aufgrund der Größe des Reviers relativ knapp.

Vor beziehungsweise nach dem Törn sollte man sich einen Tag in Danzig gönnen. Neben der Marina Danzig (Charterbasis) liegt das sehr schöne Hotel „Gdansk“, von wo es nur wenige Schritte zur Altstadt sind. Attraktion des Hauses ist die eigene, aus ­Bayern importierte Bierbrauerei.www.hotelgdansk.pl

Die Anreise Anreise Man kann von allen größeren deutschen Flughäfen nach Danzig fliegen. Wer früh im Internet bucht, bekommt Hin- und Rückflug schon unter 100 Euro. Reist eine Crew mit dem Auto an, kann es auf einem bewachten Parkplatz abgestellt werden.

Die Literatur An Bord gibt es reichlich Kartenmaterial auf Polnisch und Deutsch, das man vor Ort preiswert in Touristenbüros erwerben kann. Ein empfehlenswertes Büchlein ist der deutschsprachige „Kleine Reiseführer – Der Oberländische Kanal“ aus dem Tessa Verlag. Darin sind die Baugeschichte und Technik des Kanals schön beschrieben und illustriert. Außerdem gibt es eine Streckenbeschreibung der Schifffahrtsrouten auf den Oberländischen Seen. Im Internet für 4,90 Euro zu bestellen unter: www.map fox.de/3936194076.php. Der bei Edition Maritim erschienene „Hafenführer Polen“ beinhaltet unter anderem die Wasserstraßen von Danzig zum Frischen Haff sowie den Oberländischen Kanal. Das Buch ist vergriffen, aber noch bei Amazon erhältlich.

Schleusenzeiten und Gebühren Die fünf geneigten Ebenen werden im Sommer täglich von 9 bis 17 Uhr betrieben. Man sollte also spätestens 14 Uhr an der oberen beziehungsweise unteren Rutsche eintreffen, um nicht irgendwo dazwischen die Nacht verbringen zu müssen. Pro „Schleusung“ kostet es 6,24 Zloty, also insgesamt 31,20 Zloty (etwa 7,80 Euro). Die weiter südlich zwischen den Seen liegenden vier Schleusen arbeiten von 9 bis 19 Uhr. Dort kos­tet die Schleusung 9 bis 16 Uhr 6,24 Zloty (1,56 Euro) und von  16 bis 19 Uhr 12,48 Zloty. 

Bodo Müller am 04.09.2011