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Reise: Flandern / Belgien

Zwischen den Türmen - Seite 4

Bodo Müller am 28.10.2017

Nach einem Tag voller Eindrücke müssen wir leider die Festmacher lösen. Um noch ein paar Impressionen von dieser wundervollen Stadt mitzunehmen, fahren wir einen kleinen Umweg durch die Kanäle der Altstadt und dann auf der Muinkschelde nach Süden in Richtung der bereits erwähnten Wasser- und Straßenautobahn Ringvaart.

Die davor liegende Sluis E3 sollte eigentlich immer geöffnet sein – heute aber ist sie zu. Wir rufen an und erfahren, dass sie wegen des Regens geschlossen werden musste. Zwanzig Minuten später wird sie für uns und ein weiteres Sportboot geöffnet. Wir steuern zurück auf die viel befahrene Schifffahrtsstraße. Nach fünf Kilometern biegen wir in Richtung Westen in den Fluss Leie ein.

Endlich Ruhe. Während das Dröhnen der Autobahn achteraus bleibt, öffnet sich vor uns ein ungeahntes Paradies. Ein schmaler, mäandernder Fluss mit Schilfwäldern und Seerosen, überall Schwäne, Enten und Reiher. Auch nachdem wir drei Flussbiegungen hinter uns gelassen haben, bleibt es ruhig und schön – aber auf ganz andere Art:

Villen, Schlösser, Paläste, einer schöner als der andere, säumen beide Ufer. Alles privat, Anlegen verboten. Man hat den Eindruck, dass die reichsten Belgier ihre Millionen an diesem Abschnitt der Leie verbaut haben. Zwölf
Kilometer Flussfahrt zum Schauen und Staunen.

Nach anderthalb Stunden wird die Landschaft wieder urwüchsig. Wiesen und Weiden säumen den Fluss. Die Abendsonne legt ihr Feuer über die Schilfwälder. Bei km 66 entdecken wir am Süd­ufer den Gasthof "Halifax" mit eigenem Bootsanleger. Es besteht aus einem ter­rassenartigen Garten über der Leie. Alle Tische sind besetzt. Die Gäste sind auf­fallend elegant gekleidet – vielleicht die Bewohner der Villen und Paläste? Sie ze­lebrieren ihr Dinner im wunderschönen Sonnenuntergang.

Flandern

Fluss Leie Richtung Deinze, Restaurant Halifax

"Haben Sie reserviert?", fragt der Platzanweiser. Nein, haben wir nicht – deshalb müssen wir dem Naturschauspiel bei Tischwein und Salzstangen von der Warte-Lounge zusehen. Als die Sonne weg ist und der erste Tisch frei wird, dürfen wir nachrücken. Wir genießen ein vorzügliches Wildgericht, wohl wissend, dass es hier nicht ganz billig ist. Dafür haben wir einen kostenlosen Liegeplatz. Chartergäste sollten besser einen Tisch reservieren. www.gasthofhalifax.be

Morgens fahren wir weiter westwärts auf der Leie, passieren nach zwei Kilometern die Schleuse und Brücke Astene und erreichen vier Kilometer weiter die Kleinstadt Deinze, die von einer hohen Kirche überragt wird. Die Tolpoortbrug wird allein für uns geöffnet, und kurz danach biegen wir nach rechts ab in eine große Schifffahrtsstraße, den Afleidingskanaal van de Leie, der zum Nordseehafen Zeebrugge führt.

Auch hier herrscht wieder viel Verkehr, aber zum Glück ist dieser Kanal nicht gleichzeitig Mittelstreifen einer Autobahn, sodass man in Ruhe fahren kann. Eine gute Stunde später biegen wir an der nächsten großen Kreuzung nach links in den kanaal Gent-Oostende ein und starten unsere Heimreise in Richtung Nieuwpoort.

Da der Weg an einem Tag nicht mehr zu schaffen ist, freuen wir uns, ein zweites Mal im schönen Zentrum von Brügge übernachten zu dürfen. Während wir unseren Bug in Richtung Sonnenuntergang drehen, schwingt ein wenig Weh­mut mit – denn wir konnten uns nicht vorstellen, wie interessant es ist, Belgien vom Wasser aus zu entdecken.

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Bodo Müller am 28.10.2017