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Reise: Rigaer Bucht / Lettland

Verborgene Schönheit

Christian Tiedt am 12.07.2020

Riga ist weit weniger bekannt als andere Metropolen der Ostsee. Dabei braucht sie sich hinter ihren Schwestern wahrlich nicht zu verstecken

Abschied von Estland! Dass wir die letzte Etappe unseres Sommertörns nach einem unfreiwillig langen Aufenthalt mit defekter Kühlwasserpumpe nun doch noch auf eigenem Kiel in Angriff nehmen können, ist nicht nur der überraschend schnellen Lieferung des Ersatzteils zu verdanken, sondern auch dem technischen Geschick der Crew: Nach vier Tagen in Kuressaare auf der Insel Saaremaa laufen beide Diesel der "Rolling Swiss 2" wieder. Daumen hoch! Aus dem offenen Schott zum Maschinenraum dringt der schönste Lärm der Welt.

So wird unser Sommertörn mit dem Cruising Club der Schweiz, der vor zwei Wochen im südschwedischen Karlskrona begann und über die Inseln Öland und Gotland mit viel Wind und Welle bis nach Saaremaa in Estland führte (siehe BOOTE 2 und 5/2020), wie geplant in Riga enden. Allerdings haben wir nun keine Zeit mehr, um die weitläufige Rigaer Bucht zu erkunden und die direkte Distanz von immerhin knapp 100 Seemeilen in mehrere Abschnitte zu teilen. Es wird also ein anstrengender Tag werden.

Der fängt noch ganz entspannt an, mit beinahe blauem Himmel und sich erst regendem Wind. Doch schneller als erwartet zieht es zu. Direkt voraus wächst eine gewaltige Gewitterzelle in den Himmel, und es frischt nicht nur viel zu früh auf, sondern auch noch aus der falschen Richtung. Zu weit westlich fällt der Wind, und wir können gerade so Kurs quer über die Irbenstraße halten, die die Rigaer Bucht mit der offenen Ostsee verbindet, ohne dass das Rollen zu mächtig wird.

Selbst als wir Kap Kolka passiert haben und im Westen nun die flache Küste der Halbinsel Kurland liegt, ist der Fetch ausreichend groß, um eine unangenehme Windsee gegen uns aufzuwiegeln. Auch von der kleinen Insel Ruhnu mit ihrem Leuchtturm von Gustave Eiffel, Estlands südlichstem Außenposten in der Bucht, sieht man im Osten nur eine dunkle Schraffierung über der wolkenverhangenen Kimm. Auch dort hatten wir eigentlich eine Nacht verbringen wollen.

Zwar nimmt der Wind zwischenzeitlich etwas ab, springt aber noch einmal wieder auf, bevor wir das südliche Ende der Rigaer Bucht erreichen und die ersten Nadeln sichtbar werden, die zur Skyline von Riga gehören. Nicht direkt am Ufer. Das Zentrum der lettischen Hauptstadt und Millionenmetropole liegt rund zehn Kilometer landeinwärts am Fluss Düna. Auszumachen sind der futuristisch wirkende Funkturm, einige Bürohochhäuser und die eine oder andere große Kirche. Bald kommt der schwarz-weiße Leuchtturm an der Dünamündung dazu, ebenso Verladekräne. Viele Verladekräne.

Nach rund elf Stunden verlassen wir die Ostsee und laufen in den Fluss ein, der hier so imposant wie Elbe oder Rhein wirkt und dennoch oberhalb Rigas nur noch für wenige Kilometer durchgängig schiffbar ist. Die nächsten Stromkilometer jedoch reiht sich eine Industrieanlage an die nächste, Verladebrücken, Piers und Terminals. Kohleberge und große Kesseltanks. Bei Weitem nicht alles auf dem neuesten Stand der Technik, vieles aber eben doch. Gastanker, Bulker und Container liegen links und rechts, sogar gesegelt wird im Fahrwasser. Als wollte die Sonne uns für den tristen Tag entschädigen, gibt es jetzt sogar goldenes Licht zum Abschluss unseres Törns.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der August-Ausgabe von BOOTE. Ab dem 15.7.2020 hier erhältlich!

Christian Tiedt am 12.07.2020
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