Oberländischer Kanal Oberländischer Kanal

Reise: Weichselwerder / Polen

Landpartie

Arne Körtzinger am 05.05.2019

Polens Norden: auf Chartertörn über die Flussarme des Weichselwerders und über den Oberländischen Kanal

Fotostrecke: Europas größtes Binnenrevier

Bei herrlichem Sonnenschein empfängt uns Daniel, unser Bootsverleiher, am Sonntagmorgen auf der kleinen Marina in Żuławki, einem Dörfchen an der Elbinger Weichsel. Auf der Autofahrt dorthin waren wir kurz zuvor an stattlichen Vorlaubenhäusern vorbeigekommen – einer von vielen Spuren, die Mennoniten im Weichselwerder hinterlassen haben.

In den Niederlanden, ihrer ursprünglichen Heimat, hatten sie gelernt, Land zu entwässern und urbar zu machen und so dem Meer Meter um Meter abzutrotzen.

Es waren diese Fähigkeiten, die König Sigismund I. bewogen, die Religionsflüchtlinge im 16. Jahrhundert als Siedler ins Land zu holen. So entstand teilweise unter dem Meeresspiegel eine malerische Landschaft mit Kanälen, Windmühlen und Klappbrücken. Es ist diese zeitlose, auch als "Klein-Holland" bekannte Landschaft, die uns in ihren Bann ziehen wird.

Unser schneeweißes Boot "Vabank II" liegt aufgetankt und startklar an seinem Liegeplatz. Voller Vorfreude verstauen wir unser Gepäck und ein paar Vorräte an Bord und richten uns in unserem kleinen, aber feinen Feriendomizil häuslich ein. Daniel erklärt uns – Landratten ohne einschlägige Bootserfahrung, geschweige denn Bootsführerschein – mit sparsamen Sätzen und Handgriffen die Funktionsweise des Bootes und seiner Einrichtung.

Eine Probefahrt mit uns hält er offenkundig nicht für nötig. Wird schon, sage ich mir also, als ich vorsichtig den Gashebel auf rückwärts ziehe und meine "Crew" aus Ehefrau und Sohn die mit einem "Have a nice trip!" hinübergeworfenen Leinen in Empfang nimmt.

Das Ausparken gelingt, und nach einer schwungvollen Linkskurve sind wir unterwegs auf dem "Weichselwerder-Ring", einer Rundroute, die sich trotz intensiver Vermarktung und forciertem Aufbau von touristischer Infrastruktur immer noch wie ein absoluter Geheimtipp ausnimmt. Für die nächsten sechs Tage werden wir zu unserer großen Überraschung und Freude diese idyllische Welt fast für uns allein haben.

Die Szkarpawa (Elbinger Weichsel), ein östlicher Deltaarm der Weichsel, mäandriert inmitten schilfbestandener Ufer nach Osten. Schon nach wenigen Kilometern habe ich, ohne es wirklich zu merken, langsam, aber sicher den Gashebel zurückgenommen – die Landschaft beginnt uns in ihren eigenen, langsamen Rhythmus zu ziehen.

Mit selten mehr als sechs bis acht Stundenkilometern tuckern wir fortan dahin. Seerosen, Fischreiher, Bauernhäuser ziehen unsere Blicke auf sich. Noch kommentieren wir erfreut jedes Storchenpaar auf den sattgrünen Wiesen. Doch bald macht sich tiefe Entspannung breit – als schon die erste Aktion ansteht. 

Die vollständige Reisereportage lesen Sie in der Juni-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 15.05.19 am Kiosk gibt. 

Arne Körtzinger am 05.05.2019