Bat’a-Kanal Bat’a-Kanal

Revier: Bat’a-Kanal / Tschechien

Ahoj na vodě!

Morten Strauch am 14.02.2020

„Hallo auf dem Wasser!“ Das schöne Mähren hat mehr zu bieten als Wiesen und Wälder. Wir stellen den hierzulande kaum bekannten Bat’a-Kanal vor

Es gab schon viele große Pläne zum Bau von Wasserstraßen, die im wahrsten Sinne im Sande verlaufen sind. Zwar scheiterten – und scheitern – die meisten dieser "Träume" früher oder später an der wirtschaftlichen Realität. Manchmal bleibt jedoch etwas zurück. Ein schönes, fast vergessenes Beispiel dafür liegt im Südosten Tschechiens. Genauer: in Mähren, an der Grenze zum Nachbarland Slowakei und keine hundert Kilometer von Wien entfernt.

In der Stadt Zlín hatte der Industrielle Tomáš Baťa mit der Herstellung von Schuhen schon zu K.-u.-K.-Zeiten ein erfolgreiches Unternehmen aufgebaut.

In den Dreißigerjahren war er zum Weltmarktführer aufgestiegen. Die Idee einer schiffbaren Verbindung von Donau und Oder gefiel ihm schon deshalb, weil sie den Fluss March einbinden und so dicht an seinen Produktionsstätten vorbeiführen würde. Weltwirtschaftskrise und folgender Weltkrieg verhinderten die Umsetzung des ehrgeizigen Projektes.

Fotostrecke: Bat’a-Kanal / Tschechien

Ein kleiner Abschnitt des Routenverlaufes wurde (mit abgespeckten Abmessungen und vornehmlich für den Kohletransport ausgelegt) bis 1938 aber dennoch fertiggestellt – auch weil der Fabrikant selbst finanziell einsprang: der Baťa-Kanal (tschechisch: Baťův kanál), benannt nach seinem ersten Förderer.

Nach dem Krieg verlor die Wasserstraße, deren Anschluss an die Donau nie erfolgt war, ebenso schnell wieder an Bedeutung. Baťa selbst war ins Ausland geflüchtet, sein Konzern verstaatlicht worden.

Zu Beginn der Siebzigerjahre schließlich wurden Unterhalt und Schifffahrt eingestellt. Der Kanal verfiel in einen Dornröschenschlaf, der bis zum Ende der sozialistischen Ordnung anhielt. Schon 1992 gab es erste Anstrengungen zur Wiederbelebung – für die Naherholung, den Wassersport und den regionalen Tourismus.

Instandsetzung und Wiederaufbau setzten sich fort, am Ufer kam Infrastruktur hinzu, der Kanal wurde immer beliebter. Heute sind rund 52 Kilometer mit dreizehn Schleusen zwischen Otrokovice im Norden und Rohatec im Süden durchgängig schiffbar, der weitere Ausbau in beide Richtungen geplant. Wir haben uns vor Ort umgesehen.

Der Bat’a Kanal beginnt bei der 4000-Einwohner-Gemeinde Rohatec an der March. Seine ersten Kilometer – zunächst auf dem Nebenfluss Radějovka, danach in gegrabenem Bett – bilden einen Teil der (kaum wahrnehmbaren) Grenze zur Slowakei, auf dessen Staatsgebiet am Südufer auch die Marina Skalica  liegt, wo die Schiffbarkeit bei Kilometer 2 beginnt. Hier gibt es neben umfangreichem Service, Gastronomie und Bootsverleih auch eine Slipanlage für kleine Boote. Der Hafen ist daher ein idealer Startpunkt für die Kanalerkundung.

Die nächste Anlegemöglichkeit in Sudoměřice  ist nur einen Katzensprung entfernt, befindet sich aber bereits in Tschechien. Neben dem historischen Kipphaus, wo die Schiffe früher mit Schieferkohle beladen wurden, gibt es eine kleine gemütliche Hafenanlage mit Grill- und Bierverköstigung. Im nahe gelegenen Petrov lohnt es sich, in der neuen Marina direkt hinter der Schleuse festzumachen, da es neben dem allseits berühmten tschechischen Bier auch beliebte Weinkeller zu entdecken gibt. Für Ausflüge in die Umgebung stehen Leihfahrräder zur Verfügung.

In Strážnice  findet sich ein großes Freilichtmuseum, in dem sich das traditionelle Mähren des 19. Jahrhunderts präsentiert. Volkstümliche Traditionen sind aber nach wie vor wichtiger bunter Bestandteil der regionalen Kultur. Höhepunkt stellt in dieser Hinsicht das Internationale Folklorefestival am letzten Juniwochenende dar. Nördlich der Stadt quert der Kanal die March und begleitet sie parallel für einige Kilometer bis nach Veselí nad Moravou, wo sich beide Wasserstraßen verbinden. Der historische Stadtkern rund um das Schloss Veseli, einst eine Wasserburg aus dem 11. Jahrhundert, ist einen Besuch wert. Auch der nördliche Nachbarort Uherský Ostroh hat seinen Ursprung in einer Burg, die auf einer Marchinsel gebaut und deren Reste das Fundament des heutigen Schlosses bilden.

Der Fluss schlängelt sich die nächsten 15 Kilometer vorbei an Wald- und Ackerflächen bis hin nach Staré Město, wo der nächste künstliche Kanalabschnitt anschließt. Gleich zu Beginn gibt es eine gute Anlegemöglichkeit mit Restaurant am Wasser und fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten. Direkt gegenüber, auf der anderen Seite der March, liegt mit Uherské Hradiště  das Zentrum der Mährischen Slowakei, dessen historische Innenstadt vollständig unter Denkmalschutz steht. Bei Spytihněv geht der Kanal wieder in die March über und führt an Napajedla  vorbei, dessen herausragendstes Gebäude das Rathaus ist. Nicht schön aber kanalhistorisch interessant ist der Industrieort Otrokovice : Hier löschten die Kohlenschiffe ihre Ladung, die für die Fabriken des Bat’a-Imperiums bestimmt war.

Am Stauwehr von Bělov bei Otrokovic endet die durchgängige Schiffbarkeit bei Kilometer 54 – bislang, denn eine weiterführende Schleuse ist bereits in Planung. Nach ihrem Bau würde Kroměříž  den würdigen Schlusspunkt setzen, aufgrund seiner Altstadt mit den stattlichen Bürgerhäusern Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Das vollständige Revierporträt lesen Sie in der März-Ausgabe 2019 von BOOTE.

Morten Strauch am 14.02.2020