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Charter: Revierübersicht

Bis zum Horizont

Christian Tiedt am 24.11.2019

Die Auswahl an Charterrevieren und Bootstypen ist nahezu endlos. Wir geben einen europaweiten Überblick, wo man den „Bootsurlaub auf eigenem Kiel“ mieten kann

Welcher Weg führt zum Ziel Ihrer Träume? Zumindest was den Urlaub auf dem Wasser angeht, fällt die Antwort auf diese Frage inzwischen alles andere als leicht – zum Glück, darf man sagen. Denn es gibt inzwischen kaum noch ein Revier europaweit (und darüber hinaus), in dem nicht mindestens eine Charteryacht auf entdeckerfreudige Crews wartet. Von den glasklaren, sonnendurchfluteten Buchten des Südens bis zu den stillen Weiten des Nordens reicht das touristische Angebot.

Charterreviere Europa

Egal, ob es vertraut heimatlich oder doch lieber exotisch zugehen soll, ob man die Binnenfahrt oder die Seefahrt bevorzugt – die Auswahl ist im wahrsten Sinne grenzenlos.

Gleiches gilt für die vorhandenen Bootstypen: Hier reicht die Palette von den voll auf Charterkunden ausgerichteten, einheitlichen Flotten internationaler Anbieter, über die wesentlich individuelleren Modelle regionaler Firmen bis hin zu "Einzelstücken" in Privathand.

Dass die Branche boomt, liegt aber nicht nur an dieser großen Vielfalt, sondern auch an der Tatsache, dass die meisten Reviere (zumindest im Binnenbereich) auch ohne Bootsführerschein erkundet werden können – und damit auch Urlaubern offenstehen, die zuvor keine "Verbindung" zum Wasser hatten.

Charterreviere in Europa

Großbritannien hat für den Charterurlaub viel zu bieten: von klassischen Hausbootrevieren wie dem schottischen Caledonian Canal, über die gezeitenabhängigen Norfolk Broads bis zur oberen Themse vor den Toren Londons. Dazu kommt eine echte britische "Eigenart": das Narrowboat. Die urigen, zum Teil recht schlichten und nur zwei Meter breiten Gefährte können ohne Führerschein überall auf dem dichten, historischen Kanalnetz gemietet werden.

Hierzulande wird das seit knapp zwanzig Jahren auf einer ganzen Reihe von Wasserstraßen durch die sogenannte Charterbescheinigung ermöglicht – insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ausgestellt wird sie nach einer gründlichen Einweisung durch den Vercharterer, wobei jeder behandelte Punkt protokolliert wird. Sie gilt ausschließlich für die Mietdauer.

Das betreffende Boot darf allerdings nicht schneller als zwölf Stundenkilometer sein (was binnen völlig ausreichend ist), während die Höchstgeschwindigkeit zwölf Stundenkilometer nicht überschreiten darf. In vielen anderen Ländern gibt es dagegen schlicht und einfach keine Führerscheinpflicht.

Im Folgenden geben wir einen Überblick über die verschiedenen Bootstypen und Reviere – und welche Kriterien eine Rolle bei der Auswahl spielen könnten.

Charterreviere in Europa

Das nordwestliche Ende der Adria geht in die Lagunen Venetiens über – flache, weitläufige und geschützte Gewässer. Neben alten prachtvollen Städten wie etwa der Serenissima Venedig selbst lockt das führerscheinfreie Revier auch mit malerischer Natur und kleinen Inseln. Nautisch sind die schmalen Fahrwasser aufgrund des Verkehrs jedoch durchaus anspruchsvoll, Gastliegeplätze in den städtischen Bereichen eher selten.

Völlig unabhängig davon, ob man zu den "Wiederholungstätern" gehört und schon mehrfach gechartert hat, oder ob man noch vor dem ersten Törn steht. Die nautische Tourismusindustrie setzt vielerorts (zumindest auf den Binnenrevieren) schon seit Jahren in ihren Werbekampagnen auf "Hausbooturlaub". Kein Wunder, denn kaum ein anderer Begriff lässt sich gleichzeitig mit Abenteuern und Behaglichkeit verbinden. 

Dabei ist die inzwischen weitverbreitete Bezeichnung zumindest technisch etwas irreführend: Im Grunde handelt sich dabei nämlich häufig gerade nicht um Hausboote klassischer Vorstellung; also Wasserfahrzeuge, die eher zum Wohnen als zum Fahren gedacht sind.

Im Charterbetrieb wurden damit zunächst jene Modelle bezeichnet, die von den großen, in mehreren Ländern vertretenen Firmen mit einheitlichen Flotten betrieben werden – was sowohl Wartung wie Werbung erleichtert.

Diese Boote werden einheitlich in Serien gebaut und sind speziell auf die Anforderungen der Zielgruppe zugeschnitten. Also vor allem auf Crews, die sich nicht alltäglich auf dem Wasser aufhalten.

Dazu gehört eine robuste Konstruktion mit gutem Fenderschutz und leicht erlern- und bedienbarer Technik ebenso wie eine praktische Raumaufteilung und ausreichend Platz an Deck.

Ihre geringe Höchstgeschwindigkeit ist für Binnenreviere ausreichend. Das spart unterwegs Stress und stärkt das Naturerlebnis, führt aber dazu, dass man mitunter ein bisschen früher aufstehen muss, wenn man einen langen Törntag vor sich hat.

Ein weiteres Plus dieser Verdränger ist, dass es sie – dank Modulbauweise im Serienbau – auch in Ausführungen für bis zu zehn oder sogar noch mehr Personen gibt. Auf Küstenrevieren wird man diese Hausboote allerdings nicht antreffen.

Reviere

Das sieht beim zweiten in Deutschland weitverbreiteten Charterboot schon anders aus, dem Typ des niederländischen Stahlverdrängers. Dabei handelt es sich um Motoryachten ab etwa 10 m Länge mit klassischen Linien. Sie sind etwas stärker motorisiert, individueller gestaltet und häufig edler ausgestattet. Zudem sehen sie nicht nur schiffiger aus, sondern sind für gewöhnlich auch tatsächlich seetüchtiger.

Dafür kann die Handhabung der Technik etwas vielseitiger sein. Auch Stahlverdränger bieten Platz für bis zu zehn Crewmitglieder oder mehr. Auf den "führerscheinfreien" Binnenrevieren Mecklenburgs, Brandenburgs und natürlich der Niederlande füllen sie ganze Häfen.

Reviere

Wer im Urlaub schneller unterwegs sein möchte, etwa weil er weitere Törnetappen eingeplant hat, kann sich auch für einen Gleiter oder Halbgleiter entscheiden.

In Südeuropa gang und gäbe, sind sie in den Charterflotten Nordeuropas jedoch eher selten zu finden. Was vielleicht auch daran liegt, dass sportliche Motoryachten mit ihren großen Liege- und Sitzflächen draußen eher für die Sonne gemacht und unter Deck nur selten Raumwunder sind.

Dazu kommen die Treibstoffkosten. Aber manchmal ist eben das besondere Fahrgefühl ausschlaggebend. Apropos Raumwunder: In dieser Hinsicht sind Motorkatamarane unschlagbar. Das Segment wächst stetig, ebenfalls in erster Linie im Mittelmeer und in Übersee.

Die kostengünstigsten Varianten unter den Charterbooten sind kleinere Kajütboote, Pontonboote (die der klassischen Vorstellung vom "Hausboot" noch am nächsten kommen und erstaunlichen Komfort bieten können) und motorisierte Holzflöße mit Kabinen- oder Zeltaufbau für die Abenteuer-Fraktion.

Natürlich stehen nicht in jedem Revier alle Bootstypen zur Verfügung; gibt es jedoch eine größere Auswahl (wie fast überall in Deutschland und den Niederlanden), macht ein Preis-Leistungs-Vergleich selbst dann Sinn, wenn man zu den »Fans« des einen oder anderen Typs gehört.

Das mit weitem Abstand beliebteste und größte Charterrevier Deutschlands liegt im Nordosten. Dort bilden die schiffbaren Binnenwasserstraßen Mecklenburgs, Brandenburgs und Berlins das "Blaue Paradies":

Seen jeder Größe, Flussläufe und Kanäle bieten Törnabwechslung ohne Ende. Tausend Wetterstimmungen, spannende Städte und viel Natur garantieren eine erlebnisreiche Urlaubszeit.

Würde man alle Haupt- und Nebengewässer aneinanderreihen, käme man auf eine Gesamtlänge von 2000 Kilometern. Rund sechzig Charterunternehmen sind dort inzwischen vertreten.

Dabei lässt sich das Revier grob in den etwas anspruchsvolleren Süden rund um die Metropole Berlin und den weitgehend "verkehrsberuhigten" Norden einteilen. Ein echter Magnet für Bootsurlauber ist die Region zwischen Waren, Neustrelitz und Rheinsberg mit Müritz und Mecklenburgischer Kleinseenplatte.

Das vollständige Journal mit Revierübersicht lesen Sie in der Dezember-Ausgabe 2018 von BOOTE. Oder Sie laden sich das PDF weiter unten herunter. 

Christian Tiedt am 24.11.2019