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Frankreich

Frankreich: Côte d‘Azur

Bodo Müller am 31.01.2009

Wer Frankreich liebt und die Sprache kennt, wird von der Côte d'Azur begeistert sein. Für andere ist es ein Charterrevier mit lehrreichen Erlebnissen.

Bei stahlblauem Himmel, einem leichten Nord und fast glatter See lassen wir die Bucht von Toulon achteraus und steuern auf die Südspitze der Halbinsel Giens zu. Von dort ist es nur noch ein Katzensprung bis zur Insel Porquerolles, der westlichsten im Archipel d’Hyères. Wie auf Schienen schnurrt unser Motor-Kat mit knapp 10 kn Fahrt hinaus auf die offene See.

Das Boot ist technisch in Ordnung, voll getankt, und alle Instrumente funktionieren. Unser Ziel sind die Iles d’ Hyères, ein etwa 15 Meilen östlich gelegener Archipel, zugleich die größte und bekannteste Inselgruppe an der französischen Mittelmeerküste. Weil es dort möglicherweise schwierig oder teuer sein könnte, Proviant zu kaufen, fahren wir mit dem Mietwagen zum Supermarkt, bunkern für eine Woche und geben das Auto ab.

Vormittags ist Check-in auf fast allen Booten von „Liberty Sea“. Wir sind gegen Mittag an der Reihe. Ein netter Franzose öffnet die Abdeckung des Motorraums, steigt nach unten und erklärt – auf Französisch. Ich sage: „Stop! English, please.“

Ich bringe ihm nett, aber deutlich meine Verwunderung zum Ausdruck, immerhin haben wir keinen Angelkahn, sondern eine Yacht, die um 3000 Euro die Woche kostet, gemietet. Eine Stunde später bringt Philippe das Bettzeug und entschuldigt sich.

Ich rufe die Handynummer an, frage, wo das bestellte Bettzeug liege. Es meldet sich Philippe, der Basisleiter, auf Englisch. Sorry, ich schicke gleich einen Arbeiter. Wenn ihr aus dem Restaurant zurück seid, liegt alles da. Frisch gestärkt in einem schönen Fischlokal in St. Mandrier, kehren wir kurz vor Mitternacht zurück. Kein Bettzeug ist da. Wieder rufe ich Philippe an: „Sorry, aber die Arbeiter haben natürlich keinen Schlüssel für unser Lager“ ... und er selbst wohne eine Autostunde entfernt. Wir könnten uns doch auch ohne Bettzeug schlafen legen ...

Auf dem Salontisch steht ein Kärtchen: „Soyez les bienvenus“, darunter eine Handynummer und daneben eine Flasche Wein. Eine nette Geste, wobei wir uns über eine Flasche Wasser wahrscheinlich mehr gefreut hätten. Aber kein Problem, wir haben noch das Auto und können zu einem Restaurant fahren. Schnell noch die Kojen beziehen. Aber womit?

Im letzten Abendlicht erreichen wir die Marina Port Pin Rolland, ein riesiger Bootsparkplatz mit anschließender Werft. Es ist ein heißer Junitag. Um 20 Uhr ist das Büro des Vercharterers „Liberty Sea“ bereits zu. Kein Problem, nach kurzer Suche finden wir unseren Katamaran „Highland 35 Trawler“.

Strahlender Sonnenschein empfängt uns auf dem Airport Marseille-Provence. Ich erkläre dem Autoverleiher von Europcar auf Englisch, dass wir den Wagen „oneway“ nach Toulon mieten möchten und zeige ihm den Chartervertrag, wo zu lesen ist, dass unser Boot in Port Pin Rolland bei Toulon liegt. „Oui, oui“, nickt der Franzose, „j’ai compris.“ Dann muss ich einen französischen Vertrag unterschreiben. Ich verstehe zwar nichts, aber er hat ja angeblich verstanden.

Bodo Müller am 31.01.2009