Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel
Frankreich

Frankreich: Rhein-Marne-Kanal zur Mosel

Ingrid Bardenheuer am 26.04.2011

Über Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal und Saar zur Mosel. Mit einem Charterboot von Kuhnle Tours haben wir uns zu einer Begegnung mit Europa aufgemacht.

Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel

Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel

Wir sind Europa mitten durchs Herz geschippert. Dort, wo das Gemeinsame präsent, die Maxime der Europäischen Union fassbar ist: „In Vielfalt geeint“. Wir sind durch Frankreich, Deutschland und Luxemburg gefahren, ohne trennende Grenzen wahrzunehmen.

Unsere Reise führte nach Lothringen und ins Saarland, durch Rheinland-Pfalz und ins Luxemburgische – Landstriche, die zusammen mit Teilen Belgiens einen Schulterschluss über Ländergrenzen hinweg bilden, die „Grande Région“. Mosel und Saar sind Nahtstellen dieser „Großregion“. Beide Flüsse nahmen wir unter den Kiel, auch Saarkanal und Rhein-Marne-Kanal. Entdeckt haben wir einen Kulturraum, der mehr zu bieten hat als 1-a-Weinlagen.

Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel

Charterreise Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel

Niderviller, Frankreich. Bei Kuhnle-Tours übernehmen wir an einem Freitagnachmittag im Juni eine „Kormoran 940 (3+2)“, die uns via Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal und Saar nach Sierck-les-Bains an der Mosel bringen soll. Etwa 232 km und 40 Schleusen liegen vor uns, eine ordentliche Strecke, für die Kuhnle-Tours sieben bis zehn Törntage empfiehlt. Wir veranschlagen eine Woche für die Tour, da wir die Route bis Saarbrücken bereits kennengelernt haben (siehe BOOTE 10/08).

Gleich nach der Einweisung legen wir in Niderviller ab. Bis zum „Port du Houillon“ bei Saarkanal-km 2 LU sind es nur zweieinhalb Stunden schleusenfreies Fahren – als Auftakt perfekt. Doch halt, fast hätten wir’s vergessen: Um auf dem Saarkanal geschleust zu werden, muss man sich am Vortag – laut offizieller Beschilderung bis 17 Uhr – bei der ersten Schleuse angemeldet haben. Und nun ist es schon fast fünf. In den Bordunterlagen findet sich die Rufnummer (Tel. 0033 (0) 387 25 03 16). Rasch tippen wir die Zahlenfolge ins Handy. Umgehend meldet sich eine nette Stimme auf Deutsch: „Alles klar. Sie kommen aus Niderviller? Dann sind Sie doch sicher von Kuhnle-Tours ...“ Die Gegend ist eben eine Charter-Hochburg.

Fotostrecke: Rhein-Marne-Kanal, Saarkanal, Saar, Mosel

Im „Port du Houillon“ liegen wir – wie damals auch – aufs Engste mit der Natur vereint. Die kleine Marina präsentiert sich wieder sehr sympathisch, und mit Vorfreude auf den nächsten Morgen geben wir beim Hafenmeister unsere Bestellung für ein duftig-knuspriges Frühstücksbaguette auf.

Wolkenschwer begrüßt uns der nächste Tag. Die Luft ist klamm, auf Reling und Scheiben perlen dicke Regentropfen. Unser Boot, das auf den sinnigen Namen „Molch“ hört, dümpelt im Dunst, der übers Wasser kriecht. Wir legen früh ab und stehen pünktlich wie die Maurer bei Dienstbeginn des Schleusenwärters um 8.30 Uhr vor der ersten „écluse“. 

Vom Abzweig des etwa 63 km langen Saarkanal aus dem Rhein-Marne-Kanal bis zu seiner Einmündung in die Saar bei Sarreguemines (Saargemünd) müssen wir insgesamt 27 Schleusen passieren. Nummer eins bis Nummer 14 betätigt ein „éclusier“, der uns an Land begleiten wird. Die Schleusen 15 bis 27 laufen im Automatikbetrieb. Auf der Saar von Sarreguemines bis Saar­brücken befinden sich weitere vier Schleusen, drei automatisierte und eine bediente.

Als wir in Schleuse Nummer 12 erwartungsvoll an den Leinen stehen, wirft der Schleusenwärter nur einen fürsorglichen Blick auf uns. Dann besteigt Monsieur sein Moped und knattert unverrichteter Dinge davon – pause de midi, Mittagspause. Da liegen wir nun in der gut gefüllten Schleusenkammer, mit Blick auf den Mittersheimer Weiher. Das Mausgrau vom Morgen hat sich verzogen, der Himmel ist wieder tiefblau.

Im lichten Grün rechts und links des Kanals piepst und zirpt und zwitschert es, in der Schleuse gluckst das Wasser. Wir machen fest und legen die Beine hoch. Eigentlich schade, dass Monsieur schon nach einer Stunde zurückgeknattert kommt.

An Schleuse 14 drückt uns der „éclusier“ ein zitronengelbes Kästchen in die Hand und sagt adieu. Mithilfe dieses Kästchens, einer Fernbedienung, können wir die nächsten Schleusen selbst in Gang setzen. Taste „A“ (von frz. en aval, dt. flussabwärts) bereitet den Abstieg vor und ist für uns entscheidend; Taste „M“ (von frz. en amont, dt. flussaufwärts) wäre im Falle des Aufstiegs von Belang. Nach Betätigung einer blauen Stange, die sich in der Kammer befindet, startet der eigentliche Schleusenvorgang. In der für uns letzten Schleuse vor Saarbrücken – Güdingen – wird wieder ein Schleusenwärter Dienst tun.

Es ist Zeit, den Tag ausklingen zu lassen. Im Unterwasser von Schleuse 16 liegt gleich am Kanal das Restaurant „L‘Ecluse 16“, in dem so wunderbare Dinge wie Trüffel-Risotto oder Zimt-Schokoladen-Beignets auf den Tisch kommen. Ein ordentlicher Bootsanleger befindet sich vis-à-vis des Lokals, das über eine Brücke zu er­reichen ist.
Wir machen für heute im Hafen Bissert zwischen Schleuse 17 und 18 fest (Saarkanal-km 33 LU). Die modernen Stege und der Sanitärbereich an Land sind bei unserem Besuch tipptopp in Schuss. Nach Harskirchen, einem freundlichen, aber verschlafenen Provinzstädtchen, spazieren wir etwa 15 Minuten. Wir treffen auf einen kleinen Laden sowie Einkehrmöglichkeiten wie das bodenständige „Belle Vue“. 

Die ganze Reisereportage von Ingrid Bardenheuer finden Sie in der Mai-Ausgabe von BOOTE, die ab morgen (27. April) überall erhältlich ist.

Ingrid Bardenheuer am 26.04.2011