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Frankreich

Frankreich: Rhein-Marne-Kanal

Ingrid Bardenheuer am 30.09.2008

"Sie haben keine Hektik - es sei denn, Sie machen sich welche...". So beginnt unsere entschleunigende Reise über Saar- und Rhein-Marne-Kanal.

Es langsamer angehen lassen, mal müßig sein. Innehalten und feststellen, wie sich der Blickwinkel weitet, wenn Zeit zum Wahrnehmen und Betrachten bleibt. Dinge entdecken, die sich dem Vorbeihastenden niemals erschließen würden. Einfach die Leinen lösen und einem anderen, leichteren Rhythmus fol-gen – das ist Hausbootfahren. Dieser Zustand äußerer und innerer „Entschleunigung“ erwartet uns in den nächsten sieben Tagen an Bord einer Cirrus, die wir für eine Tour durch Lothringen und Elsass bei Le Boat/Crown Blue Line gebucht haben.

An einem Freitagnachmittag im Juni übernehmen wir das Boot bei S.A.L.T. Yacht am Le-Boat-Abfahrtsort Saarbrücken. Heinrich Meyer, zuständig für den Empfang, hat jede Menge guter Tipps parat und zwinkert uns zum Abschied vielsagend zu: „Sie haben keine Hektik – es sei denn, Sie machen sich welche …“

Wir schaffen unsere Sachen auf die Cirrus und zapfen den obligatorisch Rhein-Marne-Kanal en „Anlegeschluck“ – ankommen ist schließlich ankommen, auch wenn es heute noch per Auto war. Am Kajüttisch planen wir unsere Reise. Via Saar, Saar-kanal und Rhein-Marne-Kanal soll es ins französische Hesse gehen. Von dort wollen wir (in aller Gemütlichkeit, versteht sich) noch einen Abstecher machen: durch zwei Kanaltunnel und dann mitten hinein in den mächtigen Trog des Schiffshebewerks von Arzviller.

Für erste Spannung in einem unbekannten Revier sorgt traditionell die „Schleusenfrage“: Wie wird es hier gehandhabt – manuell, automatisch oder mit Schleusenwärter? Uns erwarten auf dieser Tour sowohl bediente Schleusen als auch solche, die wir in Gang setzen müssen.

Bereits wenige Minuten nach unserem Start in Saarbrücken beginnt die Kletterei. In der Schleuse Güdingen werden wir noch bedient, danach ist „Selbermachen“ angesagt. Dabei soll uns ein knallgelbes Bedienungsteil helfen, das wir in Güdingen erhalten haben. Taste „M“ leitet den Aufstieg ein, Taste „A“ den Abstieg.

Etwa einen Kilometer hinter Güdingen erreichen wir die deutsch-französische Staatsgrenze, die bis Sarreguemines exakt in Flussmitte verläuft.

Ingrid Bardenheuer am 30.09.2008