Canal lateral à lá Garonne Canal lateral à lá Garonne

Reise: Aquitaine / Frankreich

Kanal der Rosen

Bodo Müller am 28.02.2016

Der Canal de Garonne in der Provinz Aquitanien ist noch ein Geheimtipp für Charterer. Wir entdeckten ein reizvolles Hausboot-Revier zwischen Biskaya und Pyrenäen.

Fotostrecke: Frankreich: Canal de Garonne

Ein betörender Duft von Rosenblüten schwebt über dem Canal de Garonne. Überall blüht es knallrot an den ehemaligen Treidelpfaden längs der Wasserstraße. Heimlich wie ein Dieb schneide ich einen Zweig voller Rosenblüten ab, um damit die Flybridge unseres Hausbootes zu dekorieren.

Ein Radfahrer bremst scharf neben mir. Hat er mich beobachtet, wie ich Rosen klaue? "Bitte nehmen Sie mehr davon! Die Rosen überwuchern schon die Radwege."

Ich fühle mich erleichtert, doch kein Dieb zu sein, sondern etwas Gutes getan zu haben. Und ich habe gelernt, dass die ehemaligen Treidelpfade heute als Radwege genutzt werden.

Vom Atlantik zu den Pyrenäen

Wir lassen die Charterbasis von Le Boat in Castelsarrasin in unserem Kielwasser zurück und steuern unser Hausboot vom Typ Royal Mystique in Richtung Nordwesten, wo die Provinz Aquitanien vom Atlantik begrenzt wird. Ich gebe zu, dass ich vor unserem Törn noch nie etwas von Aquitanien gehört hatte. Es ist eine wasserreiche Provinz im Südwesten Frankreichs, die sich über eine Niederung zwischen den Pyrenäen im Süden und dem Ozean im Westen erstreckt.

Angeblich verlieh Julius Caesar dem vom Fluss Garonne geprägten Land den Namen Aquitanien. Über Jahrhunderte stritten sich die Mächte Europas um das fruchtbare Land zu beiden Seiten des Stromes.

Im Mittelalter fiel Aquitanien an England, wovon die Bewohner noch heute stolz erzählen. Drei Jahrhunderte lang sprach man hier englisch. Angeblich sei dies der Grund, warum die heutigen Bewohner Aquitaniens – im Gegensatz zu den Bewohnern anderer Teile Frankreichs – hervorragend englisch reden.

Der Canal latéral à la Garonne

Die Wasserstraße, auf der wir in Richtung Biskaya fahren, heißt offiziell Canal latéral à la Garonne, was so viel bedeutet wie: Seitenkanal der Garonne. Meistens sagt man aber nur Canal de Garonne. Er ist die westliche Verlängerung des Canals du Midi, beginnt in Toulouse und mündet oberhalb von Bordeaux in die dort schon tidenabhängige Garonne.

Der Canal du Garonne und der Canal du Midi stellen die schiffbare Verbindung zwischen Mittelmeer und Atlantik her, darum werden beide Kanäle auch zusammen Canal des Deux Mers genannt.

Der 196 km lange Canal de Garonne wurde zwischen 1844 bis 1856 als Umgehung für die schwer befahrbare Garonne gebaut. Er ist heute für die Frachtschifffahrt ohne Bedeutung und wird vor allem von Sport- und Hausbooten genutzt.

Ein Korridor aus Rosen und Platanen

Wir fahren durch einen Korridor von Rosen, danach folgen Schatten spendende Platanen wie am Canal du Midi. Die Schleusen sind kinderleicht zu bedienen. Bei der Ansteuerung dreht man an einer Stange, die an einem Stahlseil über dem Kanal hängt. Schon schaltet die Ampel auf Rot-Grün und der automatisierte Schleusenvorgang wird eingeleitet.

Auffallend ist, dass wir nahezu allein auf dem Kanal sind. Kein Boot fährt mit uns in die Schleuse, selten kommt jemand entgegen.

Obwohl der Canal de Garonne die Verbindung vom Canal du Midi zum Atlantik herstellt, ist der Schiffsverkehr hier deutlich geringer als auf dem Midi. Unser Tagesziel ist der Ort Moissac. Zwei Kilometer davor gibt es ein architektonisches Highlight zu bestaunen – die Pont-canal de Moissac. Auf einer 350 Meter langen Trog-Brücke wird der Canal de Garonne über den Fluss Tarn geführt.

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Bodo Müller am 28.02.2016