Charente Charente

Reise: Charente / Frankreich

Verliebt im zweiten Anlauf

Jürgen Straßburger am 02.10.2018

Die Charente hat es uns nicht leicht gemacht, sie zu mögen. Am Ende zog sie uns dann doch in ihren Bann

Laura, gute Fee im Basisbüro von Le Boat in Jarnac, macht einen perfekten Job: Nicht nur, dass sie uns in gutem Englisch durch die üblichen Papierprozeduren vor Beginn eines Chartertörns lotst, auch die aktuellen navigatorischen Probleme erklärt sie anhand der Gewässerkarte eindrucksvoll. Der Wasserstand der Charente ist nämlich sehr niedrig, als wir am 10. Juni 2017 das Boot übernehmen. Und da ist besonders oberhalb von Jarnac in Richtung Angoulême in einigen Flussabschnitten Vorsicht geboten.

Tückisch auch die kaum sichtbaren, knapp unter der Wasseroberfläche liegenden, ausladenden Verstärkungen der Brückenpfeiler. "Also immer schön in der Mitte des Bogens durch".

Und welche Strecke empfiehlt Laura für einen einwöchigen Törn? "Erst rauf, Richtung Angoulême, vielleicht bis Châteauneuf und dann zu Tal, etwa bis Saintes. Dann kennen Sie zwei sehr unterschiedliche und sehr typische Flussabschnitte".

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Abendlicher Bummel durch Jarnac: Es riecht nach vergorenem Wein. Die Lager der Destillerie von Louis Royer liegen gleich um die Ecke. Das Geburtshaus des ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand mit Flaggenschmuck und Gedenktafel ebenfalls. Ein kleines Museum zu seinen Ehren am Ufer des Flusses. Gegenüber, am linken Ufer, das gewaltige Maison Tiffon-Braastad, Stammhaus der gleichnamigen Cognac-Dynastie.

Nördlich der Brücke der Schlossplatz mit dem Château Courvoisier, ein vor allem in Deutschland sehr geschätzter Cognac.

Ein paar Bistros und Restaurants rund um den Platz. Die Einkaufsstraße "Grand Rue" ist menschenleer, etliche Geschäftsräume sind wegen Aufgabe verrammelt, viele zu verkaufen: "à vendre"! Sinnbild des Niedergangs der französischen Provinz, aber doch von einem diskreten Charme.

Beim Einkauf am Sonntagmorgen (Intermarché Super sonntags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet) freuen wir uns über unser Mietauto, denn es sind zwei Kilometer bis zum Supermarkt. Getränke, ein Grundeinkauf fürs Frühstück und für einen Happen zwischendurch. An Bord kochen wollen wir nicht – schon gar nicht bei der Hitze, die die Region schon seit Tagen kirre macht.

Leinen los: Jarnac ist unsere erste Schleuse und Manni (der Muffelkopp von der "Meckerecke", an Bord einer der besten Kumpels, die man haben kann!) und ich haben unsere Arbeitsteilung an Schotten und Schleusentoren schnell gefunden.

Die grünen Schwungscheiben, mit denen Schotten und Torstangen bewegt werden, sind perfekt geschmiert und laufen entsprechend. Keine Schleuse hält uns länger auf als 20 bis 30 Minuten. Was natürlich auch daran liegt, dass wir (bis auf eine einzige Ausnahme) auf dem gesamten Törn alleine schleusten und auch nur einmal auf einen Entgegenkommer warten mussten.

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Die gnadenlose Sonne macht uns auf der Flybridge zu schaffen. Ein Bimini hat das Boot nicht. Da aber ein schwerer Schirmständer auf der Fly liegt, muss es auch einen Sonnenschirm geben. Ich durchkämme das Schiff, jeden Winkel, jede Kiste, unter den Kojen… Nichts. Das werden wir ändern müssen, wenn wir die Woche ohne Sonnenstich überleben wollen!

Das Örtchen Graves bietet einen schattigen Liegeplatz am 25 m langen Steg. Wie gemacht für eine Mittagspause. Am Ufer aus dem Boden ragende Kabel und Schläuche deuten an, dass es hier wohl bald eine Servicesäule mit Wasser und Strom geben wird.

Graves: Ein gutes Dutzend Häuser, die trutzige romanische Kirche Saint-Martin und eine Weinkellerei. Doch uns ist bei dieser Hitze und um diese Zeit partout nicht nach Cognac, Wein oder Pineau.

Viel zu früh verlassen wir unser schattiges Plätzchen, um unser Tagesziel, Saint-Simon anzusteuern. Der knapp 200 m lange Quai ist gnadenlos der Sonne ausgesetzt. Ab in die Koje und geschlafen, bis die Sonne ein wenig tiefer steht. Dann wagen wir den Aufstieg ins Dorf. Der Gewässerführer hat uns nicht nur das kleine Schifffahrtsmuseum "Maison du Gabariers" empfohlen, sondern auch das Restaurant "La Chabourne".

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Später Nachmittag und Abend sind also gesichert: Erst das Museum, dann das Restaurant. Am Kirchplatz finden wir ein geschlossenes Bistro, das erst am 22. Juni eröffnet wird und auch nicht "La Chabourne" heißt. Aber wen fragen? Das Museum ist inzwischen geschlossen und die Straßen sind menschenleer. Plötzlich hält ein Auto am Stoppschild einer Nebenstraße. Ich springe hin: "Bonsoir Madame…" und versuche der Fahrerin mit gebrochenem Französisch unser Problem zu erklären.

"Im Ort gibt es kein Restaurant mehr", sagt sie "und das neue Bistro macht erst in ein paar Tagen auf". "Und wo ist das nächste Restaurant?", frage ich zaghaft. "In Vibrac", sagt Madame "wenn Sie wollen, fahre ich Sie hin". 

Schon wieder scheint der Abend gerettet. Gut zwei Kilometer sind es bis zum "Les Ombrages" und in unserer Vorfreude denken wir nicht darüber nach, wie wir von dort zurückkommen…

Madame hält vor dem Restaurant. Es sieht sehr tot aus. Sind wir die ersten Gäste? Am Eingang des Rätsels Lösung: "Fermé le dimanche", Sonntag geschlossen. Was hilft es da, dass in unserem Gewässerführer steht: "Kein Ruhetag". Und jetzt? Wir wagen nicht, zu fragen. "Soll ich Sie zurückfahren?" fragt unser Engel und schwere Steine fallen uns vom Herzen.

Madame hält am Beginn der Quais von Saint-Simon: "Ich wohne hier", sagt sie "Ihr Boot liegt wohl ein bisschen weiter unten". "Merci beaucoup et bonne soirée Madame".

Wir wissen, wo die nette Dame wohnt und welches ihr Auto ist. Das wird Folgen haben: Am Ende unseres Törns werden wir mit dem Leihwagen nach Saint-Simon fahren, bewaffnet mit einem Dankesbrief, unseren Visitenkärtchen und einer guten Flasche Pineau. Alles wird als kleines Dankeschön auf der Kühlerhaube von Madames Auto drapiert.

Als wir nach Hamburg zurückkommen, haben wir bereits eine Dankes-E-Mail auf dem Rechner: Merci beaucoup encore, Elisabeth! 

Am Abend in Saint-Simon aber bleibt die Küche kalt. Das am Vormittag gekaufte Baguette war ja noch halbwegs frisch.Am nächsten Morgen ist das anders und einen Bäcker gibt es in Saint-Simon nicht.

Also hungriger Aufbruch nach Châteauneuf-sur-Charente. Nach 1 ½ Stunden machen wir am schönen, mit Wasser und Strom ausgestatteten Liegeplatz an der Île de la Fuie fest. Über eine Brücke erreichen wir das Städtchen. Zum Supermarkt sind es nur 400 m und das frische Baguette duftet herrlich.

Der Ort macht einen verlassenen Eindruck. Rund um den Place de la Liberté mit einem klassizistischen Rathaus entdecken wir die Schilder von ein paar, am Morgen natürlich noch geschlossenen, Restaurants und Bistros. Das hat Perspektive für den heutigen Abend.

Uns zieht es aber erst mal nach Saint-Simeux. Die Beschreibung des von einem englischen Ehepaar betriebenen Pub-Restaurants "Les Gabariers" hat uns neugierig gemacht (www.pubgabariers.com)

Das glasklare Wasser der Charente lässt uns Grund und Abgrund des Flusses gut erkennen. Vor der rustikalen, aus großen Natursteinen bestehenden Uferbefestigung vor dem Restaurant liegen dicke Klamotten. Man muss schon recht kaltblütig sein, um dort anzulegen. Also machen wir am  untiefenfreien Anleger am gegenüberliegenden Ufer fest. Der Blick von der Brücke Richtung Norden über das Wehr und auf den Ort Saint-Simon entschädigt reichlich für den Umweg.

Der Pub ist originell und gemütlich. Das Essen ist lecker und es gibt etliche Sorten englischen Bieres. An Wochenenden sind Live-Konzerte, vor allem Rock und Blues, angesagt. Auf jeden Fall ein interessanter Tipp.
Zurück nach Châteauneuf. Die Liegestelle an der Insel liegt jetzt im Schatten, den wir an Bord bei einem Bier genießen.

Gegen 20 Uhr zieht uns der Hunger ins Städtchen. Restaurant "Le Palais": montags geschlossen; Bistro "Chez Ludo" aufgegeben, Restaurant "Graines et Garennes": Montagabend geschlossen; "Le Soleil d’Or": nicht gefunden.

Bleibt noch "La Tonnelerie" an der Schleuse, ein gemütlich aussehendes Haus, an dem wir heute ja schon zweimal mit dem Boot vorbeigefahren sind. Und es kommt, wie es kommen muss: "Fermé le lundi" (Montag geschlossen). Ein ganzes Städtchen macht dicht. Und frisches Baguette kriegen wir jetzt auch nicht mehr: Leben wie Gott in Frankreich…

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Nun muss ja mal die Frage kommen, was eigentlich mit der Landschaft zwischen Jarnac und Saint-Simeux ist. Wie sehen denn die Ufer des Flusses aus und was steckt dahinter? Wenn ich es doch wüsste! Die Ufer der Charente sind in diesem Abschnitt nämlich durchgängig mit einem schmalen, aber äußerst dichten  "Grünstreifen" aus Bäumen, Büschen und Wildwuchs bewachsen, der an keiner Stelle den Blick in das dahinterliegende Gelände freigibt.

Wir fahren also in einem grünen Schlauch, dessen einziger Reiz im klaren Wasser des Flusses und dem bei diesem Traumwetter nuancenreichen Farbspielen in Grün besteht. Ankern und Baden wäre noch eine Option! Da unser Boot aber keine Badeleiter hat, müssen wir auch darauf verzichten.

Talfahrt: Von jetzt an wird alles anders. Schließlich hatte uns Laura zwei sehr verschiedene Flussabschnitte versprochen. Kurzer Zwischenstopp an der Basis in Jarnac: Der Sonnenschirm ist schon mal ein gewaltiger Fortschritt.

Unterhalb von Jarnac wird das "Uferbegleitgrün" lichter, der Fluss bekommt eine bis dahin nicht gespürte Leichtigkeit. Sanft und seicht steigen Wein-, Mais- und Getreidefelder vom Ufer auf. Ein kleines Dorf wird sichtbar oder auch ein Château, wie beispielsweise in Saint-Brice, wo das Schloss hinter einem gepflegten Park und einer in Bronze gegossenen Jagdszene sichtbar wird.

Oder schon abgeerntete Getreidefelder, auf denen die gigantischen Pellets geometrische Strukturen bilden und den anmutig dazwischen stolzierenden Störchen reiche Beute bieten. Und immer wieder Reben, Reben, Reben in akkuraten Spalieren, die aber nicht auf Wein-"bergen", sondern auf flachen Weinfeldern, allenfalls seichten -hügeln wachsen.

Und dann Cognac, nicht der flüssige, sondern die Stadt. Schon unter den Bögen der Straßenbrücke wird der Blick frei auf die eindrucksvolle Kulisse am linken Ufer: Das Schloss, in dem Ritterkönig François I.

1494 geboren wurde, und das seit 1795 der Cognac Dynastie Otard-Dupuy als Lager und Handelshaus dient. Dann das markante Stadttor "Porte St.-Jacques" und schließlich das Hauptgebäude der Destillerie "Hennessy". Cognac also, wo immer man geht und steht.

Da der Sportboothafen unterhalb von Hennessy rammelvoll ist, machen wir am Quai am rechten Ufer direkt gegenüber vom Schloss fest, ohne Service zwar, aber mit atemberaubender Aussicht auf die Uferfront der Stadt.
Über die Straßenbrücke sind wir rasch am Stadttor und in der gepflegten und wirklich sehenswerten Altstadt. 

Wer weiß, dass Baudoinia compniacensis nicht nur ein Pilz, sondern auch ein Alkoholliebhaber ist, wird verstehen, dass der sich am liebsten in der Nähe von mit Cognac gefüllten Eichenfässern aufhält, denen ständig alkoholisierte Dämpfe entweichen. Schade nur, dass der Pilz schwarz ist und am liebsten auf Häuserfassaden siedelt. So nimmt er den Häusern im Bereich von Cognac-Lagern ihren Glanz.

Dem Charme von Cognac tut das keinen Abbruch. Am Abend scheint sich die ganze Stadt unter der Reiterstatue von François I. auf dem gleichnamigen Platz zu versammeln, um gemeinsam mit dem Ritterkönig in einer der zahlreichen Bars und Bistros erst einen Aperitif und später das Abendessen zu genießen: Leben wie Gott in Frankreich…

Schon halbwegs mit der Charente versöhnt, verlassen wir Cognac. Erstes Tagesziel ist das 35 km entfernte Saintes. Mit 25 000 Einwohnern ist Saintes größer als Cognac (18 000) und hat auch noch einiges mehr an Sehenswürdigkeiten zu bieten.

Gleich beim Sportbootanleger oberhalb der Fußgängerbrücke (ein solider Schwimmsteg mit Wasser und Strom) der römische "Ehrenbogen des Germanicus" (19 nach Christus).

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Am anderen Ufer des Flusses, über die Fußgängerbrücke schnell erreicht, die Altstadt mit einem lebhaften Markt im Schatten der Kathedrale Saint-Pierre, der Pilgerkirche Saint-Eutrope (UNESCO Weltkulturerbe) und den sehenswerten Resten eines römischen Amphitheaters.

Das reicht für mehr als einen Tag, zumal das Schlendern durch die Fußgängerzone zwischen linkem Flussufer und der Rue Alsace-Lorraine ein anregendes Vergnügen ist.

Insofern lagen wir falsch, für die Übernachtung das zehn Kilometer oberhalb liegende Örtchen Chaniers anzusteuern. Ein mausetotes Dorf, in dem wir keines der von unserem Gewässerführer versprochenen Restaurants finden können. Der kleine Supermarkt öffnet (wenn überhaupt) erst um 16 Uhr. Immerhin finden wir einen Automaten mit Baguette jenseits der Bahngleise.

Also noch mal neun Kilometer zu Berg bis zum Anleger an der Freizeitanlage Rouffiac. Dort hatten wir heute früh bei der Vorbeifahrt einige junge Leute in dem Bistro "les Clapotis" werkeln sehen. Das wär’s doch für heute Abend.

Wäre…, wenn man nicht erst morgen, am 15. Juni, öffnen würde: "Und Frühstück gibt es morgen auch noch nicht". Also zweimal Baguette aus dem Automaten: halbwegs frisch heute Abend und zäh morgen früh!

Von den Unberechenbarkeiten unserer Gewässerführer verunsichert, gehen wir für den nächsten Tag auf Nummer sicher: In Bourg-Charente soll es das sternengekrönte Restaurant "La Ribaudière" geben. Um sicher zu gehen, rufen wir an und bestellen einen Tisch: Wie schön: Das Restaurant gibt es wirklich und Ruhetag ist auch nicht (www.laribaudiere.com)

Auf dem Weg nach Bourg-Charente machen wir Zwischenstation in Chez Landart, einem Dörfchen, das nur aus der Winzerei von Christian Babinot zu bestehen scheint. Wein, Pineau und Cognac aus eigener Produktion werden im kleinen Hofladen angeboten. Da kann man schon mal ein Mitbringsel kaufen. Und natürlich einen feinen Pineau für unseren liebenswürdigen Straßenengel in Saint-Simon.

Brutal in der Sonne liegt die Liegestelle in Bourg-Charente und so verkriechen wir uns zum Aperitif erst einmal auf die schattige Terrasse der Bar du Port.

Und auf der Terrasse des "La Ribaudière" findet nicht nur der Abend, sondern unser gesamter Törn einen glanzvollen Höhepunkt. Das Menü ist köstlich, der Wein ausgezeichnet und der Preis angemessen. Der Cognac zum Café eine Hommage an die Region. Leben und Essen wie Gott in Frankreich!

Laura hat Recht gehabt, als sie von zwei sehr unterschiedlichen Flussabschnitten sprach. Und so sind wir ein wenig traurig, dass dies nun schon unser letzter Törntag sein soll. Haben wir uns am Ende – im zweiten Anlauf – doch ein bisschen in die Charente verliebt? 

TIPPS
▪ La Ribaudière ist der Name des famosen Sternerestaurants in Bourg-Charente. Da nur wenige Kilometer von der Charterbasis in Jarnac entfernt, kann man hier in Seelenruhe den letzten Törnabend zelebrieren. Nicht vergessen, am Vortag einen Tisch zu reservieren: www.laribaudiere.fr

▪ Maison des Gabariers heißt das kleine Schifffahrtsmuseum in Saint-Simon, das vor allem der "Gabare" gewidmet ist, dem klassischen Lastkahn der Charente, der bis 1906 in Saint-Simon gebaut wurde. Geöffnet 10–12.30 und 14–18 Uhr.

LITERATUR
▪ Kanalführer 06 "La Charente", Editions du Breil, Castelnaudry. dreisprachig: deutsch, englisch, französisch. ISBN 978-2-913120-33-4. Preis 18,50 €. Dieser Band ist bei Booten von Le Boat an Bord.
▪ Fluviacarte 25 "la Charente", Editions de LʼEcluse, Paris. dreisprachig: deutsch, englich, französisch. ISBN 978-2-916919-03-4. Preis 20 €.

Beide Kartenwerke bieten nautisch korrekte Gewässerkarten mit ausreichender Beschreibung der Sehens-
würdigkeiten. Die Darstellung des Versorgungs- und Service-Angebots
ist in beiden Bänden nicht immer
auf dem neuesten Stand.

CHARTERN
Mit Charterstationen in 8 europäischen Ländern ist Le Boat nach eigener Aussage die "Nummer 1" unter den Hausbootanbietern in Europa. Auf der Charente, nördlich von Bordeaux und unweit der französischen Atlantikküste werden ab/an Jarnac 19 verschiedene Hausboottypen von 2 + 2 bis 10 + 2 Kojen angeboten.
Information und Buchung: Le Boat c/o Crown Blue Line GmbH, Thedor-Heuss-
Straße 53–63, 61118 Bad Vilbel.
Tel. 06101-8 07 30 22. www.leboat.de

UNSER BOOT
Die von uns gecharterte Clipper ist ein fast perfekt (Sonnenschirm und Badeleiter fehlten!) ausgestattetes 4 (+2) Personen-Boot mit zwei Doppelkabinen, zwei Nasszellen und komplett ausgestatteter Pantry. Wochenpreise 1540 bis 2920 € zzgl. 8,37 € pro Betriebsstunde (Stand 2017).

FÜHRERSCHEIN
Die in Frankreich angebotenen Hausboote dürfen ohne Führerschein geführt werden. Skipper privater Boote müssen den Boots- führerschein besitzen, der im Heimatland zum Befahren vergleichbarer Gewässer erforderlich ist.

REVIER
Die Charente ist ein kleiner Küstenfluss, der bei Chéronnac entspringt und nach 361 Kilometern bei Port-des-Barques im Atlan-
tik mündet. Sie ist von der Mündung bis Angoulême auf 147 Kilometern schiffbar. Davon sind 54 Kilometer Tiden- und See-
gewässer (Mündung bis Saint-Savinien). Oberhalb von Saint-Savinien wird die "Binnencharente" durch 21 Schleusen reguliert. Die Strömungsgeschwindigkeit bei normalem Wasserstand liegt bei 2 bis
3 km/h.

SCHLEUSEN
Auf der von uns zu Berg und zu Tal befahrenen 70 Kilometer langen Strecke zwischen Saint-Simeux und Saintes gibt es zwölf Schleusen. Elf davon müssen von der Crew per Hand bedient werden, eine (La Baine) ist automatisiert und wird per Knopfdruck gesteuert. Die Hubhöhen liegen zwischen 0,60 m (la Baine) und 1,90 m (Châteauneuf). Die Kammern haben eine Größe von 34,00 m x 6,50 m.

ANREISE
Von Hamburg bis zum Charterstützpunkt Jarnac sind es mit dem Auto 1400 km, von Frankfurt immer noch gut 1000 km. Da lohnt es sich, über einen Flug nachzudenken. Die Verbindung Hamburg – Bordeaux – Hamburg über Paris gibt es bei Air France ab 230 €, Frankfurt – Bordeaux – Frankfurt direkt ab 200 €. Ab dem Flughafen von Bordeaux bucht man am besten für die Charterdauer einen Mietwagen, was (bei einer Woche) nicht wesentlich teurer ist, als der 225 € pro Tour (jeweils 130 km) kostende Taxitransfer, dafür vor Ort aber volle Flexi-
bilität garantiert – etwa zum Einkaufen.

Diese Reise stammt aus BOOTE-Ausgabe 11/2017

Jürgen Straßburger am 02.10.2018