Straßburg Straßburg

Revier: Straßburg

Eine Stadt mit Geschmack

Dieter Wanke am 11.12.2017

Straßburg hat eine Menge zu bieten – kulturell, historisch und kulinarisch. Wir haben die Hauptstadt des Elsass mit dem Boot besucht

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Kurz vor der Abfahrt kommt die Nachricht, dass wir unser Charterboot für den "Straßburg Kurztrip" nicht wie üblich in Boofzheim übernehmen können. Neuer Abfahrtsort ist Krafft. Dauerregen hatte in den letzten Wochen den Wasserstand überall stark ansteigen lassen. Deshalb wurden auf dem schiff­baren Rest des alten Nordabschnitts des Rhein-Rhône-­Kanals, den wir bis Straßburg befahren wollen, kurzfristig einige Schleusen geschlossen.

Das nördliche Teil­stück führte ursprüng­lich von Mülhausen über Colmar nach Straßburg. Da es für große Frachter zu klein bemessen war, ist seine Blütezeit lange vorbei. Der größte Teil von Mühlhausen bis kurz vor Boofzheim wurde schon im vergangenen Jahrhundert stillgelegt und verfällt; eine Verbindung zum heute noch schiff­baren Abschnitt, der letztlich bis in die Saône führt, besteht daher nicht mehr.

Wir übernehmen die gut 13 Meter lan­ge Mystique vom Vercharterer Le Boat schließ­lich am Anleger des Wasser- und Schifffahrtsamtes in Krafft, den der Anbieter als Ausweichhafen nutzt. Das spart etwa zehn Kilometer mit ein bis zwei Stunden Fahrzeit und drei Schleusen. Die Hebewerke können selbst bedient werden.

Man sollte eine frühe Abfahrt am Vormittag buchen, denn ansonsten ist die Strecke nach Straßburg wegen der Öffnungszeiten der Schleusen nicht machbar.

Gleiches gilt für die Rückgabe, die erst nachmittags erfolgen kann. Der beschauliche Weg auf dem von Bäumen gesäumten Kanal führt durch dünn besiedelte Kulturlandschaft. Anreize für Stopps in einem der winzigen Dörfer gibt es nicht.

Nach vier Stunden mit sechs Schleusen und einer automatisch geöffneten Brücke in Straßburg erreichen wir die Schwimmstege von Europe Boat Trading, die als neuer Freizeithafen der Stadt dienen. Die alte Marina am Hospital direkt vor der Altstadt gibt es leider nicht mehr, die Anleger fielen einer Umgestaltung des Areals zum Opfer. Und da das innere Netz der Wasserstraßen in Straßburg nur von Ausflugsbooten oder Kanus befahren werden darf, ist der Weg ins Zentrum nun etwas weiter. Dafür liegt man in der gepflegten Anlage bei sehr gutem Service hervorragend, und zur Altstadt mit der Kathedrale führt ein gut zwei Kilometer langer Spaziergang – oder die Straßenbahn.

Es gibt viel zu entdecken in den malerischen Gassen von Straßburg: Die Stadt blickt immerhin auf eine über 3000-jährige, äußerst bewegte Siedlungsgeschichte zurück. Schon die Gal­lier und die Römer lebten auf der "Grande Île" und um sie herum. Die Große Insel wird von zwei Armen des Flusses Ill umströmt, der hinter Straßburg in den Rhein fließt; sie bildet das alte Zentrum und zählt zum UNESCO-­Weltkulturerbe. In der jüngeren Geschichte wechselte die Herrschaft über die Stadt immer wieder zwischen Deutschland und Frankreich; heute spielen Grenzen in diesem sogenannten Eurodistrikt fast keine Rolle mehr.

Das komplette Revierporträt über Straßburg lesen Sie in der Januar-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 13. Dezember 2017 am Kiosk gibt.

Dieter Wanke am 11.12.2017