Ebrodelta Ebrodelta

Revier: Ebrodelta / Spanien

Goldene Küste

Dieter Wanke am 25.08.2019

Eine Reise an die Costa Daurada im Süden Kataloniens führt in ein wenig bekanntes Revier an der Mündung des Ebro und ein Vulkanarchipel der besonderen Art

Das Ebrodelta liegt nicht im Zentrum der Touristenströme von Katalonien. Wer in Barcelona ankommt, hat noch rund zwei Autostunden in Richtung Süden vor sich, bis das Ziel in Sicht ist.

Doch wer die Mühe nicht scheut, kann sich in einem originellen Wassersportrevier tummeln, das vom Massentourismus bisher nur gestreift wurde.

Das Mündungsgebiet des Ebro, übrigens der zweitlängste Fluss in Spanien, ist mit seiner Fläche von 320 Quadratkilometern auch das zweitgrößte Feuchtgebiet des Landes.

Hier wächst die bekannte Reissorte Arroz Bomba, der in der Nationalspeise Paella zum Einsatz kommt. In den nährstoffreichen Lagunen gedeihen Austern und Muscheln in riesigen Zuchtanlagen, die sich mit dem Boot erkunden lassen; Verköstigung inklusive.

Meersalz wird auf der Insel la Banya gewonnen. Das Sumpfland ist aber auch ein Paradies für Tier- und Pflanzenarten, unter anderem gibt es hier Flamingos. Deshalb steht ein Drittel der Fläche unter Naturschutz und bildet den Parc Natural del Delta de l'Ebre.

Mit den Islas Columbretes wartet ein besonders Highlight vor der Küste. Die Vulkaninseln – ebenfalls Naturschutzgebiet – können mit der Yacht besucht werden.
 

Fotostrecke: Ebrodelta

1. Sant Carles de la Ràpita

An der Südseite der Ebromündung liegt die Kleinstadt Sant Carles de la Ràpita mit einem großen Yacht- und Fischerhafen, in den zwei Marinas mit insgesamt rund 1500 Liegeplätzen integriert sind, der Club Náutic (www.cnrapita.com) und die Sant Carles Marina (www.mdlmarinas.co.uk/mdl-sant-carles-marina).

Ab der Saison 2019 plant der Charteranbieter Cruesa (www.cruesa.com) aus Palma de Mallorca hier mindestens eine Segel- und eine Motoryacht zu stationieren. Der Standort ist ein guter Ausgangspunkt zur Erkundung der gesamten Küstenregion. Von einer Tankstelle über Servicebetriebe bis zum 75-Tonnen-Travellift ist sämtliche Infrastruktur vor Ort verfügbar.

2. Puerto de los Alfaques

Der große Naturhafen befindet sich in der Lagune an der Südseite des Ebrodeltas. Er dient auch als gewaltiges Zuchtbecken für Austern und Muscheln. Hier kann man am Musclarium (www.musclarium.com) festmachen und die köstlichen Meerestiere direkt beim Züchter in einem herrlichen Ambiente verkosten.

3. Islas Columbretes
Die Columbretes sind eine Inselgruppe vulkanischen Ursprungs, die sich etwa 30 Seemeilen östlich vor der spanischen Mittelmeerküste befinden. An der Hauptinsel Columbrete Grande, die vom oberen Rand der Caldera geformt wird, gibt es an der  Nordostseite eine Einfahrt in die Bucht Puerto Tofino. Hier warten zehn kostenlose Bojen auf Gastlieger. Drei Bojen auf der Westseite lassen sich bei Seegang aus
Nordosten nutzen. Es kann übernachtet werden, auch mehrtägige Besuche sind möglich. Reservieren geht leider nicht. Führungen werden von den dort lebenden Parkwächtern angeboten. Dazu ist ein Dingi erforderlich. Zwei weitere Bojen liegen westlich der Nachbarinsel Foradada und eine westlich der Isla Ferrera. An diesen Bojen darf nicht übernachtet werden. Taucher und Schnorchler sollten sich die Erkundung der Unterwasserwelt nicht entgehen lassen. Individuelles Tauchen bedarf einer Genehmigung: E-Mail: parque_columbretes@gva.es Die Inseln werden gerne als Zwischenstopp bei der Überfahrt auf die Balearen genutzt.

4. Castellón de la Plana
Die Provinzhauptstadt liegt bereits in der Region Valencia. Ausgehend von der maurischen Burg Fadrell, wurde die Stadt 1251 nach der Eroberung des Königreichs Valencia gegründet. Hier gibt es einen großen Industrie- und Fischereihafen, in dem auch der Real Club Náutico (http://www.rcncastellon.es) seine Stege hat. Beliebt ist das maritime Viertel um den Hafen. Hier ist die Plaza del Mar mit Restaurants und Kneipen Treffpunkt von Einheimischen und Besuchern. Castellón de la Plana liegt mit nur 30 Seemeilen am nächsten an den Islas Columbretes.

5. Peñíscola
Das Zentrum der Altstadt von Peñíscola bildet die stattliche Zitadelle aus dem 14. Jahrhundert. Die Burg kann besichtigt werden. Die Gemäuer sind ein beliebtes Ziel überwiegend einheimischer Touristen. Der Hafen darf nur von örtlichen Fischern und Dauerliegern genutzt werden. Wer einen kurzen Stopp plant, kann fragen, ob er kurzfristig an einem Fischerboot festmachen darf. Ansonsten gibt es einen herrlichen Ankerplatz vor dem
Hafen. Zahlreiche gastronomische Angebote befinden sich in der Altstadt sowie in der Nähe der Strände.

6. L'Ampolla
Die Kleinstadt L'Ampolla am nördlichen Ende des Ebrodeltas befindet sich seit ihrem Anschluss an die Autobahn 2001 in einem Aufschwung. Die Hälfte der Bewohner sind Ausländer, insbesondere aus der Schweiz. Links neben der Hafeneinfahrt des Fischereihafens ist der Club Nàutic (http://www.nauticampolla.com) mit 500 Liegeplätzen. Gastplätze gibt es an der Innenseite der Außenmole, Ankerplätze davor. Eine Tankstelle ist ebenso vorhanden, wie Sanitäranlagen und ein Kranservice.

7. Puerto del Fangar
Puerto del Fangar ist eine große Lagune im Norden der Ebromündung bei L'Ampolla. Auch dieses Becken ist von der Austern- und Muschelzucht durch Mirador de la Badia (http://www.miradorbadia.com) geprägt. Kostproben sind nach telefonischer Absprache möglich. Im Norden um den Leuchtturm lauern auf beiden Seiten flache Sandbänke, aber auch Flamingos. Die Bucht ist fischreich und bei Anglern sehr beliebt.

8. L'Ametlla del Mar
Der Ort ist kaum vom Tourismus geprägt. Hier dominiert noch der Fischfang. Im Hafen ist eine große Flotte stationiert, die auf Thunfische spezialisiert ist und den meisten Platz im Hafen einnimmt. Im vorderen Teil neben der Einfahrt befindet sich der örtliche Club Nàutic (http://www.cnametllamar.com) mit 255 Liegeplätzen. Gastlieger fahren ins erste Becken. Die Plätze sind an Backbord. Tankstelle, Reparaturservice und eine Sliprampe sind vorhanden. Empfehlenswert ist auch das Restaurant des Club Nàutic. Lohnend ist ein Besuch der nachmittags stattfindenden Fischauktion direkt im Hafen und ein Ausflug zur Aquafarm für Blauflossenthunfische, mit denen man sogar schwimmen kann.
 

Diesen Revierbericht lesen Sie in der August-Ausgabe 2018 von BOOTE.
Das Heft ist im DK-Shop erhältlich.

Dieter Wanke am 25.08.2019