Rio Douro, Portugal Rio Douro, Portugal

Törn: Rio Douro / Portugal

Ruby, Tawny, White

Christian Tiedt am 24.09.2014

Quer durch den malerischen Norden Portugals folgten wir dem Fluss von der rauen Atlantikküste bis zu den sonnengebleichten Terrassen des Cima Corgo.

Rio Douro, Portugal

Mit dem Charterboot auf der Spur des Portweins: Auf dem Douro zwischen Porto und Pinhao.

Zu beiden Seiten des Korridors lagern die Fässer in langen Reihen. Sie ruhen Bauch an Bauch, nebeneinander und übereinander. Dutzende, Hunderte, Tausende. Das schwache Licht der wenigen Lampen macht die Beschriftungen der einzelnen Pipes und Balseiros lesbar, die mit Kreide geschrieben oder mit
Schablone aufgemalt sind und verraten, was sich im dunklen Inneren jedes einzelnen Fasses verbirgt: LBV, Old Tawny oder Reserva – es ist Portwein, der im Halbdunkel hier unten langsam zur Reife dämmert.

Rio Douro, Portugal

Mit dem Charterboot auf der Spur des Portweins: Auf dem Douro zwischen Porto und Pinhao.

Draußen, auf dem Nordufer des Rio Douro, liegt die Stadt, die der Wein weltberühmt gemacht hat: Porto. Von ihrem Hafen aus werden die Fässer verschifft. Gelagert werden sie allerdings hier, auf dem Südufer in Vila Nova de Gaia. Keller und Kavernen durchziehen den Fels oberhalb des Flusses; der dicke Granit schützt auch im Sommer vor der Hitze und garantiert die gleichbleibende, gemäßigte Temperatur, die der Wein zum Reifen benötigt.

Rio Douro, Portugal

Mit dem Charterboot auf der Spur des Portweins: Auf dem Douro zwischen Porto und Pinhao.

Das Gewölbe, durch das wir uns wie in einem Labyrinth bewegen, gehört der Firma W. & J. Graham’s, einem der bekanntesten und ältesten Hersteller von Portwein. Zwar sei das Unternehmen seit 1820 ununterbrochen in englischem Familienbesitz, doch ein großer Name allein garantiere noch keinen guten Wein, erklärt man uns. Gleich fünf Cousins kümmern sich deshalb derzeit um die verschiedenen geschäftlichen Aufgaben.

Seinen Anfang nimmt der Portwein aber nicht hier im Felsen von Vila Nova de Gaia, sondern weiter landeinwärts, auf den steilen, sonnengebleichten Terrassen des oberen Dourotals: Dort liegt das älteste definierte Weinanbaugebiet der Welt; seine Grenzen wurden bereits 1756 abgesteckt. Die zerklüftete Landschaft hat sich seither kaum verändert, und die staubigen Straßen winden sich in Haarnadelkurven an den Hängen entlang, über die sich das gewellte Muster der Rebstöcke zieht.

Bis die ersten Lkws über die Hügel im Norden Portugals rumpelten, war der Douro der wichtigste Verkehrsweg in der schwer zugänglichen Region – und das, obwohl der Fluss erst in den Siebzigerjahren durch Staustufen gebändigt wurde. Die durchschnittliche Fallhöhe der fünf Schachtschleusen beträgt mehr als 20 Meter, in Carrapatelo sind es sogar 35 Meter.

Selbst heute hat sich der Douro seine wilden Abschnitte bewahrt, wie wir noch selbst herausfinden werden, doch früher muss er reißend gewesen sein. Von den Weingütern wurden die Fässer mit Rabelos zu Tal geschafft, flache Holzkähne mit großer Breite, die mit langen Rudern gesteuert wurden und sich in den Stromschnellen frei drehen konnten. Die Fässer an Bord sollen dabei immer nur so weit gefüllt gewesen sein, dass sie noch schwimmfähig blieben – nicht nur, damit sie im Falle eines Schiffbruchs später stromabwärts wieder geborgen werden konnten, sondern um zusätzlich als letzte Rettung für die Besatzung zu dienen.

Inzwischen transportieren die Rabelos überwiegend Touristen zu den Quintas, wie die Weingüter genannt werden. Statt Ruder oder Segel sorgt ein gut versteckter, kleiner Motor für den Antrieb. Die Zähmung des Flusses hat dazu geführt, dass man die vorbeiziehende Landschaft in voller Ruhe genießen kann – und genau deshalb sind wir hier. Auch wir wollen den Douro für uns entdecken – allerdings mit dem Charterboot. Im Verlauf einer Woche wollen wir gemächlich stromaufwärts reisen, von Porto über 130 Kilometer bis nach Pinhão im Cima Corgo, dem Herzen des uralten Weingebietes.

Über eine steinerne Treppe und durch einen schmalen Gang gelangt man zur "Schatzkammer" von Graham’s: Hinter einer schweren Gittertür lagern hier Flaschen, dick vom Staub der Zeit bedeckt: Die älteste stammt aus dem Jahr, als Königin Isabella II. de Borbón im Nachbarland Spanien vom Thron vertrieben wurde: 1868.

Unsere Greenline 40, die wir am Vortag übernommen haben, ist dagegen nagelneu. Gleiches gilt im Grunde für die Charterfirma Feeldouro, der das Boot gehört, und für die Douro Marina selbst, unseren Startpunkt. Die moderne Hafenanlage, ausgestattet mit allem Drum und Dran, liegt auf dem Südufer des Flusses, nur etwa einen Kilometer von seiner Mündung und dem weißen Sandstrand von Cabedelo entfernt. Die Wucht des Atlantiks brechen zwei mächtige Molen, aber der Tidenhub von etwa zweieinhalb Metern und der spürbare Schwell lassen uns seine Nähe an den Schwimmstegen dennoch spüren.

"Vintage", "Ruby" oder "Tawny": Selbst die Boote von Feeldouro sind nach Portweinsorten benannt. Unser Boot heißt "White". Dass es auch Weißen gibt, werden wir allerdings erst am nächsten Tag bei Graham’s erfahren. Die Ausstattung kann sich sehen lassen, und bei den Accessoires an Bord ist die Liebe zum Detail unübersehbar.

Eher praktisch sind dagegen die stilvollen Strohhüte (im Sommer sicher unerlässlich) und das portugiesische Mobiltelefon für den Kontakt mit der Basis (immer hilfreich). Apropos Details: Im Kühlschrank finden wir zwar keinen Port, dafür aber eine kleine Flasche Moscatel. "Ein bisschen Abwechslung kann schließlich nicht schaden", erklärt Patricia von der Charterfirma. Ein Stilbruch an richtiger Stelle, da sind wir uns einig.

Im Osten grenzt der Fischereihafen von Afurada, dem wir nach dem Einkauf am nächsten Morgen einen Besuch abstatten, an die Marina. Drei, vier größere Trawler liegen an der Pier. Vor dem grünen Rumpf der "Armanda Coutinho" sitzen stoppelbärtige Männer und prüfen die Netze. Mit der Zigarette im Mundwinkel diskutieren sie miteinander, und die Kunststoffmaschen gleiten ihnen so schnell durch die Finger, als würden sie gezogen.

Die Frauen  stehen derweil im öffentlichen Waschhaus  nebenan, kneten und wringen Hemden und Hosen in den steinernen Becken und  plaudern dabei ebenso angeregt miteinander. Viele von ihnen hätten durchaus eine Waschmaschine zu Hause, erfahren wir, aber mit der könne man sich schließlich nicht unterhalten.

Das Wetter könnte besser sein: Windig ist der Tag, tief liegende Wolken rollen vom Atlantik heran, und fast scheint es, als würden nur die Türme Portos auf der anderen Flussseite den niedrigen grauen Himmel vor dem Einsturz bewahren. Allerdings ist es erst Anfang April, und die offizielle Saison ist gerade eine Woche alt, wir dürfen uns also nicht beschweren.

Nach dem Besuch bei Graham's wandern wir weiter am Südufer entlang, an Anglern vorbei und dann über die spektakuläre Ponte Dom Luís hinüber nach Porto selbst. Die Brücke, eine schwindelerregende Bogenkonstruktion aus filigranem Stahlgerüst, stammt aus dem Jahr 1886. Ihr Erbauer Théophile Seyrig hatte zuvor schon mit Gustave Eiffel zusammengearbeitet, kein Wunder also, dass die schwerelose Bauweise stark an das Wahrzei-chen von Paris erinnert. Heute gehört die Brücke – ebenso wie die Altstadt von Porto mit ihren engen Gassen und den ba-rocken kachelgeschmückten Kirchenfassaden im opulenten manuelinischen Stil – zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am Cais de Ribiera, der alten Uferpromenade, reiht sich Restaurant an Restaurant. Doch es ist schon so spät, dass wir  uns stattdessen eine Francesinha in der nächsten Kneipe gönnen. Bei der "kleinen Französin" handelt es sich um eine echte "Spezialität" aus Porto: ein dreifacher Toast, belegt mit Käse, Kochschinken, Chouriço-Wurst und Roastbeef, überbacken mit noch mehr Käse und übergossen mit scharfer Tomatensoße. Vom Fass gibt es ein "Super Bock" dazu, das süffige Bier aus der Region. Stilbruch, die Zweite!

Als wir am Nachmittag des nächsten Tages unter blauem Himmel auf dem Achterdeck sitzen und der Moscatel schwer und süß im Glas funkelt, sind wir im Sommer angekommen: An lockeren Leinen liegt unser Boot am Gästesteg von Entre-os-Rios, dessen weiße Mauern in der Sonne strahlen. Dabei haben wir keine fünfzig Kilometer zurückgelegt, und nur wenige Stunden sind vergangen, seit wir zwischen klammen Nebelschwaden ablegten.
Auf dem ersten Teilstück blieb Ricardo von der Charterbasis noch an Bord, um mit uns die erste Schleuse zu passieren.

Da der Wasserdurchfluss wegen der Stromerzeugung an den Staustufen genau reguliert wird, kann auf dem Douro nur nach (spätestens am Vortag erfolgter) Anmeldung geschleust werden. Die verabredete Uhrzeit muss dann auf die Viertelstunde eingehalten werden, also besser nicht zu knapp kalkulieren. Man kann sich nach Absprache (mit dem Bord-Handy) auch gern vom Feeldouro-Team anmelden lassen – eine gute Idee, wenn man weder Portugiesisch noch Spanisch spricht, denn die Englischkenntnisse bei den offiziellen Stellen sind in der Regel sehr begrenzt. Auch die Gebühren können über die Charterfirma abgewickelt und am Törn-ende bezahlt werden. Knapp zehn Euro fallen dabei pro Schleusung an.

Als wir uns dem ersten Damm in Crestuma-Lever bei Kilometer 21 pünktlich gegen 13.00 Uhr näherten, griff
Ricardo zum Funkgerät, um der Schleuse unser Eintreffen zu melden. Ein schneller Austausch folgte, aus dem wir gerade einmal die beiden Wörter "Crestuma" und "White" heraushören konnten. "Beim nächsten Mal macht ihr das selbst", sagte Ricardo, der die Fragezeichen auf unseren Gesichtern wohl deutlich erkennen konnte. "Ihr werdet sehen – kein Problem!" Er sollte Recht behalten.

Einen Architekturpreis würden die Douroschleusen für ihr Äußeres sicher nicht erhalten: graue, hoch aufragende
Betonmauern, acht Segmentwehre, reine Zweckmäßigkeit. Doch viel wichtiger ist ohnehin, was sich in der Kammer abspielt, und das verhält sich nicht anders als auf anderen Großschifffahrtsstraßen. Mit nutzbaren Maßen von 83 Metern Länge und elf Metern Breite sogar recht übersichtlich dimensioniert.

Nachdem wir unter dem tropfenden Portal des Untertors hindurchgefahren waren, machten wir die Greenline mit der Steuerbordseite an zwei Schwimmpollern fest, zuerst achtern, dann vorn. Da das Wasser von unten in die Kammer geleitet wird, ging es ohne große Strömungswirkung und in zügigem Tempo aufwärts, allerdings nur vierzehn Meter – zum "Aufwärmen", wie Ricardo sagte.

In Lixa verabschiedeten wir uns. Er stieg in das wartende Auto der Charterfirma, und wir nahmen im Gegenzug ein aufblasbares SUP-Board samt Paddel an Bord. Danach folgten wir dem Douro auf seinen ersten, großen Schleifen zwischen dicht bewaldeten Höhenzügen hindurch, deren Grün häufig bis zum Wasser hinabreichte. Mal drängten sich die Dörfer und Höfe auf den Kuppen, mal direkt am Ufer. Kinder, die von einer Hafenmauer aus badeten, winkten uns fröhlich zu – ebenso wie die Passagiere des Hotelschiffs "Infante Henrique", das uns auf Gegenkurs passierte.

Nun herrscht also Wochenendstimmung in Entre-os-Rios, wo der Rio Tâmega einmündet und dem Ort "zwischen den Flüssen" den Namen gab. Das kleine Café am Hafen ist voll besetzt, der Eisverkäufer schwer umlagert. Wenn wir jetzt nicht in kurze Hosen wechseln, machen wir etwas falsch. An einem kleinen Platz plätschert friedlich Wasser aus einem Brunnen. Das Azulejo aus handbemalten und glasierten Kacheln darüber zeigt den heiligen Antonius von Lissabon, lächelnd mit kleinem Jesuskind auf dem Arm. Eine Ecke weiter sitzen zwei Alte im Schatten eines Zitronenbaums und lauschen konzentriert dem Kofferradio, das der eine auf den Knien hält. Ein Name fällt immer wieder: Cristiano Ronaldo. Es geht also um das andere portugiesische "Heiligtum"– Fußball.

Es ist schon dunkel, als wir uns zum "Restaurante Ponte de Pedra" aufmachen, das uns Ricardo empfohlen hatte. Bevor wir uns zu weit von der Küste entfernen, gibt es heute Fisch – auch wenn er schon getrocknet war. Bacalhau soll es sein, das portugiesische Nationalgericht, das es in "1000 Zubereitungen gibt", wie uns Patricia versicherte: Kabeljau also, nur eben als Stockfisch. Auf den Teller kommt er dann "ungewässert" oder "gewässert", also fast im Originalzustand. Zum Beispiel, wie bei uns an diesem Abend, fein zerteilt und überbacken, com natas. Dazu gibt es Reis und "geschlagene Kartoffeln".

Zusammen mit der Vorspeise aus Serranoschinken, Azeitonas (Oliven) und Alheira, einer Wurst ohne Schweinefleisch, mit der die portugiesischen Juden einst die katholischen Inquisitoren täuschten, eine üppige, deftige Mahlzeit. Da helfen der Vinho da Casa – und der rasiermesserscharfe Kräuterschnaps am Ende ...
Pünktlich um 11.55 Uhr am nächsten Tag nehme ich das Handmikro des Funkgerätes vom Haken und drücke die Sprechtaste: "Barragem do Carrapatelo, Barragem do Carrapatelo. Motorboat White, over", versuche ich es gemischt-international und warte auf die Antwort der Staustufe. Eigentlich wollten wir schon  eher hier sein, doch die Strömung war stärker als erwartet, besonders in dem engen, canyonartigen Abschnitt, den wir gerade trotz rauschender Bugwelle nur langsam passieren. Der Douro führt noch Frühjahrshochwasser.

Gerade als wir den letzten Felsen runden und die gewaltige Staumauer mit dem schäumenden schmalen Schleusenkanal auf der linken Seite in Sicht kommt, knackt es im Lautsprecher: "White" verstehe ich noch, dann nichts mehr. Egal, denke ich und antworte: "Bom dia, Senhor! Cinco minutos, five minutes. Obrigado!" Doch kurz darauf kommt die freundliche Entgegnung: "Ah, okay, White, okay!"

Und wie von Zauberhand schließen sich die Segmente in der Staumauer, die Strömung lässt nach, und nur wenige Minuten später schaukeln wir durch den Kanal in die ruhige Kammer. Der Himmel ist jetzt nur noch ein kleines blaues Rechteck. An seinem Rand, 35 Meter über uns, erscheint die winzige Figur des Schleusenwärters. Ich gebe Zeichen: Daumen hoch, alles in Ordnung! Dann rucken die Schwimmpoller an. Langsam steigen sie in ihren Führungen nach oben – und wir mit ihnen.

Im Oberwasser bildet der Douro einen  mehrere Kilometer langen Stausee. Neben den kleinen Ortschaften sieht man jetzt immer mehr prachtvolle Residenzen, entweder im klassischen Stil mit weißen Mauern und flachen roten Ziegeldächern, oder deutlich moderner, in Quaderform mit großen Glasfronten. Hinter der Brücke von Mosteirô passieren wir Caldas de Aregos auf dem Südufer, wo wir auf dem Rückweg nach Porto festmachen wollen, vielleicht auch, um das Thermalbad zu besuchen, das uns empfohlen wurde. Vor der Steganlage der großen Marina üben Kinder Schlauchbootslalom. Immer wieder jagen sie im Zickzack hin und her und lassen dabei die Gischt fliegen.

Unseren Liegeplatz für die kommende Nacht finden wir mehr durch Zufall: Eigentlich wollten wir noch bis nach Peso da Régua, dem regionalen Zentrum und Tor zum Weinanbaugebiet. Doch dann führt der Douro in einen steilen Talkessel hinein, dessen Ein- und Ausfahrt auf beiden Seiten von Felsen flankiert wird. Auf der Südseite läuft ein kleiner Park wie eine Aue sanft zum Wasser hin aus – und direkt davor liegt ein langer öffentlicher Gästeschwimmsteg! Porto Rei heißt der verschlafene, malerische Flecken auf der Karte – also in etwa Königshafen. Da können wir wenig falsch machen!

Schnell ist das Boot festgemacht. Die Stromsäulen haben zwar kein Innenleben mehr, doch unsere Bordbatterien kommen auch so gut klar. Wir steigen den Hang hinauf zu einem prachtvollen verlassenen Anwesen, in dem langsam wieder die Natur Einzug hält. Kniehoch steht das Gras vor der doppelflügligen Tür, und im verwilderten Garten blühen Mandelbäume zwischen Korkeichen und Olivenbäumen. Die Aussicht auf das Tal ist einmalig.

Der Beginn der Weinregion ist schon von Weitem unübersehbar. Doch es sind nicht nur die hellen, terrassierten Bergflanken, die man bei der Anfahrt auf Régua hinter der Stadt-Silhouette erkennt, es ist vor allem die mehrere Meter hohe schwarze Gestalt auf dem rechten Ufer: ein überlebensgroßer "Sandeman", Markenzeichen des gleichnamigen Weinhauses, ebenfalls mit Sitz in Vila Nova de Gaia.

Zwei weiße Hotelschiffe liegen bereits an der Hafenmauer, doch für Sportboote gibt es reichlich Platz an den festen Stegen davor und dahinter. Eine gute Stunde haben wir für die fünfzehn Kilometer von Porto Rei bis hier gebraucht. Unsere nächste Schleusung an der Staustufe von Régua, die nur drei Kilometer oberhalb bei Stromkilometer 105 auf uns wartet, ist erst für 13 Uhr geplant. Wir haben also genug Zeit für einen entspannten Zwischenstopp  und einen Besuch im "Museu de Douro", gleich oberhalb der Hafenpromenade an der Rua Marquês de Pombal. Die moderne, ansprechend gestaltete Ausstellung zeigt die geschichtliche und kulturelle Entwicklung der Weinregion in allen Facetten.

So bestand das frühe "Erfolgsrezept" des Portweins in seiner langen Haltbarkeit, die ihn für den Export über See nach England als besonders geeignet erscheinen ließ. Sie wird erreicht, indem der Gärprozess durch Zugabe von reinem Traubenalkohol unterbrochen wird – und ganz nebenbei sorgt der restliche Zucker in den Trauben für den besonders lieblichen und intensiven Charakter des Weins.

Hinter der Schleuse von Régua sind wir dann mittendrin im Baixa Corgo mit seinem noch vergleichsweise milden Klima – denn bis hierhin reicht noch der letzte kühlende Atem des Atlantiks. Weinberg geht in Weinberg über, Schilder mit großen Lettern verraten die Namen der Weingüter an den Ufern: "Quinta do Tedo", "Vista Alegre" und "Agua Alta". Ein wenig erinnert der Douro nun doch an die Mosel, nur wilder ist es hier, einsamer und ursprünglicher. Und still zieht er dahin, sodass man vom Vorschiff nur das ruhige Rauschen unserer Bugwelle hört.

Die Berge werden steiler, felsiger und karger: Der Übergang zum Cima Corgo ist erreicht, wo die Sommer sengend heiß sein können, die Heimat der echten Spitzenweine. Schon haben wir Pinhão voraus, weiß leuchtend zwischen trockenem Grün und Ocker. Es ist unser Wendepunkt auf dieser außergewöhnlichen Reise. An Land geht es noch einmal weiter, hinauf zu einer Quinta, und auf trockenem Schieferboden weiter bis auf die Terrassen. Wir sehen die jungen Triebe an den Stöcken und die winzigen Reben. Jede einzelne Traube ist bereits zu erkennen. Unser Weg hat in Porto begonnen, der Weg dieses  Portweins beginnt genau hier. 

DIE CHARTERFIRMA
Seit 2013 bietet Feeldouro ab der Douro Marina in Vila Nova de Gaia Boote für Tagesfahrten und Wochencharter auf dem Douro. Zur jungen Flotte gehören zwei Greenline 33, zwei Greenline 40 und eine Jetten 44 AC. Außerdem bietet die Firma für Charterkunden weitere Dienstleistungen rund um den Törn an, etwa die Organisation von Ausflügen oder Besuchsprogrammen an Land. Kontakt: Feeldouro, Rua da Praia (Douro Marina), 4400-554 Vila Nova Gaia, Portugal, Tel. 00351-915-91 50 98. www.feeldouro.com

DAS REVIER
Voraussetzung für Chartertörns auf dem Douro ist ein amtlicher Sportbootführerschein, sowohl binnen als auch See werden akzeptiert. Ein Funkzeugnis wird nicht verlangt. Das Revier bereitet trotz der hohen Schleusen nur dann Probleme, wenn der Fluss Hochwasser führt, was allerdings – wenn überhaupt – nur im Frühjahr der Fall ist. Die Infrastruktur mit Häfen und öffentlichen Liegestellen ist ausgezeichnet, das Fahrwasser ist fast durchgehend betonnt. Direktflüge nach Porto gibt es unter anderem ab Frankfurt und München.

Christian Tiedt am 24.09.2014