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Reise: Mitteldalmatien / Kroatien

Große Auswahl, kleine Preise - Teil 2

Torsten Moench am 15.11.2016

Den angekündigten Regen wettern wir auf der regensicher verschließbaren Flybridge unserer Moorings 514 PC bei einem Sundowner ab, bis uns das schrille Piepen des Bilgenalarms aufschrecken lässt. Was ist passiert? Wassereinbruch auf einem nagelneuen Boot? Der Kontrollblick in die Steuerbord-Bilge schafft Klarheit. Bord-smutje Torge, Bewohner der über dem Motorraum befindlichen Achterkabine, hatte vergessen, sein Dachluk zu schließen. Ergebnis: ein klatschnasses Bett und einige Zentimeter Regenwasser unter der Steuerbordmaschine.

Dank ausreichend dimensionierter Lenzpumpe ist letzteres in wenigen Minuten vergessen, das nasse Bettzeug beschäftigt Torge dagegen noch etwas länger.

Der Morgen des nächsten Tages beginnt mit dem stündlichen Check unserer digitalen Wettervorhersagen. Sieben Smartphones, zehn Apps und zehn Wettervorhersagen. Dieses Szenario dürfte Hochsaison-Charterern unbekannt sein, während unseres Törns gehört es jedoch an die Tagesordnung.

Langsam lernt auch die Steuerbord-Crew, deren Durchschnittsalter rund 30 Jahre über dem der Backbord-Crew liegt, die Vorteile des zunächst belächelten WLAN unseres komfortabel ausgestatteten Charterbootes zu schätzen. Wann ist mit dem nächsten Regen zu rechnen, lohnt ein Auslaufen noch oder bleiben wir doch lieber im Hafen? Je mehr sich die Sonne zeigt, das Thermometer räkelt sich der 22-Grad-Marke entgegen, desto mehr schwindet das Vertrauen in die digitalen Wetterdaten aus dem World Wide Web.

Wo bleiben Regen und Wind? Wir nutzen die Zeit, die Mädels der Backbordcrew im Umgang mit dem Dingi zu unterrichten, die Trinkwasservorräte zu ergänzen und Ausschau nach dem nächsten Restaurant (siehe Kasten) zu halten. Gegen 15 Uhr endlich die Bestätigung, doch die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Ohne Vorwarnung zieht der Himmel binnen Minuten zu und es beginnt heftig zu regnen. Und dieses Mal sind auch alle Luken dicht, sodass uns "Entwässerungsmaßnahmen" erspart bleiben.

Der dritte Tag unseres Herbsttörns verspricht Wetterbesserung. Gegen zehn Uhr nimmt "Asterix" Fahrt auf und wir verlassen unseren "Schutzhafen", um kurz darauf die Passage zwischen den Inseln Šolta und Brač zu passieren. Unser Etappenziel liegt nur wenige Meilen entfernt in der Bucht von Lučice.

Hier wollen wir der Teenager-Besatzung endlich das Kroatien zeigen, wofür wir Tage zuvor im regnerischen Hamburg aufgebrochen sind: Ankern, Baden, Schnorcheln, Chillen.

Nach der Einfahrt in die Bucht eröffnen sich drei mögliche Ankerbereiche, von denen wir uns das an Backbord gelegene Bojenfeld aussuchen. Kaum eine der zahlreichen freien Muringbojen im Visier, kommt uns ein wild gestikulierender Kroate in seinem übermotorisieren Angelkahn in Rauschefahrt entgegen. Seiner klaren – und vor allem lautstarken – Aufforderung lieber eine der weiter landseitig gelegenen Bojen zu nehmen, kommen wir nach, schließlich wollen wir der offensichtlichen Gastfreundschaft des einheimischen "Fischers" keine Abfuhr erteilen. Er wird schon wissen, warum. Wusste er auch.

Kaum liegen wir fest vertäut an der Boje, kommt die Zahlungsaufforderung: "150 Kuna pro Stunde bitte". Das sind immerhin rund 20 Euro.

Egal, wir lassen uns die Laune nicht verderben, bringen Beiboot und SUP zu Wasser und begrenzen unseren Badestopp auf jene eine Stunde. Die nächste Etappe führt uns von Brač über Hvar in den Pakleni-Kanal, alles in allem rund zwölf Seemeilen, die nach einer Stunde Fahrtzeit zurückgelegt sind. Ziel ist die ACI-Marina Palmižana, die uns der erfahrene Kroatien-Kenner und Kollege Jürgen Straßburger ans Herz gelegt hatte.

"Wenn ihr in Mitteldalmatien seid, müsst ihr unbedingt zur Insel Sveti Klement und ins Restaurant Meneghello gehen".

Gesagt getan. In der Marina Palmižana den Trillerpfeifen-Kommandos des Hafenmeisters folgend am Nordsteg angelegt, sind wir zunächst von der Schönheit und vor allem der Wasserqualität dieser idyllischen Bucht beeindruckt. Kommt hinzu, dass uns die Sonne, die laut Wetterbericht gar nicht scheinen dürfte, schon den ganzen Tag begleitet und bei 25 Grad Lufttemperatur der gesamten Crew ein sommerliches Lächeln aufs Gesicht zaubert.

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Torsten Moench am 15.11.2016