Novigrader Meer Novigrader Meer

Törn: Novigrader Meer / Kroatien

Auf den Spuren Winnetous - Seite 4

Bodo Müller am 25.07.2017

Vor dem Riva Rafting Centar legen wir an und fragen, wie weit der Fluss oberhalb von Obrovac noch befahrbar ist. Die freundlichen Damen, die Rafting-Touren auf der oberen Zrmanja verkaufen, erklären:

"Auf jeden Fall bis zu den zerfallenen Wassermühlen beim Jankovića buk. Wenn Sie mutig sind, schaffen Sie es bis zum Wasserfall."

Eine Schifffahrtskarte, die den Weg dorthin beschreibt, gibt es nicht. Aber wir erfahren zumindest, dass die Zrmanja ab der Brücke in Obrovac weiterhin befahrbar ist. Zum Abschied sagt eine der beiden Damen warnend:

"Das ist keine offizielle Schifffahrtsstraße mehr. Sie werden ganz auf sich allein gestellt sein."

Im Mini-Markt bunkern wir Lebensmittel und Trinkwasser. Sprit haben wir genug. Mit eingezogenen Köpfen passieren wir die Brücke von Obrovac. Hier endet die gekennzeichnete Wasserstraße. Nach der nächsten Flussbiegung lassen wir die Stadt, die moderne Zivilisation und die letzten Tonnen im Kielwasser zurück.

Das Handy-Netz bricht ab. Die Felswände werden steiler, der Strom immer schneller. Sicherheitshalber nehmen wir die Außenradien des Flusses.

Fotostrecke: Kroatien: Novigrader Meer

Anfangs fahren wir noch zögerlich. Allmählich fühlen wir uns sicherer und geben Gas. Das Wasser ist so kristallklar, dass wir am Ufer mindestens zwei Meter tief sehen können. Wir müssen immer schneller fahren, um nicht zurückgetrieben zu werden.

Keine Straße ist zu sehen, kein Trampelpfad, keine Stromleitung oder sonst etwas, was auf eine menschliche Besiedlung hinweist. Wir sind im schwer zugänglichen Velebit angekommen. Hier in dieser Wildnis leben noch Bären und Wölfe. Je tiefer wir in die Schlucht vordringen, desto reißender wird die Zrmanja. Doch die 175 Pferde unseres Außenborders schaffen den Weg bergauf locker.

Besuch gab und gibt es jedoch immer wieder von den Filmcrews: In den Sechzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts wurden hier die Kino-Western nach Buchvorlagen von Karl May produziert. Viele werden sich an Filmplakate erinnern, auf denen Winnetou über Gebirgskämme reitet oder samt Pferd "Iltschi" vor einem reißenden Wasserfall posiert. Diese Bilder vom "Wilden Westen" entstanden am Fluss Zrmanja.

Der Apachen-Häuptling Winnetou wurde damals vom legendären Darsteller Pierre Brice gespielt. In die Rolle seines Blutsbruders Old Shatterhand schlüpfte der Amerikaner Lex Barker. Von ihm soll der Spruch stammen, dass die schönsten Western-Landschaften nicht in Amerika, sondern in Jugoslawien zu finden seien. Die Canyons im Velebit dienen noch heute als Kulissen für Indianerfilme: Im Sommer 2015 drehten hier RTL und die Rat Pack Filmproduktion drei Karl-May-Klassiker. TV-Premiere soll zum Jahresende 2016 sein.

Nach einer S-Kurve spüren wir Sprühnebel im Gesicht. Überall in der Luft schwebt feiner Regen. Ein Rauschen übertönt den Motor. Seitlich sehen wir die Reste eingefallener Gebäude, aus denen sich kleine Wasserfälle ergießen. Sind wir bei den alten Wassermühlen angekommen?

Unter uns sprudelt das Wasser so weiß, als würde es kochen. Das Boot ist nur noch mühsam auf Kurs zu halten. Vor uns eine fünf Meter hohe weiße Wand aus Wasser. Hier muss es sein, wo Winnetou und Old Shatterhand sich trafen. Wir fahren so weit wir können mit dem RIB an das stürzende Wasser heran. Wir sind in Jankovića buk angekommen. Es ist atemberaubend schön und Adrenalin pur. An diesem Wasserfall beginnen in den alten Filmen die Jagdgründe der Apachen.

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Bodo Müller am 25.07.2017