Niederlande: Nationalpark De Biesbosch Niederlande: Nationalpark De Biesbosch

Amazonien nebenan

Niederlande: Maas und Biesbosch

Ingrid Bardenheuer am 22.02.2011

Mit dem Boot zum Biesbosch-Nationalpark: Von Cuijk geht es über die Maas in den Westen der „Großen Reviere“ – in ein etwas anderes Stück Niederlande.

Niederlande: Nationalpark De Biesbosch

Mit dem eigenen Boot von Cuijk zum Nationalpark De Biesbosch

Bei Cuijk kratzt die Maas die Kurve. Mit elegantem Schwung tritt sie aus ihrem Tal im Limburgischen und wendet sich nach Westen. Dort reiht sie sich in den Zirkel der „grote rivieren“ ein, der großen Flüsse der Niederlande. Nederrijn-Lek gehört dazu, ebenso die Waal-Merwede. Früher strömte die Maas zur Waal und war so Teil des Abflusssystems des Rheins. Doch man zwackte sie beizeiten ab, aus Gründen des Hochwasserschutzes, und führte sie via Amer zum Hollandsdiep, das auch die Nieuwe Merwede aufnimmt.

Fotostrecke: Niederlande: Nationalpark De Biesbosch

Hier, an Nieuwe Merwede im Norden und Amer im Süden, erstreckt sich ein Gespinst aus unzähligen Wasserwegen, ein „Amazonien“, wild und handzahm zugleich, das Refugium einer faszinierenden Pflanzen- und Tierwelt. Skipper dürfen dieses Wunderland befahren – den Nationalpark De Biesbosch.

Das alte Cuijk, Ausgangspunkt unserer Reise zum Biesbosch, liegt am südlichen Eingang in die Maas-Kurve. Die Biegung des Flusses beeindruckt seit alters her. In „Cuijk“ steckt das keltische „keukja“, was so viel wie „Kurve“ bedeutet. An die Bezeichnung in römischer Zeit, „ceuclum“, erinnert der Name des historischen Museums der Stadt. Die Sammlung Ceuclum deckt einen Zeitraum von 12 000 Jahren ab und ist im „Martinustoren“ untergebracht. Der Turm aus dem 15. Jahrhundert prägt zusammen mit der neuzeitlichen Martinuskirche und einem imposanten Hochwasserschutz die Ansicht von Cuijk. Unterhalb des Ensembles liegt der städtische Passantenhafen (Limburgse Maas-km 162). Übernachten ist hier nicht erlaubt, was an diesem kabbeligen Ort auch nicht erstrebenswert erscheint.

Gemütlicher wird’s schon in der Kurve. Bei Mook (Limburgse Maas-km 164,5) zweigt ein schmaler Wasserweg ab, der zum Mookerplas bringt. Nach etwa 25 Minuten Fahrt sind wir am Ziel: Vor uns liegt ein Baggerseengebiet, sehr gefällig, aber überschaubar, mit Campinganlage und Badestrand, Bootsanlegern im Grünen und zwei freundlichen Häfen, die auch Gastliegeplätze anbieten.

Hinter Mook geht’s dann um die Ecke. Noch vor Einmündung des Maas-Waalkanaals lässt die Maas den letzten Zipfel Limburgs hinter sich. Ihren Beinamen „Limburgse“ braucht sie nun nicht mehr. Und so macht sie sich erst einmal als „Maas“ davon. Einen Stromkilometer flussabwärts der Einmündung des Maas-Waalkanaals in die Maas, bei Maas-km 167, befindet sich die Zufahrt auf ein weiteres Seengebiet: die Kraaijenbergse Plassen.

Durch eine in der Regel offen stehende Schleuse geht es zunächst durch ein Industrieterrain, was nicht prickelnd, aber rasch überstanden ist. Steuerbords, hinter der zweiten Brücke, wird es nett, hinter der dritten Brücke gar richtig schön (niedrigste Brückendurchfahrtshöhe 7,30 m). Mit Bootsliegeplätzen sind die Kraaijenbergse Plassen zur Genüge bestückt, sei es in Häfen oder am Ufer. Eine ansprechende Bleibe ist zum Beispiel der neue Yachthafen Brasker. Die Marina verfügt über eine kleine Gastronomie. In der nahen Ortschaft Linden gibt es zudem ein Pfannkuchen-Lokal, das „Herberghe de Pannecoecke“. Bis ins Zentrum von Cuijk sind es über Land rund 6 km.

Dass die Kraaijenbergse Plassen ihren Ursprung im Sand- und Kiesabbau haben, können sie noch nicht vollständig verleugnen. Auch das, was sich bis 1942 in der Gegend zutrug, hinterließ Spuren – Wohnhügel etwa. Damals, Jahrzehnte bevor die Bagger anrückten und das Seengebiet entstand, gehörte der Landstrich zum „Beerse Overlaat“. Gemeint ist ein Areal bei Beers südwestlich von Linden, das man bei Hochwasser willentlich von der Maas überfluten ließ, um weiter stromab gelegene Regionen zu entlasten.

Das Gebiet des „Beerse Overlaat“ war mäßig besiedelt, dennoch: Kam die Flut, blieb den Bewohnern nur die Flucht. Kanonenschüsse aus dem benachbarten Grave kündigten das Wasser an. 1930 warnten „L‘Intriguant“ und „Le Partisan“, zwei französische Geschütze aus dem 18. Jahrhundert, ein letztes Mal – ganz offiziell – vor der Überflutung des „Beerse Overlaat“. Heute schieben die beiden Veteranen eine ruhige Kugel auf der Maaskade von Grave (Maas-km 175).

Die alte Festungsstadt mit ihren Geschäften, Galerien und Restaurants gefällt uns gut. Nett ist es auch beim W.V. „De Stuw“, der einen adretten Vereinshafen betreibt. An Graves Passanten-Steiger wären wir zweifellos kräftig durchgeschüttelt worden, liegt der Anleger doch im Strom und dazu fast vis-à-vis der Schleusenzufahrt. Und die wird, zumindest bei unserem Besuch, heftig frequentiert.

Als wir ins Oberwasser der Sluis Grave einfahren, drängt sich dort die Berufs- und Freizeitschifffahrt. Rund eineinhalb Stunden später sind wir endlich im Unterwasser angelangt. Damit haben wir, gemessen an den Erfahrungen anderer Skipper, noch einen guten Schnitt gemacht. Die Sluis Grave hat nämlich ein Manko: Die Zweikammer-Schleuse läuft als Einzelschleuse. Nach Auskunft der niederländischen Straßen- und Wasserbaubehörde Rijkswaterstaat wird sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern. Weder Neubau noch Modernisierung der Schleuse Grave würden sich einer Studie zufolge rechnen.

Dass die Sluis Grave zu einem gelegentlichen Engpass werden kann, sieht man auch bei der Rijkswaterstaat. Deshalb sollen kürzere Wartungsintervalle dafür sorgen, dass nicht auch noch Fehlfunktionen den Schleusenbetrieb behindern. Im Juli, so die Rijkswaterstaat, betrage die durchschnittliche Wartezeit an der Schleuse Grave 25 Minuten, der gesamte Transit 44 Minuten. Wir waren im Herbst unterwegs und haben wohl einen schlechten Tag erwischt.

Weiter geht’s die Maas zu Tal. Ravenstein (Maas-km 182) und Batenburg (Maas-km 185,5) sind abermals Flecken, die zu einer Stippvisite reizen. In Ravenstein, einer vormaligen Festungsstadt, bietet der W.V. „Windkracht 13“ Gastliegeplätze an. Den Hafen mag man, je nach Befindlichkeit, als eng oder gemütlich bezeichnen – wir haben uns für Letzteres entschieden. Wenn der Magen knurrt: Nah beim W.V. „Windkracht 13“ liegt das „’t Veerhuis“. Einkaufsmöglichkeiten befinden sich im Ortskern.

Ausgesprochen hübsch am Ufer macht sich das Dörfchen Batenburg. Passantenplätze hält der W.V. „’t Haventje“ bereit. Ein Restaurant, das „De Viersprong“, ist nur wenige Meter vom Hafen entfernt. Etwas weiter, im Norden von Batenburg, stoßen wir einmal mehr auf eine Festung – oder zumindest das, was von ihr blieb. Breit ist sie geworden, die Maas. Ohne Eile strömt sie dahin und bereitet keinerlei Probleme am Ruder. Sachte schaukelnd döst Federvieh auf der blanken Wasseroberfläche. So gerät man ins Sinnieren.

Das niederländische „zee“ bedeutet bekanntlich „Meer“, und „meer“ meint den teutonischen „See“. Ein Baggerloch ist häufig ein „plas“, was „Tümpel“ besagt. So weit, so gut. Was aber hat in diesem Kontext ein „ham“ zu suchen, worunter „Schinken“ zu verstehen ist? Die Seengebiete „De Gouden Ham“ und „De Lithse Ham“ machen jedenfalls Appetit auf einen Abstecher.

„De Gouden Ham“ (Einfahrt Maas-km 192,5) entstand durch Regulierungsmaßnahmen und Sandabbau. Heute ist das Areal ein perfekt aufgezogenes „recreatiegebied“. An der Zufahrt zu „De Gouden Ham“ liegt Maasbommel, ein kleiner Ort mit Lokalen und einem Supermarkt. Uns zieht es – statt in einen der komfortablen Yachthäfen – zu einem Anleger im Grünen, von denen es hier einige gibt. Leise brummelnd schiebt uns der Bootsdiesel durchs Wasser. Die Saison neigt sich ihrem Ende zu, und über „De Gouden Ham“ liegt herbstliche Gelassenheit. Die Sonne funkelt wie an längst vergangenen Sommertagen – schön.

Unterhalb der Prinses Maximasluizen bei Lith, die wir ruck, zuck passieren können, treffen wir auf „De Lithse Ham“ (Einfahrt Maas-km 206). Das Seengebiet, das seinen Ursprung ebenfalls in der Sandgewinnung hat, kommt überschaubarer daher als „De Gouden Ham“. Der Yachthafen gehört zu einer Ferienanlage und verfügt über die übliche Ausstattung. Einkehrmöglichkeit: die Brasserie „Goed Toeven“, wenige hundert Meter von den Bootstegen entfernt.

Hinter „De Lithse Ham“ geht die Maas auf Kuschelkurs, und wir bemerken nichts davon. Südwestlich Heerewaarden rückt sie bis auf etwa 1000 m an die Waal heran, und wie man hört, kam es seinerzeit an dieser Stelle auch zu einer Liaison. Die beiden stehen sich zwar bis heute nahe, doch direkt verkehren sie hier nicht mehr. Nur über den Kanaal van St. Andries halten Maas und Waal Kontakt (Einfahrt Maas-km 209). Die Verbindung liegt ein Stück weit südlich Heerewaarden und ist rund zwei Kilometer lang. Ihren Namen erhielt sie von St. Andries, einer Festungsanlage, deren Überreste sich nördlich der Kanalschleuse befinden.

Und abermals erreichen wir ein Baggerloch: „De Zandmeren“ (Einfahrt Maas-km 211,5). Mehrere Häfen bieten hier Gastliegeplätze an. Wir machen bei „De Brink“ fest, eine gute Adresse. Außer dem Marina-Restaurant liegt die Brasserie „De Oude Klipper“ in Liegeplatznähe. Bis ins sympathische Kerkdriel mit seinen Lokalen und Geschäften sind es um die 20 Minuten zu Fuß.

Bei Maas-km 221,5 zweigt die Gekanaliseerde Dieze ab, die zur rund 5 km entfernten Provinzkapitale ’s-Hertogenbosch bringt. Aus Den Bosch, wie die Hauptstadt Noord-Brabants auch bezeichnet wird, stammt einer der berühmtesten Maler der Niederlande: Jheronimus Bosch, dessen Todestag sich 2016 zum 500. Mal jährt. Zentrumsnahe Liegemöglichkeiten gibt es einige in Den Bosch, beispielsweise vor Beginn der Zuidwillemsvaart. Der Kanal brächte uns zurück ins Limburgische, aber wir wollen ja zum Biesbosch. Und so verschieben wir unseren Ausflug in die ehemalige Festungsstadt Den Bosch auf später. Festungsstadt, schon wieder! Grave, Ravenstein, Batenburg, ’s-Hertogenbosch, weiter stromab noch Heusden und Geertruidenberg. Was war hier los?

Immer wieder, über Jahrhunderte hinweg, überzogen die Mächtigen Europas die Gegend mit Krieg. Ein Schicksal, das die „grote rivieren“, die großen Flüsse der Niederlande, mit anderen strategisch wichtigen Strömen teilen. Heftig traf es die Maas während des niederländischen Freiheitskampfes im 16. und 17. Jahrhundert. Der Fluss, der zwischen Mook und seiner Mündung wie eine natürliche Demarkationslinie von Ost nach West verläuft, musste zeitweilig über eine weite Strecke als Grenze zwischen Protestanten im Norden und Katholiken im Süden herhalten.

Zug um Zug bauten die Kontrahenten, Niederlande und Spanien, ihre Positionen an der Maas und im Hinterland aus. Festungen fielen mal in diese, mal in jene Hand. Häufig bedeuteten die Auseinandersetzungen auch den Verlust der Heimat, wie in ’s-Hertogenbosch. Als sich die Stadtführung 1579 auf die Seite der Spanier stellte, gingen Tausende Menschen fort.

Heute präsentieren sich die meisten Festungsstädte proper und herausgeputzt. Auch Heusden (Maas-km 230), der wohl schönste Ort auf unserer Reise. Markante Landmarken sind zwei Windmühlen hoch über dem Yachthafen. Der Festungsring mit seinen Wällen und Bastionen ist ebenso authentisch restauriert wie die Innenstadt. Heusden hat ein feines, anheimelndes Ambiente, und es macht Spaß, durch die Straßen zu bummeln oder in einem der Restaurants am Vismarkt einzukehren. Fürs Boot ist ebenfalls bestens gesorgt. Wir sind am Passantensteiger untergekommen, der vom W.V. „Heusden“ betrieben wird. Noch stimmungsvoller ist’s natürlich im alten Stadshaven.

Der Fluss unter uns heißt jetzt Bergse Maas. Dahinter steckt – typisch Niederlande – ein Meisterstück des Wasserbaus. Noch im 19. Jahrhundert mündete die Maas nordwestlich von Heusden in die Waal. Führte der Rheinarm Hochwasser, kam es nicht selten zu einem Rückfluss in die Maas, die nun ihrerseits über die Ufer trat. Um dieses Dilemma zu beheben, unterband man den Zusammenfluss beider Ströme und gab der Maas ein neues Bett, das sie 1904 bezog. Seitdem fließt sie als Bergse Maas etwa 24 km zu Tal, um erst beim Biesbosch in die Amer zu münden.

Vom alten Maasverlauf zur Waal blieb ein befahrbarer Wasserweg zurück: die Afgedamde Maas, die über den Heusdenskanaal mit der Bergse Maas bei Heusden verbunden ist. Falls der Nachwuchs an Bord mittlerweile auf Abwechslung drängt: Ein Stopp in Waalwijk (Einfahrt Bergse Maas-km 236) kann Wunder wirken. Denn von beiden Yachthäfen dort sind es nur gut 10 km bis zu einem Freizeitpark der Superlative – Efteling.

In gewisser Hinsicht ist auch er ein Freizeitpark, doch ihn schuf, von Menschenhand begleitet, die Natur: den Nationalpark De Biesbosch. Gleich sind wir da, und vor unserem inneren Auge sehen wir schon Drüsiges Springkraut am Ufer und Biber, die unseren Kurs kreuzen. Da taucht an Backbord die Amercentrale auf, ein mächtiges Elektrizitätswerk an der Amer, das so romantisch ist wie ein Akku. Unsere Träumereien fallen fürs Erste in sich zusammen. Die Amer ist nun mal ein gewöhnlicher Verkehrsweg. Nach etwa 12 km trifft sie im Hollandsdiep auf die Nieuwe Merwede, vormals Boven Merwede und Waal.

Der Nationalpark De Biesbosch liegt nördlich der Amer und ist nur über Zufahrten zu erreichen. Sein Zauber lässt sich vom Strom aus kaum erahnen. Bevor wir in dieses „Amazonien“ einlaufen, steuern wir noch einmal einen modernen Yachthafen an, die Marina Drimmelen (Amer-km 253). Auf dem angrenzenden Campingplatz kann man das Nötigste einkaufen. Drimmelen selbst, das an schönen Sommertagen schon mal unter den Touristenströmen ächzt, wirkt an diesem Herbsttag still und wie in sich gekehrt, was diesem kleinen Ort sehr gut zu Gesicht steht. Wer nett einkehren und dabei auf die Amer schauen möchte, für den ist das Café-Restaurant „‘t Voske“ das Richtige. Wir nehmen uns erst einmal das Biesbosch-Besucherzentrum unweit des Hafens vor und stimmen uns dort auf das ein, was als Nächstes kommt.

De Biesbosch: Das Areal erstreckt sich über etwa 90 km² und ist damit knapp ein Fünftel so groß wie Bremen. Dordtse Biesbosch und Sliedrechtse Biesbosch liegen nördlich der Nieuwe Merwede, südlich bis zur Amer erstreckt sich der Brabantse Biesbosch. Seit 1994 hat das Gebiet den Status eines Nationalparks. Über die Zufahrt Spijkererboor jenseits der Amercentrale fahren wir in den Brabantse Biesbosch ein.

Es war die Nacht vom 18. auf den 19. November 1421. Der Wind stand mit Sturmstärke auf Hollands Nordwestküste und schob Meerwasser in Richtung Delta – die „Sankt Elisabethsflut“. Sie zerriss das Land und hinterließ weite Wasserflächen. Doch der Kreislauf von Werden und Vergehen setzte alsbald aufs Neue ein. Gezeiten formten Priele und Watten. Flüsse brachten Schlamm herbei, Pflanzen kehrten zurück. Der Mensch legte Polder an, Land fiel dauerhaft trocken.

Die Welt des Biesbosch entstand, ein Labyrinth aus großen und kleinen Wasserläufen, eines der letzten Süßwassergezeitengebiete Europas. Denn hier herrscht weiterhin Tidenhub. Seit Abschluss des Haringsvliets im Jahr 1970 beträgt er im Normalfall noch etwa 35 cm. Und die können unter Umständen entscheidend sein. Kaum liegt das Spijkerboor hinter uns, endet die Betonnung. Kein Problem, in den nachfolgenden Fahrwegen Middelste Gat van het Zand, Steurgat und Nauw van Paulus steht genug Wasser auf der ganzen Breite. Auch die Zufahrt zum Jachthaven Hank, die südlich der letzten Steuerbordtonne „SP 7“ abgeht, bereitet keine Schwierigkeiten. Der idyllische Hafen, in dem auch ein Restaurant liegt, ist ein vortrefflicher Halt.

Aber uns zieht es weiter in den Biesbosch hinein. Als wir aufs Ruigt of Reugt einfahren, empfängt uns eine verblüffende Weite – herrlich. Doch der Blick in die Karte dämpft jeden Übermut: Ab jetzt müssen wir uns unseren Weg zwischen Untiefen suchen. Von Fahrwassermarkierungen nach wie vor keine Spur. Wir haben alle erdenklichen und empfohlenen Gewässerkarten an Bord, auch den Gezeitenkalender. Trotzdem: Alles Papier reicht allenfalls für grobes Navigieren, und wir müssen gewaltig aufpassen, uns im Gewirr der Wasserläufe nicht zu verlieren.

Unser GPS-Plotter, für den es zum Törnzeitpunkt keine Biesbosch-Karte gibt, hilft nur bedingt. Bei der Orientierung unterstützen uns Landmarken, aber es existieren bloß wenige, die Gegend ist einfach nur grün. Zum weiteren Abgleichen von Kartenbild und Position dient das Echolot. Unser Tiefgang bereitet keine Sorgen: 0,74 m.

Volle Bootsanleger, reihenweise Ankerlieger, dazu Kanus, „Flüsterboote“, Ausflugsschiffe – nichts von dem, was den Biesbosch in der Hochsaison mit prallem Leben erfüllt, begegnet uns an diesem Herbsttag. Wir sind unter uns. Und deshalb ganz nah dran an der Natur. Grau liegt über der Gegend, das Licht ist diffus und verwischt Konturen. Von dunklen Ufern wehen unbekannte Vogelstimmen herüber. Irgendwo lugt eine verfallene Holzhütte aus Gestrüpp, ein verwunschener Ort, wie es scheint.

Im „Binsenwald“, so die deutsche Übersetzung von „Biesbosch“, sind viele zu Hause: Wasserspitzmaus und Fuchs etwa, Libellen und Käfer, Weiden und Wildkräuter, auch Eisvogel und Nachtigall. Da – wir sehen etwas durchs Wasser gleiten. Ein Biber? 1988 siedelte man fünf Paare im Biesbosch an. Inzwischen ist die Biberpopulation auf etwa 150 Tiere angewachsen.

Wer tief in den Biesbosch vordringen möchte, der sollte (freigegebene) Nebenrouten – etwa per Beiboot – erkunden. Noch ein Tipp: sich einen Bootsanleger in der Nähe einer ausgewiesenen Wanderroute suchen. Beim Biesbosch Museum südlich des Gat van de Hardenhoek kann man ebenfalls festmachen und zu einem „wandelpad“ gelangen. Das Museum erzählt von den Menschen, die hier in alten Zeiten lebten: Fischer, Entenjäger und jene, die unter härtesten Bedingungen Weiden und Reet schnitten.

Einfache Anlegemöglichkeiten gibt es einige im Biesbosch. Uns gefielen zum Beispiel die am Gat van Van Kampen. Beim Ansteuern von Liegeplätzen gilt gleichfalls: Vorsicht, es könnten Untiefen lauern. Über das Noordergat van de Vissen verlassen wir den Nationalpark. Nachzutragen bleibt eins: Auch uns hat es im Biesbosch erwischt. Trotz aller Vor- und Weitsicht ist dieser unschöne Moment eingetreten, der zweifelsfrei besagt: Wir hängen fest. Sanft in Schlick gebettet, aber dennoch. Wind hat uns unmerklich in einem Fahrwasser versetzt, das sich schmal und wieder völlig unbetonnt durch ein weites Wasser schlängelt. Die Schraube dreht noch frei und zieht uns aus der Bredouille. So’n Rutscher gehört, schaut man sich um, hier wohl dazu. Wie das eben so ist, wenn man ein richtiges „Amazonien“ unter dem Kiel hat.

WAS SKIPPER WISSEN MÜSSEN

Die Maas Wir waren auf Limburgse Maas, Maas, Bergse Maas sowie der Amer unterwegs (insgesamt 91 Strom-km). Die zulässige Höchstgeschwindigkeit auf der beschriebenen Fluss-Strecke liegt bei 20 km/h, Ausnahmen siehe Törnführer und Karten. Die Brückendurchfahrtshöhen waren für uns mehr als ausreichend (Bootshöhe 2,71 m). Schleusen: Sluis Grave, Prinses Maximasluizen (Lith).

Die Gezeiten Maasabwärts der Prinses Maximasluizen in Lith wirkt sich unter anderem auch die Tide auf den Wasserstand aus. Die Schwankungen können auf der Maas unterhalb der Prinses Maximasluizen maximal etwa 0,40 m betragen. Die Stromgeschwindigkeit beläuft sich in diesem Bereich sowohl bei Ebb- als auch Flutstrom auf etwa 1 km/h. Den Wasserstand im Nationalpark De Biesbosch beeinflussen die Gezeiten, ebenso spielen die Abflussmengen der Flüsse sowie Regulierungsmaßnahmen an den Haringvlietsluizen eine Rolle. Das Auf und Ab des Wassers beträgt im Brabantse Biesbosch etwa 0,35 m, unter bestimmten Umständen können es auch 0,70 m sein. Details dazu siehe ANWB-Waterkaart N (Biesbosch). Ein Tidenkalender ist im Wateralmanak 2 des Koninklijke Nederlandse Toeristenbond ANWB enthalten, siehe Törnführer und Karten.

Der Biesbosch Fahren und Festmachen im Nationalpark De Biesbosch unterliegen bestimmten Vorschriften. Eine Zusammenfassung findet sich unter anderem in der Karte „Varen in de Biesbosch – waterkaart met toelichting“, die wir im Biesbosch Besucherzentrum Drimmelen erwarben. Die Karte weist auch auf die Wanderrouten im Gebiet hin. Da der Biesbosch immer noch natürlichen Veränderungen unterliegt, können Gewässerkarten Ungenauigkeiten aufweisen. Beim Navigieren per Notebook gilt es, dies ebenfalls zu beachten.

Die Tankmöglichkeiten Zwischen Cuijk und Drimmelen befinden sich Bunkermöglichkeiten beispielsweise am Mookerplas (Jachthaven Eldorado, D/B), in Niftrik (Z.R.M.V. De Batavier, D), Lithoijen (Van Hulst D/B/S), Kerkdriel (unter anderem Bunkerstation Kerkdriel D/B), Heusden (Watersportcentrum Legerstee, D/B), Geertruidenberg (Bunkercentrum Dongemond, D/B), Drimmelen (unter anderem Biesbosch Marina Drimmelen, D/B).

Die Liegemöglichkeiten Über sämtliche Liegemöglichkeiten und deren Serviceangebot entlang unserer Route informiert der jährlich aktualisierte Wateralmanak 2 des Koninklijke
Nederlandse Toeristenbond ANWB, siehe Törnführer und Karten.

Die Törnführer und Karten

  • Jan Werner: Holland 1 – Zeeland und die südlichen Provinzen, Delius Klasing Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-7688-1179-8.
  • ANWB (Hrsg.): Wateralmanak 1 – Regelgeving en tips, ANWB, Den Haag.
  • ANWB (Hrsg.): Wateralmanak 2 – Vaargegevens, ANWB, Den Haag.
  • ANWB (Hrsg.): Waterkaart N (Biesbosch).
  • ANWB (Hrsg.): Waterkaart K (Grote Rivieren Midden).
  • ANWB (Hrsg.): Waterkaart L (Grote Rivieren Oost).
  • ANWB (Hrsg.): Wateratlas M (Limburgse Maas).
Ingrid Bardenheuer am 22.02.2011