IJssel IJssel

Törn: IJssel / Niederlande

Hanzesteden

Dieter Wanke am 21.05.2018

Die Ijssel: Neun Hansestädte gibt es im Revier. Wir haben sechs davon auf unserem Chartertörn besucht

Wir hatten an diesem Freitag mit einem größeren Stauaufkommen gerechnet, nun sind wir deutlich früher im Jachthaven Flevostrand bei Yachtcharter Urk angekommen. Die Mehrzahl der insgesamt 22 Charteryachten ist am firmeneigenen Standort in Urk verfügbar, sechs davon stehen aber in Flevostrand zur Abfahrt bereit. Dazu gehört unser schwimmendes Domizil für die Charterwoche, eine Turfskipper 1190.

Die wird gerade von der Putzkolonne auf Vordermann gebracht. Wir können aber schon unser Gepäck an Bord bringen, das es nach der Übernahme nachmittags um vier Uhr dann schneller geht. Denn wir wollen am Abend noch unser erstes Ziel, das etwa zwei Fahrstunden entfernte Elburg, anlaufen. Das ist auch nötig, um die sechs Hansestädte, die wir besuchen möchten, innerhalb einer Woche zu schaffen.

Überhaupt sollte man sich die Distanzen und Fahrzeiten genau ansehen und insbesondere Wartezeiten an den beiden Schleusen, die es im Hochsommer in sich haben, einkalkulieren.

Nicht zu vergessen ist bei der Rechnung auch die Strömung ab der Einfahrt in die Ijssel, denn die ersten Etappen fährt man gegen den Strom, ist also entsprechend langsamer unterwegs. Wer alle neun Hansestädte der Region besuchen will, sollte sich zwei Wochen Zeit nehmen und in den Lieblingsorten länger verweilen. Der Jachthaven Flevostrand gehört zu einer Ferienanlage im Südosten des künstlichen Flevopolders. Das Gebiet wurde erst vor rund 60 Jahren trockengelegt, blieb aber durch die dabei belassenen schmalen Randmeere eine Insel.

Flevostrand selbst liegt am Veluwemeer, einem dieser Randmeere. Das Ufer gegenüber entspricht dagegen der ehemaligen Küstenlinie, als die Zuiderzee noch eine offene Nordseebucht und nicht jenes halbwegs gezähmte Gewässer war, das durch den Bau von Abschluss- und Houtribdeich entstand und heute Ijsselmeer und Markermeer umfasst. Das erklärt auch, warum die beiden alten Hansestädte auf dem anderen Ufer, Harderwijk und Elburg, unser Ziel, mit ihren historischen Häfen heute nicht mehr direkt an der offenen Küste liegen, sondern – in echter Binnenlage – über das Veluwemeer auf den grünen Deich des Flevopolders hinübersehen.

Elburg ist wegen seiner Nähe zur einzigen Schleuse, die bis zur Einfahrt in die Ijssel passiert werden muss, ideal für einen ersten Stopp.

Das idyllische alte Hansestädtchen besitzt einen sehr ansehnlichen Hafen, der von zahlreichen historischen Plattbodenschiffen geschmückt wird. Zum Glück hatten wir zuvor beim Hafenmeister einen Liegeplatz reserviert. Denn bei später Ankunft im Hochsommer ist es in den schönen Häfen der Region meist rappelvoll, und freie Liegeplätze sind eine begehrte Rarität. Ein Anruf vorab ist deshalb überall sehr empfehlenswert. Nicht immer wird die Reservierung gelingen; dann müssen Ausweichmöglichkeiten einkalkuliert werden.

Durch das bekannte Fischertor gelangt man in die Altstadt von Elburg. Erstmals erwähnt wurde das Städtchen 796, im 14. Jahrhundert entwickelte sich Elburg zur Festungsstadt, es folgte der Eintritt in die Hanse. Da sich innerhalb der alten Stadtmauern das historische Stadtbild mit ansehnlicher Atmosphäre erhalten hat, trifft man überall Touristen. Wer sich für die Geschichte interessiert, kann das Heimatmuseum im Agnietenkloster besuchen.

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Dieter Wanke am 21.05.2018