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Törn: Niederlande

IJsselmeer, Friesland und Groningen - Teil 2

Christian Tiedt am 09.09.2020

Doch dann kommt das IJsselmeer doch nicht so wild wie er­wartet daher. Die Welle ist etwas länger als auf dem Markermeer und besser abzuwettern – vielleicht weil das Wasser nun ein paar kritische Meter tiefer ist. Stavoren erreichen wir also vergleichsweise komfortabel, und im Oude Haven ist neben Plattboden und Kuttern sogar ein schöner Platz längsseits an der Pier frei. Bevor wir Feuerabend machen können, müssen wir aber noch zum "Coop", denn einkaufen konnten wir bisher ja noch nicht. Marc packt zusätzlich eine Bügelflasche mit lokalem Babbelaar, einem dünnem Karamelllikör, in den Korb – obwohl die Verkäuferin explizit davon abrät. Doch der kommt erst auf den Tisch, nachdem wir uns im Poosthoorn Spareribs und Chickenwings satt gegönnt haben und wieder zurück an Bord sind. Hätten wir bloß auf die Frau im Supermarkt gehört und die Finger von der flüssigen Spezialität gelassen ...

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Die nördlichen Provinzen

Der Himmel sieht übel aus am nächsten Morgen. Vor dem Ablegen müssen wir eine schwarze Wand mit dickem Regen abwarten, dann kurz zurück aufs IJsselmeer, da die Einfahrt zum Johan Frisokanaal etwas südlich liegt. Doch einmal durch die Schleuse, sind wir von jetzt auf gleich im flachen Binnenland Frieslands. Grüne Wiesen, die zum Teil deutlich tiefer als der Kanal liegen, weidende Kühe und wenig Wald. Ein paar Alleen durchziehen die Landschaft. Höfe und Einzelhäuser, aufgeräumt und ordentlich, oft mit Anleger und Boot davor. Dazu jede Menge Sportboothäfen mit noch mehr Wohnanlagen. Und vor allem jede Menge Wasser mit schiffbaren Abzweigern nach links und rechts. Boote scheinen über die Felder zu fahren.

Am Tonnenstrich überqueren wir Morra, Holken und den lang gezogenen Fluezen, weite, flache Wasserflächen. Die Welle ist bretthart, die Landschaft dunkel und kalt. Ein paar Charterboote müssen kämpfen. An Heeg vorbei (mehr Häfen, Boote und Masten) führt uns die Route über das Jeltesleat zur Einmündung in den Prinses Margrietkanaal, auf dem auch Berufsschifffahrt unterwegs ist. Wir fädeln uns hinter einem Tanker ein, dessen Kielwasser wir über Aldhof zum Sneeker Meer folgen – Snitser Mar, wie es in unserer Gewässerkarte auf Friesisch heißt. Das hübsche Sneek selbst, mit seinem fotogenen Wassertor müssen wir leider links liegen lassen. Überführung ist nun einmal Überführung.

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Die nördlichen Provinzen

Klapp- und Drehbrücken öffnen nach Anmeldung umgehend, und auch in Grou sind wir viel früher als gedacht. Dahinter streifen wir den Rand des Nationalparks De Alde Feanen, bevor in Stroobos schließlich der Van Starckenborghkanaal beginnt, der bis nach Groningen führt. Noch in der Schleuse Gaarkeuken entscheiden wir uns endgültig durchzufahren. Eine knappe Kiste, und fast ist es dann doch noch zu weit, aber wir schaffen die Punktlandung vor der letzten Brücke, als das Betriebspersonal gerade nach Hause gehen will. In den Hafen von Groningen kommen wir allerdings nicht mehr, bleibt nur die Sportboot-Wartestelle an der Spundwand vor der Oostersluis bis morgen früh. Deutlich mehr als 100 Kilometer haben wir heute abgerissen – aber bei solchem Wetter wäre jeder ausgedehnte Landgang ohnehin bescheiden ausgefallen.

Unser Liegeplatz: geklinkerte Wohnblocks und verblühte Tulpenbeete, alte Lagerhallen auf dem anderen Ufer. Strom gibt es hier nicht, klar. Aber immerhin komme ich so endlich mal nach Groningen – und das lohnt sich: 50 000 Studenten sorgen hier für Leben. Zu Fuß pilgern wir in die Binnenstad: Am Stadtende des Eemskanaal beginnt das verwinkelte Kneipenviertel (in jedem Laden gibt’s Heineken), dann folgen Grote Markt und Vismarkt, wo wir im Huize Maas gerade noch bestellen können. Erneut auf die Minute. So nass der Tag war, so warm und gemütlich wird der Abend.

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ach dem Aufstehen beginnt es zu hageln, bis das halbe Deck weiß ist. Und das Irre ist nicht, was da von oben kommt, sondern dass es liegen bleibt – zumindest bis es wieder zu regnen anfängt. Das Gütermotorschiff, das uns mit durch die Oostersluis nehmen soll, lässt sich auch mächtig Zeit. Von der Schleusenleitung ist sein Eintreffen in dreißig Minuten angekündigt, doch dann dauert es dreimal so lange, bis es gemächlich ums Eck schiebt und auch wir einlaufen dürfen.

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Christian Tiedt am 09.09.2020
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