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Törn: Niederlande

IJsselmeer, Friesland und Groningen - Teil 3

Christian Tiedt am 09.09.2020

Die folgenden Stunden sind dann nur etwas für Hartgesottene: Der graue Himmel, die Regen­schleier, die Scheibenwischer – und der stumpf und scheinbar endlos schnurgerade verlaufende Eemskanaal vor uns. Dazu der Frachter voraus, der es auch weiterhin nicht besonders eilig hat, den wir aber trotzdem nur ein einziges Mal überholen – weil wir ihm an der nächsten Brücke schon wieder den Vortritt lassen müssen. Für die knapp 23 Kilometer bis zu den ersten wenig verlockenden Ausläufern von Delfzijl – ein Silo, Lagerhallen, der Farsumerhaven – brauchen wir mehr als drei Stunden. Das Land ist trist und flach, diese Ecke der Provinz Groningen hat leider wirklich keine Chance durch die wolkengrau getönte Brille. Wenigstens unser Begleiter hat sich inzwischen verabschiedet.

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Die nördlichen Provinzen

Vor der Zeesluis heißt es aber doch noch einmal warten, auch wenn wir diesmal alleine sind. Drei Kammern gibt es hier zur Sicherheit hintereinander, genutzt wird nur die seeseitige. Der Industriehafen von Delfzijl ist ein lang gestreckter, ausgebaggerter Schlauch. Ein hoher Betonwall schützt vor Ems und Nordsee, darauf Windkraftanlagen. Jede Menge Schlote und Industrieanlagen. Viel altes Eisen, zwei Trockendocks. Langsam geht es am Zement-Terminal mit einem großen irischen Bulker vorbei, der gerade entladen wird. Auf der Pier staubt es ordentlich. Allzu viel ist nicht frei an der Schwimmsteg­anlage des Nep­tu­nus Jachthaven, aber hinter Schleppern und zwischen Seglern findet sich Platz. Die Bebauung der Stadt wirkt bunt zusammengewürfelt, mit sehr viel Autoverkehr auf engen Straßen. Daneben die Fußgängerzone mit rot gepflasterten Wegen und einer Holländermühle im Zentrum, die zwischen den Flachdächern und Schaufenstern, den Optikern, Kneipen und Friseursalons, all dem Klinker und Beton, etwa so wirkt wie die Dauerleihgabe eines Freilichtmuseums.

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Die nördlichen Provinzen

in Blick durch den Bauzaun auf der Deichkrone darf nicht fehlen. Nichts zu sehen von der "Bucht" von Watum. Hier wurde so viel Schlick vom Ausbaggern des Hafens abgeladen, dass sich der solide Sand bei Niedrigwasser so wie jetzt fast bis zum Horizont erstreckt. Ganz hinten im Norden schimmert die Außenems als feines silbernes Band. Doch wenigstens blinzelt die Sonne jetzt wieder einmal durch die Wolken. Wir sind uns einig: Feierabend! Das nächstgelegene Restaurant De Boegschroef – "die Bugschraube" – gleich am Hafen stellt sich trotz Achtzigerjahrecharme als erstaunlich nett heraus. Wir haben es geschafft, in drei Tagen vom IJ bis zur Ems. Das darf gefeiert werden! Morgen müssen wir nur noch hinüber nach Emden. Die Wettervorhersage: kein Wind, Sonne satt – und zwanzig Grad im Schatten ...

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Die nördlichen Provinzen

Da die Nachfolgecrew das Boot mit vollen Tanks übernehmen soll, gehen wir am Morgen noch schnell bei der schwimmenden Bunkerstation der Zeilvereniging Neptunus längsseits. Tatsächlich ist das Wasser im Hafen spiegelglatt. Die wenigen Wolken am blauen Himmel kommen kaum voran, kein Windrad, kein Windmühlenflügel bewegt sich. Wie vorhergesagt. Also kurze Ärmel und Sonnenbrille auf dem letzten Teilstück nach Emden, das ausgerechnet das kürzeste ist. Aber besser als nichts! Während die "Rolling Swiss 2" langsam auf dem langen Zeehavenkanaal Kurs auf die Ems nimmt, versammelt sich die "Freiwache" auf dem Vorschiff zum Vitamin-D-Tanken. Vergessen ist der gestrige Tag im Takt der Scheibenwischer. Ein entspannter Abschluss nach drei sehr intensiven Tagen.
Sehr schnell geht es jetzt; nachdem der Fluss erreicht ist, der sich breit und braun der Nordsee entgegenschiebt, scheren wir ins Hauptfahrwasser ein und folgen den Tonnen. An Steuerbord zieht sich das niederländische Ufer wie zum Abschied in den Dunst über dem Dollart zurück, an Backbord begleitet uns dafür die grüne Deichlinie Ostfrieslands. Kurz darauf kommt das rote Molenfeuer des Außenhafens von Emden in Sicht. Wir sind am Ziel.

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Christian Tiedt am 09.09.2020
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