Niederlande Niederlande

Törn: Niederlande

IJsselmeer, Friesland und Groningen

Christian Tiedt am 09.09.2020

Einmal quer durch die nördlichen Provinzen der Niederlande: auf Überführungstörn in drei Tagen von Amsterdam bis nach Emden

Mitte April vergangenen Jahres klingelt mein Telefon. Marc ist dran, aus Zürich: Die "Rolling Swiss 2", die vereinseigene Trader 42 des Cruising Club der Schweiz, muss überführt werden. Für die Etappe von Amsterdam nach Emden ist die Crew ausgefallen, und Ersatz ist gefragt. Schon am 4. Mai soll es losgehen. Kurzfristige Reisen – in Zeiten ohne Corona kein Problem. "Bin dabei!", sage ich. Unser Treffpunkt ist der Sixhaven am nördlichen Ufer des IJ, gleich gegenüber von Amsterdams imposantem Bahnhof. Mit der Tasche auf dem Rücken geht es vom Hotel zur Fähre und einmal quer über den Fluss. Eine schnelle Begrüßung an Bord, dann wird ebenso zügig alles zum Ablegen vorbereitet.

Niederlande

Die nördlichen Provinzen

Denn viel Zeit haben wir nicht, schon am Montag wollen wir in Emden sein. Der Weg dorthin sollte eigentlich nach Marker- und IJsselmeer über die Nordsee führen, doch das Wetter hat dieser Planung einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht: Starkwind und Sturmböen sind angesagt, einen Vorgeschmack davon habe ich schon auf der Fähre abbekommen. Also bleibt nur der Weg über die Binnengewässer, über die Wasserwege der Provinzen Friesland und Groningen, einmal quer durch den Norden der Niederlande. Von der Ostseite des IJsselmeers bis zur Ems sind es auf diesem Weg rund 130 Kilometer. Das ist zwar kürzer als die Route außen herum, aber dafür auch zeitaufwendiger. Egal, am Wetter können wir nichts ändern.

Noch mehr Informationen? Die Törnreportage durch den Norden der Niederlande mit vielen Fotos, Servicehinweisen und detaillierter Karte finden Sie in BOOTE-Ausgabe 6/2020 (hier erhältlich).

Abschied von Amsterdam, Kurs aufs Markermeer. In der Oranjesluizen geht es schnell, wir haben Glück. Dann auf der Buiten-IJ bis zum Leuchtturm am Hoek van ’t IJ und hinaus auf das IJmeer, die südlichste Ausbuchtung des Markermeers, vorbei am niedrigen Schatten der alten Festungsinsel Pampus. Der Nordwind bläst eiskalt und treibt immer wieder Regenböen vor sich her. Wir müssen die Kuchen­bude komplett dichtmachen. Wer trotzdem den Kopf nach draußen steckt, bekommt umgehend einen mit der Peitsche. Trotzdem ist voraus eine Regatta im Gange, Aaken, schwerfällige Plattbodensegler mit Seitenschwertern. Crews in dickem Ölzeug ducken sich in den Schutz der Deckshäuser.

Niederlande

Die nördlichen Provinzen

Das sturmgepeitschte Panorama ist spektakulär, Schaumkronen überall. Die wenigen weißen Segel am Horizont stehen wie Fetzen vor dem finsteren Himmel, wenn einzelne Sonnenstrahlen sie treffen. Die See ist kurz und hart, unsere Scheibenwischer quietschen sich die Seele aus dem Leib und kommen doch nicht mit. Immer wieder ist die Scheibe voller Schaum von den überkommenden Seen, und durch die Reißverschlüsse regnet es Brackwasser auf die Armaturen, was für ein Ritt ... Nachdem wir das Paard von Marken, den bekanntesten Leuchtturm des Landes, gerundet haben, geht es sogar genau gegenan. Wie es wohl erst auf dem IJsselmeer wird? Unser Tagesziel ist Stavoren: Von dort können wir am nächsten Tag direkt zur Binnenfahrt durch Friesland starten. Um 15.45 Uhr laufen wir in den Vorhafen der Schleuse Krabbersgat im Houtribdeich ein und machen alles noch mal doppelt seefest.

Seite 1 / 3
Christian Tiedt am 09.09.2020
    Anzeige
  • Branchen News
    Anzeige
  • Das könnte Sie auch interessieren