Hailuoto Hailuoto

Revier: Hailuoto / Finnland

Was für ein Ende

Christian Tiedt am 28.06.2018

Wo die Ostsee im Norden aufhört, liegt die größte bewohnte Insel der Bottenwiek: Hailuoto. Kaum ein Törnziel – oder doch?

High Noon – so nah am Polarkreis. Hochsommer, die größte Mittagshitze. Gefühlt sind es 30 Grad im Schatten. In den Ritzen zwischen den Betonplatten der Pier wirft der Teer schon Blasen. Die weite Wasserfläche der Bottenwiek ist spiegelglatt und weiter draußen flimmert die Luft wie über einem Salzsee in der Wüste. Harri trägt schwarze Gummi-stiefel, Jeans und einen finnischen Armeeparka. Die dick gefütterte Kapuze und weiße Flecken im Tarnmuster deuten eher auf Winterkleidung hin.

"Ist dir nicht warm?", frage ich interessiert. Grinsend stellt er die Bierdose zu den anderen bereits geleerten neben sich ins Boot und öffnet mit beiden Händen den Reisverschluss des Parkas, um mir darunter seinen schwitzenden, nackten Oberkörper zu präsentieren. "Wie in der Sauna", sagt er.

Hailuoto

Harri, der irgendwo im Niemandsland zwischen 40 und 60 liegt, wohnt eigentlich in Oulu auf dem Festland gegenüber. Aber er hat viel Zeit und ist häufig auf Hailuoto. Im Winter, wenn die Ostsee rund um die Insel meterdick zugefroren ist, kommt er mit einem Freund über die Eisstraße, die dann auf der Fährroute eingerichtet wird, mit Wegweisern und Schildern für die Höchstgeschwindigkeit. Zusammen schauen sie dann in der Hütte des Freundes Krimiserien auf Netflix.

"Nur amerikanische, keine skandinavischen", ergänzt er, als wäre das selbstverständlich. "Die Schweden reden zu viel".
Sobald das Eis verschwundenen ist, welchselt Harri aufs Wasser: Wenn das Wetter passt, macht er den Törn selbst übers Wochenende, dreißig Seemeilen hin, dreißig zurück. "Ich fahre immer an einem Stück durch", sagt er. 

Eine stattliche Leistung für sein nicht mehr ganz junges Angelboot, eine etwa vier Meter lange Terhi mit einem 10-PS-Außenborder unbestimmbarer Marke. Ehemals wohl weiß, geht die Rumpffarbe inzwischen eher in Richtung ungleichmäßig aufgetragener Creme.

Kratzer und Risse hat Harri mit silbernem Powertape überklebt, sodass es von weitem so aussieht, als habe ein Kind alte Pappe zusammengetackert. Die "Einrichtung" ist spartanisch: Neben dem Tank finden noch drei olivgrüne Ersatzkanister und eine Kühlbox Platz. Auf dem Boden liegt ein zerrupfter Daunenschlafsack.

Weitere Revierinformationen zur Insel Hailuoto lesen Sie in der Juli-Ausgabe von BOOTE, die es ab dem 20. Juni im Handel gibt. 
Das Heft ist im DK-Shop erhältlich, oder Sie laden sich den Bericht direkt über den Link unten herunter.

Christian Tiedt am 28.06.2018