Finnland, Saimaa Finnland, Saimaa

Reise: Saimaa-Region / Finnland

Stille Wasser

Christan Tiedt am 01.05.2019

Das Saimaa-Seengebiet im Süden Finnlands ist nahezu endlos. Viel Raum für Abenteuer auf dem Wasser und an Land

Fotostrecke: Europas größtes Binnenrevier

Bei ihren skandinavischen Nachbarn genießen die Finnen nicht gerade den Ruf großer Redseligkeit. Ein Umstand, der allerdings sogar in Finnland selbst mit einer gehörigen Portion schlagfertiger Selbstironie bedacht wird. Gleichzeitig weiß man natürlich auch im übrigen Skandinavien, dass gerade stille Wasser tief sein können. Und das trifft auf das Volk im Norden Europas mindestens ebenso zu.

Dort lautet die Zauberformel der Zufriedenheit: Gegensätze werden genossen, Extreme gefeiert. In anderen Worten: Wenn der Schwede aus der Sauna flieht, fängt der Finne gerade an zu schwitzen.

Wir gönnen uns eine ordentliche Dosis dieses besonderen Lebenselexirs auf Ruuhonsaaret, einer der zahllosen Inseln in der endlosen Weite des Saimaaseengebietes im Süden Finnlands. Es ist unser dritter Abend unterwegs, Halbzeit auf unserem Chartertörn über das größte zusammenhängende Wassersportrevier unseres Kontinents. Eine außergewöhnliche Reise voller Kontraste, mit spannenden Erlebnissen und ausgelassen Momenten, in brennender Sonne und beißendem Wind. Den Tipp für den Naturhafen auf Ruhonsaaret haben wir von Harri Niskanen, der auch am Anfang unseres Abenteuers steht.

Harris Familie bildet das Team von Saimaacharter Voukravenho, dessen Basis in der Stadt Savonlinna auch Ausgangs- und Endpunkt unserer Woche hier sein wird. Die Verwaltungs- und Tourismusmetropole liegt im Herzen des Saimaagebiets, eine seit jeher strategische Position, von der auch die grauen Mauern der Burg Olavinlinna zeugen. Heute bilden ihre Bastionen in jedem Jahr die imposante Bühne für internationale Opernfestspiele. Diesmal wird unter anderem Rossini zu Gast sein: Sevilla in Savonlinna.

Wir werden uns die Stadt erst zum Abschluss unseres Törns genauer ansehen. Denn zunächst soll es für uns nach Süden gehen – und nachdem wir unsere Linssen Grand Sturdy 30.9 AC übernommen haben, steht unserem Start am nächsten Tag nichts mehr im Wege.

Auf nach Süden!

Weite Seen, Felsen, Flechten. Kiefern und Birken. Es ist kühl aber nahezu windstill, mit einem tiefen Himmel und Wasser wie Gusseisen. Bis zum Horizont prägen Wälder das Panorama der sanft gewellten Landschaft. Hin und wieder sind Hütten hinter Bäumen zu erspähen, davor einsame Stege. Kleine weiße Leuchttürme, einheitlich und aus Stahl, werden zu vertrauten Landmarken. Ihre Namen bilden eine wundersame Litanei: Uuraanpää, Kommerniemi, Tuohiluoto, Oulunsaari, Osmonaskel. Nur hin und wieder pendeln gelbe Fähren zwischen den Ufern.

Also heißt es entspannen und die Füße hochlegen! Begegnungen gibt es sonst kaum – von einem kreuzenden Elch einmal abgesehen, der uns dann vom Ufer tropfnass beäugt.

Mehr als sieben Stunden sind wir so unterwegs, bis hinter einer allerletzten Biegung schließlich die Hochbrücke von Puumala in Sicht kommt, ein winziger Ort zwar, aber ein Nadelöhr und Verkehrsknotenpunkt für See- und Straßenverkehr gleichermaßen. Direkt am Hafen gibt es ein Ausflugslokal, einen Supermarkt und die Hütte der Touristeninformation, wo wir uns anmelden. Die Sauna wird leider gerade komplett umgebaut: außer Spänen nichts gewesen.

Auch die "Sky Bar" ganz oben an der Spitze des Brückenpylons verpassen wir, da sie vor fünf Minuten – also pünktlich um 18 Uhr – geschlossen hat. Dabei erklärt das fröhliche Schild am Gästesteg mit dem Namen "Kippis" (Finnisch für "Prost"), dass Puumala das Gibraltar Finnlands ist. Und dass man deshalb hier besonders gerne trinkt. Oder prostet. Oder beides. Dafür sind die nagelneuen Superduschen schon in Betrieb – und so gut geheizt, dass wir die Sauna leicht entbehren können.

Auch anschließend geht es "heiß" weiter: Denn halbwegs den Hügel hinauf wartet die "Ravintola Hovi" auf uns, ein Grillrestaurant mit grobgeschnitztem Ambiente, wo man karelisches Karjala zur Pizza trinkt und nicht mit Knoblauch-Tabasco spart (...)

Die vollständige Reise erschien in der April-Ausgabe 2019 von BOOTE. 

Christan Tiedt am 01.05.2019