Vänernsee Vänernsee

Reise: Schweden

Vänern

Christian Tiedt am 26.01.2021

Quer durch Schweden Teil 2 – Seestück: Die zweite Etappe durch den Süden Schwedens bietet Kontrastprogramm im schönsten Sinn. Die Passage des großen Vänern steht bevor!

Das ist ein Anblick, an den man sich als Mitteleuropäer erst einmal gewöhnen muss: ein See, bei dem das andere Ufer nicht zu sehen ist. Nur leerer Horizont.  Endlose Weite. Wer ganz sichergehen will, probiert das Wasser: frisch und süß, keine Spur von Salz. Um den Süden Schwedens auf eigenem Kiel zu durchqueren, muss man ihn passieren: den Vänern. Mit einer Fläche von rund 5500 Quadratkilometern ist er doppelt so groß wie das Saarland – und zehnmal so groß wie der Bodensee.

140 Kilometer liegen zwischen Vänersborg im Süden und Karlstad im Norden. Seegehende Frachtschiffe sind auf dieser Route unterwegs, über die Schleusen des Trollhätte-Kanals kommen sie von Göteborg herauf. Die Küstenlinie des Vänern misst sogar an die 2000 Kilometer, wenn alle Buchten, Sunde und Inseln mitgezählt werden. Und Inseln gibt es wie Sand am Meer: 22 000 sollen es sein – von der größten, Torsö, bis zum kleinsten wellenumspülten namenlosen Felsbuckel.

Noch mehr Informationen? Die Reisereportage über den Vänernsee mit weiteren Bildern und Serviceteil finden Sie in BOOTE-Ausgabe 02/2021 seit dem 13.01.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Gigantischere Wasserflächen finden sich im Binnenland Europas nur noch weiter östlich in Russland: Ladoga- und Onegasee belegen die Spitzenplätze. Dann jedoch folgt schon der Vänern. Und so bildet er in der Galerie der Wasserwege von Küste zu Küste den großen Kontrast, das eindrucksvolle Seestück zwischen den beschaulichen Landschaftsmalereien von Trollhätte-Kanal und Göta-Kanal.

Sicher ist der Vänern bei diesen Dimensionen mehr als nur ein Revier für sich. Wer als Gast während des kurzen Sommers ein paar Wochen mitbringt – etwa weil er mit dem Trailer unterwegs ist –, kann nicht nur den See selbst erkunden, sondern auch noch den einen oder anderen Abstecher machen. Etwa zum ebenfalls wunderschönen Dalsland-Kanal (dazu später etwas mehr). Skipper auf der Durchreise zwischen Westen und Osten werden sich dagegen in der Regel auf den südlichen Teil des Vänern beschränken. Wobei selbst die kürzeste Verbindung zwischen Vänersborg und Sjötorp, wo der Göta-Kanal beginnt, bereits um die 150 Kilometer misst – eine Etappe, für die man sich mindestens drei Tage Zeit nehmen sollte. Und – wie der zweite Teil unseres Revierporträts "Quer durch Schweden" auf den folgenden Seiten zeigt – gern auch deutlich mehr. Beim Vänern ist nur der Horizont das Limit.

Der Dalbosjön

Der erste Teil unserer Reisebeschreibung endete in der Industrie- und Hafenstadt Vänersborg (BOOTE 11/2020). Vom Kattegat in Göteborg war die Strecke auf dem Trollhätte-Kanal mit seinen sechs Schleusen bis zu seinem binnenseitigen Ende hier im äußersten Südwesten des Vänern gefolgt. Die Weiterfahrt erfolgt nun auf dem südlichen Teil des Dalbosjön, der wiederum die west­liche Hälfte des Vänern bildet. Von Vänersborg öffnet sich der See in einer rund 40 Kilometer langen Bucht wie ein Trichter nach Nordosten. Betonnung und Befeuerung lassen keine Wünsche offen, schließlich sind auf dem See auch Frachter und Tanker des Vänermax-Typs mit bis zu 4,70 Meter Tiefgang unterwegs. Trotz seiner großen Ausdehnung ist der Vänern besonders in ufernahen Bereichen flach und felsig, dazu kommen zahlreiche Einzelhindernisse und Riffe, die von Ortsunkundigen auch in kleineren Booten besser gemieden werden sollten. Ein besonderes Hindernis dieser Art stellt Hindens Rev dar, das wie eine steinerne Nadel über knapp sieben Kilometer in den Dalbosjön hineinragt und sich unter Wasser fortsetzt – harter Rest einer Endmoräne, die während der letzten Eiszeit entstanden ist. Die beiden einzigen Sportboothäfen in diesem Teil des Sees (von Vänersborg abgesehen) befinden sich in Sikhall (www.batsidan.com/hamn/sikhall) und etwas weiter nördlich in Dalbergså (www.dalbergsa.se > gästhamn) auf dem westlichen Ufer.

Nach der Passage der Engstelle zwischen Hindens Rev und Hjortens Udde öffnet sich der Dalbosjön weiter, und die Fahrt ist frei nach Osten in Richtung der Insel Kållandsö (und darüber hinaus zum Göta-Kanal) oder nach Nordwesten zum Dalsland-Kanal.

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Christian Tiedt am 26.01.2021
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