Göta-Kanal Göta-Kanal

Revierporträt: Schweden

Göta-Kanal

Christian Tiedt am 31.05.2021

Quer durch Schweden Teil 3 – Sveriges Route 66: Die Etappe durch den Süden Schwedens bietet auf dem Weg zurück zur Ostsee noch einmal jede Menge Highlights. Der Göta-Kanal hält, was er verspricht

Coast to coast. Es gibt diese Traumstraßen, diese Magistralen der Sehnsucht, auf denen der Weg selbst das Ziel ist und das eigentliche Ankommen so lange wie möglich hinausgezögert wird. Darunter sind Legenden wie die Europastraße 6 zum Nordkap, die Panamericana von Alaska nach Feuerland oder eben die legendäre Route 66, die an den Ufern des Lake Michigan beginnt und bis an die Pazifikküste Kaliforniens führt. Man braucht nur einzusteigen und den Blick nach vorn zu richten, damit ein einmaliges Abenteuer seinen Lauf nimmt.

Weizenfelder, wilde Landschaften und einen weiten Horizont vor der Windschutzscheibe gibt es aber nicht nur auf vier Rädern und einem Band aus glänzendem Asphalt: Auch eine Wasserstraße in Europa kann da mithalten. Sie zieht sich durch den Süden Schwedens, ebenfalls von Küste zu Küste, eine nautische Route 66. Ihre 400 Kilometer lange Strecke lässt sich in drei Abschnitte einteilen: Den Anfang macht der Verlauf des Trollhätte-Kanals von Göteborg an der Ostsee hinauf nach Vänersborg am Vänern. Über diese Etappe berichteten wir in der November-Ausgabe (BOOTE 11/2020) des vergangenen Jahres. Im Anschluss folgte dann im Februar-Heft (BOOTE 2/2021) die Überquerung des größten schwedischen Sees von Väners­borg bis zum kleinen Ort Sjötorp am Ostufer des Vänern. Die erste Hälfte der Reise liegt damit bereits hinter uns, doch der lange Weg hat sich gelohnt: Denn was uns nun erwartet, ist nicht nur geografisch gesehen der Höhepunkt des ganzen Abenteuers: der historische Göta-Kanal.

SJÖTORP Der westliche Teil des Göta-Kanals, der sogenannte Västgötadelen, beginnt am unteren Stemmtor von "Sjötorp 1", der ersten von insgesamt 58 Schleusen auf dem verbleibenden Weg zur Ostsee. Ein kleiner weißer Leuchtturm aus Holz hilft bei der Ansteuerung. Wer schon einen langen Tag hinter sich hat, kann erst einmal im unteren Vorhafen festmachen. Das Büro der Göta kanalbolag, der Betriebsgesellschaft des Kanals, findet man direkt an der Schleusenkammer. Dort erfolgen Anmeldung und Bezahlung der Passage, wenn beides nicht bereits vorab online erledigt wurde. www.avtal.gotakanal.se

Seine Bekanntheit hat Sjötorp gänzlich dem Kanal zu verdanken, gestern wie heute. Zwar sind die Tage als wichtiger Umschlagplatz für Waren vorbei, doch dafür kommen heute Touristen und Tagesausflügler. Der gemütliche Ort ist mit Cafés und Restaurants gut vorbereitet. Am Hafen stehen noch die hübsch restaurierten roten Gebäude der kanalbolag, sogar ein Trockendock gibt es noch. Und das Kanalmuseum dort stimmt zusätzlich auf die kommenden Törntage ein.

DIE SCHLEUSEN Natürlich können die ersten "Stufen" auf dem Göta-Kanal auch gleich in Angriff genommen werden: "Sjötorp 1" ist dabei nur die erste von acht Schleusen im Bereich des Orts, wobei der obere Vorhafen für Gäste zwischen den Doppelschleusen "2-3" und "4-5" liegt. Eine gute Gelegenheit, sich an die baulichen Eigenheiten auf dem Kanal zu gewöhnen. Ringe und Poller zum Führen der Leinen gibt es nämlich nur oben neben dem Kammerrand, die steinernen Kammerwände dagegen sind glatt und bieten keine Hilfen. Das bedeutet, dass bei der Bergschleusung ein Besatzungsmitglied schon vor dem Tor mit der Vorleine übersteigen und das Boot nach guter alter Art mit etwas Motorunterstützung in die Kammer "treideln" muss. Der durchschnittliche Hub beträgt etwa 2,5 Meter, 10-Meter-Leinen sind also angemessen.

Nachdem die Vorleine übergelegt und zurück an Bord gegeben wurde, nimmt die Person an Land die Achterleine an und wiederholt den Vorgang. Das klingt umständlich, sorgt aber für kontrollierte Abläufe und ist spätestens beim Verlassen von Sjötorp ohnehin längst zur Routine geworden – zumal auch das freundliche Schleusenpersonal immer alles im Blick hat. Allein unterwegs ist man ohnehin fast nie, der Schleusenbetrieb sorgt dafür, dass sich kleine Konvois bilden, die dann gemeinsam durch die Landschaft ziehen.
  
DER VÄSTGÖTADELEN Dieses Panorama, durch dessen Felder, Wiesen und Wälder sich der Wasserweg nur windet, hieß früher Västergötland und ist heute Teil der größeren Provinz Västra Götalands län, die sich bis zum Vättern erstreckt. Der See bildet die Grenze zu Östergötland. Dementsprechend sind die beiden Streckenabschnitte des Göta-Kanals benannt: Der Westteil, Västgötadelen, verbindet Sjötorp mit Karlsborg über eine Distanz von 65 Kilometern. Hinter Lyrestad klettert er in schneller Folge über drei Doppel- und eine Dreifachschleuse bei Hajstorp bis auf knapp 87 Meter über dem Meer. Töreboda bietet sich für das Ende der ersten Tagesetappe an. Auf diesem Niveau geht es am nächsten Tag zunächst noch einige Kilometer weiter, bis der Göta-Kanal schließlich mit 91,5 Metern seinen höchsten Punkt erreicht: die Lanthöjde, markiert von einem Obelisken. Er steht auf einer kleinen Insel, die entstand, als eine sehr enge Kanalschleife an dieser Stelle nachträglich mit einem Durchstich begradigt wurde. 

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Christian Tiedt am 31.05.2021
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