Vadstena Vadstena
Skandinavien

Schweden: Wasserstraßenatlas

Christian Tiedt am 27.11.2013

Entdecke die Möglichkeiten: Schwedens verzweigtes Wasserstraßennetz bietet weit mehr als den allseits bekannten Götakanal. Alle Reviere im Überblick.

Vadstena

Hafen und Schloss von Vadstena am Vättern-See.

Fotostrecke: Schweden: Wasserstraßenatlas

Dichte Wälder, einsame Inseln und endlose Wasserflächen: Im Süden Schwedens breitet sich ein ausgedehntes Netz von Seen und historischen Kanälen aus, das die beiden Küsten des Landes verbindet und Abstecher weit ins Innere ermöglicht. Wer auf der Suche nach einem typisch skandinavischen Urlaubserlebnis auf eigenem Kiel ist, findet hier mehr als nur ein Ziel! 

Schwedens große Seen

Die vier großen Seen Südschwedens – Vänern, Vättern, Mälaren und Hjälmaren – sind ein reizvoller Bestandteil des Wasserstraßennetzes und dienen als Bindeglieder zwischen den einzelnen Kanälen. Sie gehören zu den größten Seen Europas. Der etwa 5500 km2 große Vänern liegt nach Ladoga- und Onegasee sogar an dritter Stelle. Er ist zehnmal so groß wie der Bodensee und fünfzigmal so groß wie die Müritz. Seine größte Ausdehnung beträgt 130 km in nord-südlicher Richtung, und 80 km in west-östlicher. Die Küste ist 2000 km lang. Entsprechend anspruchsvoll kann die Navigation sein; besonders bei schlechtem und unsichtigem Wetter entspricht der Vänern (und in Abstufungen auch die anderen Seen) eher einem See- als einem Binnenrevier. Die flache und schärengesäumte Küste ist befeuert. Aktuelle schwedische Seekarten sind ein Muss an Bord, auch wenn die Seen "nur" überquert und nicht weiter erkundet werden sollen.

Dalslandkanal

Ganz im Westen, an der Grenze zu Norwegen, erstreckt sich das Gewässersystem des Dalslandkanals – mit Sicherheit eines der schönsten Binnen-reviere Europas. Denn der Name täuscht: Von seinen rund 250 km sind nur 12 km (mit 31 Schleusen) künstlich geschaffen. Nimmt man die Nebengewässer wie den Töcksforskanal im Norden und den See Silen hinzu, kommt man schnell auf 400 km Strecke. Dabei ragt der rund 55 km lange Stora Le bis nach Norwegen hinein. Der historische Aquädukt von Håverud (1868 eröffnet) gehört zu den bekanntesten Technikdenkmälern Schwedens. Bei Köpmannebro mündet der Kanal in den See Vänern. 

Säfflekanal

Im Nordwesten des Vänern zweigt dagegen der Säfflekanal ab und führt über rund 80 km nach Norden. Schon die Wikinger benutzten diese Route, die heute von nur einer Schleuse reguliert wird. Das nördliche Drittel der Strecke verläuft über den Glafsfjord bis zur kleinen Stadt Arvika.

Trollhättekanal

Schwedens einzige Wasserstraße, die für die Großschifffahrt ausgebaut ist, verbindet den Vänern mit dem Kattegat bei Göteborg. Dabei folgt die rund 80 km lange Strecke größten-teils dem natürlichen Lauf des Flusses Göta Älv. Sechs moderne Schleusen (darunter die Schleusentreppe Trollhättan) überwinden einen Höhenunterschied von insgesamt 44 m. Der Kanal bildet außerdem das westliche Teilstück der bei uns insgesamt als "Götakanal" bekannten schiffbaren Route von Küste zu Küste.

Götakanal

Rechnet man den Trollhättekanal und den Vänern mit ein, erstreckt sich die Götakanal-Route über eine Länge von rund 400 km quer durch den Süden Schwedens. Der eigentliche Götakanal beginnt dagegen am Ostufer des Vänern, durchquert den Vättern und mündet schließlich nach 190 km östlich von Söderköping in die Ostsee. 1832 eröffnet, verfügt er noch immer über 58 historische Schleusen und gehört insgesamt zu den großen Touristenattraktionen Schwedens (zu Lande und zu Wasser). Entsprechend beliebt ist er während der vergleichsweise kurzen Saison bei Sportskippern auf dem Törn "Schweden rund". Zu den bekanntesten Punkten im Kanalverlauf zählt die Schleusentreppe Berg mit ihren sieben Kammern.

Bergslagskanal

Einzige Wasserstraße "ohne Anschluss" an das übrige Netz ist der Bergslagskanal nordöstlich des Vänern. Das beschauliche 65 km lange Gewässersystem zwischen den Orten Filipstad und Karlskoga umfasst 16 Seen und fünf kurze Kanalabschnitte mit insgesamt sechs Schleusen, die sich in der Trägerschaft eines Vereins befinden. Slipanlagen für Wasserwanderer sind vorhanden. www.bergslagskanal.se

Hjälmarekanal

Der nur 13 km lange Hjälmarekanal ist die älteste künstliche Wasserstraße Schwedens. Bereits 1639 wurde er unter der Herrschaft Gustavs II. Adolf eröffnet und verbindet seither den See Hjälmaren mit dem größeren Mä-
laren (und der Ostsee). Seine neun Schleusen überwinden eine Fallhöhe von insgesamt 22 m. www.hjbf.se

Strömsholmskanal

Kein Kanal Schwedens führt weiter nördlich als der 110 km lange Strömsholmskanal. Während früher Erz aus den Gruben im Norden transportiert wurde, ist der Kanal mit seinen 26 Schleusen heute fest in der Hand von Sportskippern. Auf dem Weg hinunter zum Ort Strömsholm am Mälaren beträgt der Höhenunterschied rund 100 m.

Kindakanal

Wer Zeit für seine Götakanal-Tour mitbringt, kann einen Abstecher auf dem Kindakanal einplanen, der vom See Roxen in südliche Richtung führt. Dabei handelt es sich auch hier eher um eine Seenkette: Nur 6 km sind gegraben, der Unterschied des Niveaus beträgt rund 50 m (15 Schleusen). Die touristische Infrastruktur entlang der 90 km langen Wasserstraße ist ausgezeichnet.

Södertäljekanal

Mit nur etwa 5 km Länge (1 Schleuse) der kürzeste Kanal in Schweden. Abkürzung für Fahrzeuge, die auf der Ostsee, von Süden kommend, den Mälaren ansteuern.

Törnvorbereitung

Schwedens Wasserstraßen eignen sich für alle Arten von Sportbooten – egal, ob Sie auf eigenem Kiel, mit Trailer oder mit Schlauchboot im Kofferraum unterwegs sind. Von Norddeutschland aus  muss man für die Anreise mit Pkw etwa einen Tag rechnen. Beachten Sie bei der Törnplanung die aktuellen – und je nach Kanal unterschiedlichen – Öffnungszeiten (Saison in der Regel von Anfang/Mitte Juni bis Ende August/Anfang September).

Für die Nutzung fallen Gebühren an: Eine einzelne Schleusung kostet etwa 50–70 Schwedische Kronen (6–8 Euro); wird ein Ticket für eine Gesamtstrecke gelöst, wird es etwa um ein Drittel billiger. Zu den meisten Kanälen gibt es aktuelle und offizielle Informationsbroschüren (auch auf Deutsch), die im Internet kostenlos heruntergeladen werden können und alle Zeiten, Preise und nautischen Informationen (Bootsabmessungen, Liegestellen) beinhalten. 

Chartern im Revier

Da die Saison im Norden kurz ist und die meisten Gäste
auf eigenem Kiel kommen, gibt es auf den schwedischen Binnengewässern keine großen Charterflotten von Kajütbooten und Motoryachten. Dennoch existieren vereinzelte Angebote. Hier zwei Beispiele:

Götakanal und Kindakanal In Vadstena (bei Motala) am Vättern befindet sich die Charterbasis von Vättern Kanal Charter. Die Firma bietet sechs verschiedene Kajütboote für Rundtörns Richtung Vänern oder zur Ostsee an, je nach Modell ist an Bord Platz für vier bis maximal acht Personen. Tel. 0046-708-54 05 15.

Dalslandkanal Auf dem Dalslandkanal offeriert die Betreibergesellschaft des Kanals selbst eine in Köpmannebro stationierte Nimbus 2600 (Länge: 8,45 m, 4+1 Kojen). Dalslands Kanal AB, Nils Ericsons väg 1, Upperud, SE-464 72 Håverud. Tel. 0046-530-447 50.

Christian Tiedt am 27.11.2013