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Törn: Bornholm / Dänemark

Bornholm und die Ertholmene – König auf der Erbse - Seite 2

Christan Tiedt am 25.07.2016

Für uns markiert die Nacht im Schutz des Leuchtturms auf dem Store Tårn, gut vertäut am Dampfersteg von Christiansø, das Ende unserer ersten Törnhälfte: Auch in diesem Sommer sind wir wieder für zwei Wochen an Bord der "Rolling Swiss 2" zu Gast, die dem Cruising Club der Schweiz gehört. Unser Revier ist in diesem Jahr die südliche Ostsee, bislang hat uns unsere Route von Stralsund über Hiddensee und Bornholm hierhergeführt.

Für die zweite Hälfte stehen Hanöbucht und schwedische Südküste auf dem Programm, und es sieht so aus, als ob wir unser Ziel in Kopenhagen tatsächlich auf dem geplanten Weg erreichen könnten. Noch vor wenigen Tagen war das allerdings noch mehr  als unsicher gewesen. Das Wetter schien andere Pläne mit uns zu haben ...

Rückblick: Start in Stralsund mit viel Wind

Im Grunde wissen wir schon bei Reisebeginn eine Woche zuvor, was da auf uns zukommt: viel Wind aus West, mit einer Beharrlichkeit, die selbst bei guter Wetterlage im Sommer seit einigen Jahren immer hartnäckiger zu werden scheint.

Die Abkühlung kam über Nacht, und die schmale, flache Wasserfläche des Boddens zwischen Rügen und Hiddensee ist weiß gerippt mit kurzen, steilen Wellen.

So ist der Himmel zwar klar, als wir die Backsteinsilhouette Stralsunds mit ihren Kirchtürmen und Speichern in unserem Kielwasser zurücklassen und mit Nordkurs auf den Schaproder Bodden hinaussteuern, doch die extreme Hitze der letzten Tage ist bereits Vergangenheit. Die Abkühlung kam über Nacht, und die
schmale, flache Wasserfläche zwischen Rügen und Hiddensee ist weiß gerippt mit kurzen, steilen Wellen. Hart am Tonnenstrich entlang geht es bis nach Lange Ort auf Hiddensee. Unter Land, hinter dem Deich, beruhigt sich das Wasser zum Glück, und wir finden einen Platz im Päckchen am Kopfende des ersten langen Steges des Yachthafens.

Vitte auf Hiddensee: Die Ruhe vor dem Sturm

Obwohl es schon recht spät ist, können wir am Hafen von Vitte noch Fahrräder mieten für den Ausflug hinauf zum Dornbusch. Der Wind schläft  fast ein, weht nur noch mild, und von den Steilklippen im Norden der Insel reicht der Blick weit auf die Ostsee hinaus. Selbst die weißen Klippen von Møn sind als helles Band am Horizont in der klaren Luft auszumachen; es ist die Ruhe vor dem Sturm.

Wie ein Dom wölbt sich der Sommerhimmel auch am nächsten Vormittag noch über der Ostsee. Doch der Schein trügt, und wir haben die Leinen früh losgeworfen, sodass Rügens Kap Arkona längst in unserem Kielwasser versunken ist, als die ersten Schleier von achtern aufziehen. Aber es sind immerhin 50 Seemeilen nach Bornholm, und bis wir die ersten Häuser von Rønne und die großen Fähren davor klar erkennen können, ist auch das letzte 

Blau über uns verschwunden und die Sonne nur noch eine matte weiße Scheibe hinter der eisigen Schicht aus Cirruswolken. 

Über Funk erfahren wir, dass es im etwas nördlich gelegenen Sportboothafen von Norrekås keinen guten Platz mehr für eine Yacht unserer Größe gibt, also funken wir den Wirtschaftshafen an und bekommen die Freigabe für ein Becken im inneren Teil, dem Nordhavnen. 

Der Hafen von Rønne ist ein wahres Bollwerk gegen die wütende Ostsee, mit mächtigen Molen aus Beton und Granit. Die Mauern sind hoch, eben für die Großschifffahrt, und mit einer Reihe dicker Reifen rustikal "gepolstert". Unsere Festmacher legen wir über die schweren, weiß gestrichenen Poller am Østkajen und machen uns mit der Crew einer polnischen Segelyacht aus Danzig bekannt, die eben- falls hier untergekommen ist. Gemeinsam blicken wir sorgenvoll in den immer tiefer verhangenen Himmel. 

Zur Ablenkung bummeln wir in die kleine Stadt, die sich hinter der industriellen, grauen Fassade des Fährhafens mit seinen Terminals, Silos und Lagerhallen überraschend bunt und gemütlich präsentiert. Alte Häuser aus Stein und Fachwerk säumen die Straßen zum Store Torv, dem zentralen Markt. An den Fassaden blühen Rosenstöcke, und hinter den Fenstern erzählen Porzellanfiguren zwischen gestärkten Gardinen vom einen oder anderen besuchten Ort im Laufe eines langen Seefahrerlebens. 

Fotostrecke: Dänemark: Bornholm

Der Wind kommt am Abend. Auf dem Rückweg vom "Anlegebier", das wir uns in einem heimeligen Pub an der Store Torvegade gegönnt haben, rauscht er bereits durch die Kronen der alten Eichen. Regen setzt ein, und wir hasten zum Hafen hinunter. Doch erst, als wir nass im Salon stehen und es im dunklen Zwielicht draußen richtig zu prasseln beginnt, merken wir, dass auch das Boot in den Leinen arbeitet. Tatsächlich, selbst hier, in der hintersten Ecke, ist das Wasser bereits in Aufruhr. Uns steht eine unruhige Nacht bevor ... 

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Christan Tiedt am 25.07.2016
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