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Törn: Finnische Südküste (Teil 1)

Reif für die Inseln - Teil 2

Christian Tiedt am 06.12.2017

Da die vereinseigene Trader 42 beim letzten Schlag nach Turku jedoch eine Grundberührung hatte, führte unsere erste Etappe gleich in die Werft. Denn Hilfe war zum Glück nah: Mit gedrosseltem Tempo ging es vom Gastanleger der Stadt Turku auf dem Fluss Aurajoki zur Küste und danach ein paar behutsame Seemeilen im glatten Kielwasser einer großen Schwedenfähre zur vorgelagerten Insel Satava.

Bald hing die "Rolling" tropfend in den Krangurten der Marina von Satavan Venepalvelu und präsentierte ihre Unterseite: Beide Propeller hatten ordentliche Scharten und mussten ausgebessert werden. Das geschah dann aber in Rekordzeit, sodass die schweren Schrauben schon am nächsten Tag wieder wie neu an den Wellen glänzten. Jetzt endlich konnte der Törn richtig beginnen.

Zeitig verlassen wir am nächsten Morgen Satava. Bei völliger Windstille liegt der Airisto wie ein Spiegel vor uns. Der breite Meeresarm führt, beiderseits von größeren Inseln flankiert, nach Südwesten.

Am bewaldeten Ufer ducken sich immer wieder hübsche Wochenendhäuser – mökki werden sie genannt – ins lichte Grün, komplett mit Sauna, Bootssteg und badenden Kindern. Finnisch-schwedische Sommeridylle, denn viele der hier lebenden Menschen sind Finnlandschweden, die ihre Sprache behalten haben. Folglich sind die Karten mit Namenspaaren gespickt: Turku und Åbo, Hanko und Hangö. Auf Finnisch heißt Schärenmeer Saaristomeri, auf Schwedisch Skärgårdshavet.

Unser erstes Tagesziel nennen die Finnen Nauvo, die Schweden Nagu. Um es zu erreichen, verlassen wir das tiefe Hauptfahrwasser querab des Leuchtfeuers Skog­holm und folgen einer 2,4-Meter-Rinne auf dem Kartenblatt hinein ins Labyrinth der Schären. Weiß-schwarze Kardinalzeichen, große Schwimmstangen aus Kunststoff, bezeichnen die sichtbaren und unter Wasser verborgene Felsen, und so kommen wir zwischen den Inseln Haverö, Kaldö und Lillandet hindurch nach Storlandet, an dessen Nordostspitze Nagu gut geschützt in einer Bucht liegt.

Für Bootsleute und andere Ausflügler gehört der gemütliche kleine Ort mit seinen knapp 1500 Einwohnern zu den beliebtesten Zielen im Revier.

Der Anker im Wappen sagt alles. Grund dafür ist (neben der zentralen Lage und dem hier seltenen Sandstrand) längst auch die "Najaden", ein ehemaliger Schärendampfer, der zur Restaurant-Bar umgebaut wurde und entlang der Küste besser als "das Pizzaschiff" bekannt ist. Von unserem Liegeplatz sind es nur ein paar Meter über den Steg zur "Najaden". Während unten live Gitarrenmusik gemacht wird, genießen wir auf dem Sonnendeck bei "Pizza Inferno" (mit hauseigener Chilisauce) und eiskaltem Fassbier von Lapin Kulta die weiße Mittsommernacht unseres ersten Törntages.

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Christian Tiedt am 06.12.2017